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Osterberger Reihe einst und jetzt Koggenstrand statt Altstadt-Gasse

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Osnabrück. Die Zeitreise dieser Woche lässt uns in eine Innenstadt-Gasse schauen, die im Bombenkrieg zerstört wurde und inzwischen restlos verschwunden ist. Nur der Name Osterberger Reihe, benannt nach früherem Grundbesitz des Kreuzherrenklosters Lotte-Osterberg, überlebte. Der heutige Straßenzug mit dieser Bezeichnung verläuft jedoch 80 Meter weiter nördlich.

Wo 1929 eher schmucklose zwei- und dreigeschossige Stadthäuser Wohnungen und Kleingewerbe zu beiden Seiten einer dunklen, schmalen Gasse beherbergten, experimentieren heute Kinder mit Schmöttke. Oder entern als kleine Piraten die Hansekogge. Der Spielplatz auf dem Adolf-Reichwein-Platz gehört als „Themen-Spielplatz“ zu den beliebtesten der Stadt. Entstanden ist die ungewöhnliche Ausstattung des Spielplatzes aus einer Gemeinschaftsaktion des städtischen Eigenbetriebs Grünflächen, des Bündnisses für Familien und des City-Marketings. Mit der Kogge war für den Hansetag 2006 in der Hansestadt Osnabrück geworben worden.

Bis Ende der 1970er-Jahre war die Osterberger Reihe die Verlängerung der Kleinen Hamkenstraße in Richtung der Gaststätte „Grüner Jäger“. Auf der alten Aufnahme erkennt man unterhalb des Katharinen-Kirchturms das Steildach und die hohen Fenster des mehrfach abgewinkelten „Jäger“-Anbaus.

Nach den Kriegszerstörungen waren die Trümmerfelder abgeräumt und in Parkflächen umgewandelt worden. Ältere Osnabrücker werden sich an das damalige ebenerdige Parken erinnern, bevor die Autos in Tiefgaragen und Parkhäusern verschwanden: Statt Parkscheinautomaten säumten Holzhäuschen die Einfahrten zu den Parkflächen, in denen ältere Herren von der Christlichen Versehrtenhilfe saßen und Parkscheine abrissen. Die Standardfrage war: „Wie lange woll’n Se bleiben?“, und nach der gegebenen Antwort richtete sich dann die Parkgebühr.

In dem Bestreben, die Bombenlücken auf wertvollen Zentrumsflächen zu schließen, knöpften sich die Stadtplaner das Gebiet östlich der Katharinenkirche gründlich vor. Der Kamp wurde in die Alte Münze verschwenkt und eine neue Osterberger Reihe in Verlängerung des Jürgensortes angelegt. 1983 weihte der damalige Oberbürgermeister Carl Möller den Ochsenbrunnen als Abschluss der Baumaßnahme ein. Die Concordia-Versicherung, deren Baukomplex die neue Osterberger Reihe beherrscht, hatte die von Rolf Overberg geschaffene Keramikarbeit gestiftet. In das Dreieck zwischen neuer Osterberger Reihe und verschwenkter Alter Münze pflanzten die Planer eine Grünfläche mit Spielplatz. Der Platz wurde nach Adolf Reichwein benannt, dem von den Nazis ermordeten Reformpädagogen. Reichwein wurde ersatzweise diese Ehre zuteil, nachdem er zuvor seine Rolle als Namenspatron der Pädagogischen Hochschule bei deren Umgründung zur Universität eingebüßt hatte.

Beim Vergleich der Katharinen-Turmhelme fällt auf, dass der alte vier neugotische Ecktürmchen mit eigenen Spitzdächern trug. Palmsonntag 1945 durchschlugen Spreng- und Brandbomben das Turmgewölbe, die schweren Kupferplatten der Turmbedeckung flogen wie brennende Papierfetzen zu Boden. Das Eisengerippe des Dachstuhls gemahnte elf Jahre lang in der Stadtsilhouette an die Zerstörungen des Krieges. 1956 erhielt St. Katharinen ein neues Turmdach in der historischen Höhe von 103 Metern, jedoch unter Verzicht auf die Ecktürmchen-Spitzen. Stattdessen wurde der Dachansatz weiter nach außen über die gemauerten Eckturmstümpfe gezogen. Derzeit sammelt die Gemeinde für die Wiederbegehbarmachung des Turms.


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