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Trotz Zusage Vorerst doch kein Weihnachtsgeld für Paracelsus-Mitarbeiter

Von Wilfried Hinrichs

Die Paracelsus-Kliniken können ihren 5200 Mitarbeitern das versprochene Weihnachtsgeld offenbar nicht auszahlen. Foto: Jörn MartensDie Paracelsus-Kliniken können ihren 5200 Mitarbeitern das versprochene Weihnachtsgeld offenbar nicht auszahlen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die Paracelsus-Kliniken können ihren Mitarbeitern das versprochene Weihnachtsgeld offenbar nicht auszahlen.

Darüber informierte die Geschäftsleitung am Freitag die bundesweit etwa 5200 Mitarbeiter des privaten Klinik-Konzerns mit Hauptsitz in Osnabrück. „Wir bedauern außerordentlich, dass wir das Weihnachtsgeld 2017 entgegen unserer Zusage noch nicht überweisen konnten. Nach wie vor arbeiten wir gemeinsam mit den Banken mit vollem Engagement an einer Lösung und werden auch nicht nachlassen, um hoffentlich zu einem guten Ergebnis zu kommen“, teilte Unternehmenssprecherin Simone Hoffmann auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Den Ärger, die Wut und das Unverständnis unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen wir sehr gut und bedauern diese Situation zutiefst. Wir werden nichts unversucht lassen, unseren Beschäftigten das Geld noch vor dem Weihnachtsfest überweisen zu können.“

Schon einmal verschoben

Die Jahresleistung hätte schon am 30. November ausgezahlt werden sollen. Doch die Geschäftsleitung bat die Beschäftigten um Geduld. Das Geld werde am 15. Dezember überwiesen, hieß es. An gestrigen Freitag dann die ernüchternde Nachricht für die Beschäftigten.

Das Weihnachtsgeld entspricht 55 Prozent einer durchschnittlichen Monatsvergütung. Schon einmal mussten die Mitarbeiter Verzicht üben: 2013 stimmten sie einem Sanierungstarifvertrag zu, der für zwei Jahre das Weihnachtsgeld aussetzte und Abstiche beim monatlichen Entgelt vorsah.

Trotzdem guter Hoffnung

Sven Bergelin von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist trotzdem guter Hoffnung, dass das Weihnachtsgeld noch ausgezahlt wird. Fraglich sei der Zeitpunkt. Das Geld stehe den Beschäftigten zu, sie hätten einen einklagbaren Anspruch darauf. Bergelin rief die Mitarbeiter auf, ihren Anspruch schriftlich beim Arbeitgeber geltend zu machen.

Im Juli hatte der Klinik-Konzern die Gewerkschaft Verdi aufgefordert, in Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag zu treten. Ziel war es, die Personalkosten zu senken, unter anderem durch Verzicht der Beschäftigten auf das Weihnachtsgeld. Verdi brach die Verhandlungen später ab, weil die Geschäftsführung nach Verdi-Angaben ein schlüssiges Sanierungskonzept schuldig blieb.

Die Mutmaßung, die Paracelsus-Gruppe habe Liquiditätsprobleme, wiesen die beiden Geschäftsführer Gero Skowronek und Michael Schlickum im November nachdrücklich zurück. Der Konzern behaupte sich gut auf dem schwierigen Gesundheitsmarkt. Allerdings benötige der Paracelsus-Konzern Mittel für Investitionen, die durch eine Senkung der Personalkosten frei werden sollten.

Nach Gewerkschaftsangaben ist das Stammhaus in Osnabrück neben Karlsruhe eines der größten Sorgenkinder des Konzerns. Das Haus am Natruper Holz leide unter Strukturschwächen und zu hohen Kosten. Es passt ins Bild, dass die Paracelsus-Kliniken Ende November Klage gegen das Klinikum Osnabrück wegen Vertragsbruchs einreichte. Paracelsus fühlt sich vom Klinikum um Einnahmen betrogen, weil neurochirurgische Patienten nicht, wie in einem Vertrag vereinbart, in der Para-Klinik operiert wurden.

Zahlen zur aktuellen Geschäftslage nennt der Klinik-Konzern nicht. Nach Gewerkschaftsangaben schreiben sieben der 15 Akut-Krankenhäuser der Paracelsus-Gruppe in diesem Jahr rote Zahlen. Die Klinik in Karlsruhe steht angeblich zum Verkauf, wie die „Badischen Neuesten Nachrichten“ kürzlich berichteten. Die jüngste, im Bundesanzeiger veröffentlichte Bilanz wies für 2015 in der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ein kleines Minus von 351000 Euro aus.