zuletzt aktualisiert vor

Grüne fordern Sicherheit Hat das neue Traumazentrum in Osnabrück eine Zukunft?

Von Sandra Dorn

Seit Oktober gibt es für traumatisierte Flüchtlinge eine zentrale Anlaufstelle in der Lotter Straße 104. Foto: Thomas OsterfeldSeit Oktober gibt es für traumatisierte Flüchtlinge eine zentrale Anlaufstelle in der Lotter Straße 104. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Kaum gegründet, beginnt auch schon der Kampf um die Zukunft des Osnabrücker Traumazentrums für Flüchtlinge. Die Grünen im niedersächsischen Landtag haben dazu jetzt eine Anfrage an die neue rot-schwarze Landesregierung gerichtet.

Es gebe bereits erste Anzeichen, dass die neue Große Koalition „dieses Angebot nicht mehr so aufrecht erhalten will“, sagt Dragos Pancescu, europapolitischer Sprecher und Migrationsexperte der Grünen im Landtag. Er fordert: „Das psychosoziale Zentrum braucht Klarheit und Planungssicherheit für die wichtige Arbeit und die Menschen. Daher brauchen wir hier ein klares Bekenntnis der GroKo – auch zur weiteren Finanzierung.“

In dem psychosozialen Zentrum in der Lotter Straße 104 werden Flüchtlinge behandelt, die unter Traumata leiden. Auf der Flucht und auch in ihrem Heimatland machen etliche Menschen traumatische Erfahrungen – von Folter bis hin zu Vergewaltigung. Sie finden in der Lotter Straße jetzt Hilfe bei Sozialarbeitern, Ergo-, Sucht- und Psychotherapeuten. Insgesamt sind es etwa drei Personalstellen. Das Beratungsangebot des Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge Niedersachsen (NTFN) war mit Unterstützung der Caritas ein Jahr zuvor gestartet. Eine Sozialarbeiterin beriet traumatisierte Flüchtlinge halbtags und vermittelte sie weiter an Therapeuten – mehr war mit ihrer halben Stelle nicht drin.

Mittel erst einmal bis Mai 2019 bewilligt

Mit den Fördermitteln des Landes für das NTFN-Pilotprojekt „Refukey“, an dem auch die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) beteiligt ist, wurde das Angebot nun zu einem Traumazentrum ausgebaut. Unter anderem ist auch in Göttingen ein solches Zentrum entstanden. Bewilligt wurden die Mittel noch von der alten rot-grünen Landesregierung für zwei Jahre – bis Mai 2019.

„Das Traumazentrum hat unter Rot-Grün endlich die entsprechende Würdigung und Stärkung bekommen, sodass es seine wichtige Arbeit für traumatisierte Flüchtlinge in der Fläche anbieten kann“, sagt Dragos Pancescu. „Das war für uns ein wesentlicher Bestandteil des Paradigmenwechsels in der Flüchtlingspolitik.“

Warnung aus Hannover

Bei der Eröffnungsfeier des Osnabrücker Traumazentrums Ende November hatte Hans-Joachim Heuer, Leiter der Abteilung Migration und Generationen im Niedersächsischen Sozialministerium, gewarnt, dass die Anschlussfinanzierung kein Selbstläufer sei. Die vorige rot-grüne Landesregierung habe das Projekt anders betrachtet als die neue Große Koalition. Er riet den Beteiligten, sich frühzeitig bei den migrationspolitischen Sprechern der Fraktionen für eine Fortführung einzusetzen.

Die Antwort der Landesregierung auf die Frage der Grünen, wie sie zum Psychosozialen Zentrum in Osnabrück steht und wie es in Zukunft um die Finanzierung bestellt ist, steht noch aus.