Deutscher Nachhaltigkeitspreis Lebender Filter: Prestigeerfolg für Erfindung aus Osnabrück

Große Ehre: Unser Bild zeigt Helgo Feige (links), Projektleiter Symbiofilter, gemeinsam mit anderen Nominierten und Siegern in der Kategorie Forschung. Foto: Deutscher Nachhaltigkeitspreis/Jochen RolfesGroße Ehre: Unser Bild zeigt Helgo Feige (links), Projektleiter Symbiofilter, gemeinsam mit anderen Nominierten und Siegern in der Kategorie Forschung. Foto: Deutscher Nachhaltigkeitspreis/Jochen Rolfes

Osnabrück/Bramsche. Für die Erfindung eines lebenden Filters, der geklärtem Abwasser überschüssige Nährstoffe entzieht, sind Biologen der Universität Osnabrück gemeinsam mit dem Bramscher Unternehmen Aqua Light beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2017 geehrt worden. Ihr sogenannter Symbiofilter war in der Kategorie Forschung nominiert.

Auch wenn den Sieg bei der Preisverleihung am 8. Dezember in Düsseldorf andere davontrugen: Die Uni Osnabrück wertet das Abschneiden ihrer Wissenschaftler als großen Erfolg. „Ich bin unheimlich stolz auf diese Leistung“, wird Präsident Wolfgang Lücke in einer Uni-Mitteilung vom Dienstag zitiert. Die Nominierung zeige das „hohe Innovationspotenzial“ universitärer Forschung aus Osnabrück und mache deutlich, „dass Kooperationen zwischen Wissenschaft und Unternehmen für alle Beteiligten große Vorteile mit sich bringen“.

Natur als Vorbild

Forscher der Firma Aqua Light aus Bramsche haben in Zusammenarbeit mit der Universität Osnabrück die Natur als Vorbild genommen, um die Problematik der Wasserverschmutzung anzugehen und den Nährstoffeintrag aus Klärwerken zu vermindern. Dazu wurde ein lebender Filter entwickelt: Im Symbiofilter gehen die am schnellsten wachsende Wasserpflanze Lemna (Wasserlinse), die in der Natur häufig in stark belasteten Gewässern vorkommt, und Mikroorganismen eine Lebensgemeinschaft (Symbiose) ein. Der Symbiofilter kann als kompaktes, mobiles Modul direkt in die Wasseraufbereitung des Klärwerks integriert werden, entzieht dem Wasser überschüssige Nährstoffe und wandelt diese sogar in verwertbare Biomasse um. Selbst gesundheitsschädliche Schwermetalle und Arzneimittelreste können durch den Symbiofilter beseitigt werden. Die erfolgreiche Wirkungsweise des Filters ist durch den Einsatz eines Prototypen bereits belegt.

Saubere Umwelt ist essenziell

Nominiert für die gemeinsame Erfindung waren: die Projektleiter Henrik Buschmann (Uni Osnabrück) und Helgo Feige (Aqua Light), Physikprofessor Hilmar Franke, Botanikprofessorin Sabine Zachgo und Maike Bergmann als wissenschaftliche Mitarbeiterin. „Wir freuen uns sehr über diese Nominierung“, sagte Buschmann laut Mitteilung. „Es zeigt nicht zuletzt, dass der Nachhaltigkeitsgedanke in der deutschen Gesellschaft inzwischen akzeptiert und das Wissen darüber, dass wir auf eine saubere Umwelt essenziell angewiesen sind, nicht nur von einigen Aktivisten vertreten wird.“

Trinkwasser von Kontamination bedroht

Zum Hintergrund: Die Wasserverschmutzung in Deutschland wird immer mehr zu einem drängenden Problem. Vor allem tragen überschüssige Nährstoffe wie Nitrate und Phosphate zu einer Kontamination bei, die in herkömmlichen Kläranlagen bisher nicht effektiv entfernt werden können und so direkt in die Oberflächengewässer gelangen. Dadurch ist indirekt auch das Trinkwasser bedroht. Hier setzen die Osnabrücker Wissenschaftler gemeinsam mit Aqua Light an.

Jury von Symbiofilter überzeugt

Der Symbiofilter überzeugte deshalb auch die Jury bei der Vorauswahl. In der Begründung für die Nominierung heißt es: „Der Symbiofilter ermöglicht erstmals eine schnelle, witterungsunabhängige, preiswerte, mobile und äußerst effiziente Lösung zur Reinigung von Wasser – und das auf Pflanzenbasis. In Kombination mit dem Wäscher erlaubt er gleichzeitig die Abluftreinigung aus dem Klärwerk, ohne zusätzliches Abwasser zu erzeugen. Somit liefert der Symbiofilter einen äußerst wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität und einen nachhaltigen Weg zu sauberem Wasser.“

Hauptpreis für bio-elektrochemische Brennstoffzelle

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis wird seit zehn Jahren vergeben, 2017 zum sechsten Mal in der Kategorie Forschung. Preisstifter ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ausgezeichnet wurde diesmal die Entwicklung einer bio-elektrochemischen Brennstoffzelle. Wissenschaftlern des Cutec-Umwelttechnik Forschungszentrums in Clausthal-Zellerfeld gelingt es damit, aus Abwasseranlagen Strom und Rohstoffe zu gewinnen.


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