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12.12.2017, 17:06 Uhr KOMMENTAR ZUM GEBÄUDE IN OSNABRÜCK

Antikriegsbaracke ein Ort der Geschichte: Nicht verfallen lassen

Kommentar von Rainer Lahmann-Lammert

Der Verein Osnabrücker Friedensbaracke verdient Unterstützung: Hier der Vorsitzende Petar Miloradovic bei Aufräumarbeiten vor der Baracke 35. Archivfoto: Gert WestdörpDer Verein Osnabrücker Friedensbaracke verdient Unterstützung: Hier der Vorsitzende Petar Miloradovic bei Aufräumarbeiten vor der Baracke 35. Archivfoto: Gert Westdörp

Osnabrück. Es ist ja nur eine Baracke, und dafür soll die Stadt 600.000 Euro locker machen? Verständlich, dass sich bei Kommunalpolitikern die Nackenhaare sträuben. Es wäre aber fatal, jeden Gedanken an eine Erinnerungsstätte mit Blick auf die Kosten abzuwürgen. Denn die Baracke 35 steht für Ereignisse, die weit über Osnabrück hinaus von Bedeutung sind.

Das Kriegsgefangenenlager Eversheide war im nationalsozialistischen Deutschland wohl der einzige Ort, an dem Juden noch 1944 weitgehend unbehelligt ihre Gottesdienste zelebrieren konnten. Allein die Erinnerung an den legendären Lager-Rabbi Hermann Helfgott wäre es wert, einen Ort des Gedenkens zu schaffen. Dass viele der 5000 serbischen Lagerinsassen nach dem Krieg geblieben sind, hat maßgeblich zur Entwicklung der Stadt Osnabrück und des Stadtteils Eversburg beigetragen.

Der kleine Verein, der die Erinnerung aufrechterhalten will, verdient Unterstützung. Mit Engagement und gutem Willen dürfte es gelingen, lokale Partner für die Nutzung und überregionale für die Finanzierung zu finden. Diesen Ort europäischer Geschichte darf die Politik nicht (ver)fallen lassen!


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