Hoffnung für Korea? Tag der Menschenrechte im Rathaus Osnabrück

Von Peter Szczekalla

Zum internationalen Tag der Menschenrechte befasste sich unter anderem „Die Welt“-Journalistin Jana Werner in Osnabrück mit der Situation in Korea. Foto: Hermann PentermannZum internationalen Tag der Menschenrechte befasste sich unter anderem „Die Welt“-Journalistin Jana Werner in Osnabrück mit der Situation in Korea. Foto: Hermann Pentermann

sz Osnabrück. Anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte am 10. Dezember hat das Generalkonsulat der Republik Korea in Hamburg in Kooperation mit dem Erich Maria Remarque-Friedenszentrum zu einer Vortragsveranstaltung mit Podiumsdiskussion zum Thema „In einem Zug durch Nordkorea“ eingeladen. Vorher gab es im Friedenssaal des Rathauses einen Empfang durch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.

Der OB wies auf die bleibende Bedeutung des Westfälischen Friedens für die heutigen Menschenrechte hin. Auch die jüngere Geschichte Deutschlands seit 1989 könne für das heutige Korea von Bedeutung sein. Und gerade die Friedensstadt Osnabrück dürfe am Tag der Resolution der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 an die Lage der Menschenrechtsopfer erinnern. Gegenwärtig lebten etwa 100 Koreaner in Osnabrück, die sich in das Alltagsleben einbrächten. Er verwies insbesondere auf den 2. Kapellmeister am Theater Osnabrück, An-Hoon Song.

Der Stellvertretende Generalkonsul Tong-Q Lee dankte für das Interesse und die Anteilnahme Osnabrücks am Schicksal der koreanischen Menschen. Von dieser Veranstaltung gehe eine große Bedeutung aus. Er verwies auf die Präambel der Allgemeinen Erklärung, nach der die Menschenrechte „die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt“ bildeten. Man wolle sich heute der Frage widmen, wie sich die Menschenrechtslage in Nordkorea verbessern lassen könne.

Menschenrechtslage in Nordkorea

Genau dieser Frage ging der einleitende Fotovortrag von Ralf Kutschke im Ratssitzungssaal nach. Der Fotograf reiste im Oktober 2015 mit der Absicht, sich ein eigenes Bild vor Ort zu machen, in einem Sonderzug von der chinesischen Grenze im Norden bis in die Hauptstadt Pjöngjang und weiter an die hoch gesicherte Grenze zu Südkorea nach Panmunjom. Die mehrtägige Zugfahrt führte durch ein wildes und gebirgiges Land, entlang der rauen Ostküste am Japanischen Meer, vorbei an vielen, nur von Hand bearbeiteten Reisfeldern, durch kleine und größere Ortschaften, die stark von der Staatsdoktrin der kollektiven Verehrung des herrschenden Kim-Clans geprägt sind, und vorbei an den oftmals über die unbekannten Besucher überraschten und erstaunten Einheimischen. Gerade die jüngere Bevölkerung habe sich aufgeschlossen gezeigt und den Reisenden im Zug mitunter sogar zugewinkt.

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von der „Die Welt“-Journalistin Jana Werner moderiert und zeichnete sich durch Expertenwissen aus allen Bereichen aus: Nataly Jung-Hwa Han, Vorstandsvorsitzende des Koreaverbands, Dr. Hanns Günther Hilpert von der Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik, Martin Patzelt, jetzt wiedergewähltes Mitglied des Bundestages aus Frankfurt/Oder und Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, und Nicolai Sprekels, Vorstandsmitglied des Vereins Saram, gaben interessante und durchaus widersprüchliche Einblicke in die derzeitige und künftige Lage Nordkoreas. Deutlich wurde, dass Nordkorea nicht ein „kommunistisches Land“ sei, sondern ein „faschistoides System“ auf Basis von 32 Klassen mit einem Führerkult (Sprekels).

Perspektiven

Interessant waren auch die unterschiedlichen Perspektiven zur Zukunft, die von der Furcht vor einer kriegerischen Entwicklung im Atomraketen-Streit (Hilpert) über die Hoffnung, dass eine solche ausbleibt (Patzelt), über den Wunsch, dass sich Nordkorea irgendwann einmal öffnet (Jung-Hwa-Han) bis hin zur nicht ganz ernst gemeinten Erwartung, dass Kim Jong-Un nur Töchter bekommt (Sprekels) ging.

Was die Abschlussfrage an alle Anwesenden durch die Moderatorin Werner nach einer Änderung des persönlichen Bildes von Nordkorea nach dieser Veranstaltung ausging, so zeigten sich viele unbeeindruckt, während andere von neuen Erkenntnissen sprachen. Die Fotos von Kutschke sind immerhin bis Januar 2018 im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum zu sehen.


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