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Chris Jarrett, der jüngere Bruder von Keith Jarrett, gastiert am Samstag in Osnabrück und spielt zusammen mit Ismail Türker Zu eitel für ein Duett mit dem Bruder

Von Martina Binnig

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„Auf der Bühne bin ich eher muffig“: der Pianist und Komponist Chris Jarrett. Foto: Thomas Osterfeld„Auf der Bühne bin ich eher muffig“: der Pianist und Komponist Chris Jarrett. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Chris Jarrett hatte Glück. Denn ihren großen Ehrgeiz lebten seine Eltern beim ältesten Bruder aus. „Besonders Keith sollte etwas Besonderes werden. Bei mir war der Druck zum Glück dann schon etwas weg. Wenn Keith sich für Mathematik statt für Musik interessiert hätte, wäre er jetzt sicher einer der besten Mathematiker weltweit.“ So aber wurde Keith Jarrett eben einer der berühmtesten Jazzpianisten. Und spielen die Brüder manchmal zusammen? „Nein“, sagt Chris Jarrett nicht ohne Selbstironie, „dafür sind wir alle zu eigen und zu eitel.“

Musiker ist aber auch Chris geworden, wenn auch auf verwinkelten Wegen. Chris Jarrett wurde 1956 in Pennsylvania geboren und ist der jüngste von fünf Söhnen einer slawischen Immigrantenfamilie. Nach einem klassischen Klavierstudium ging er auf Wanderschaft und verdingte sich als Krabbenfischer am Golf von Mexiko, als Fabrikarbeiter in Texas, als Büroangestellter in New York und als Küchenhilfe in London. 1985 kam er nach Oldenburg, wo er seine professionelle Karriere als Pianist und Komponist etwa von Filmmusik und Opern startete. Zurzeit lebt er in der Südpfalz.

Die Musik seines aktuellen Quartetts „Four Free“ nennt er „Hardcore-Kammermusik“: „Wir kommunizieren sehr eng und spielen viele Power-Sachen. Doch unser Sound ist ganz anders als etwa im Free Jazz.“ Die erste Nummer der CD „wax cabinet“ aus dem Jahr 2007, „L’Homme De Fer“, erinnert zum Beispiel an die Jazzlegende Thelonius Monk, mäandert dann aber zwischen Rock-Grooves, freier Improvisation und im klassischen Sinn komponiert wirkenden Passagen weiter. In seiner Solo-CD „Short Stories“ schlägt Jarrett dagegen auch sehr lyrische und impressionistisch gefärbte Töne an. In der Tat ist ihm musikalisches Schubladendenken fremd: „Ich habe mit Richtungen nicht so viel am Hut. Es sind einfach verschiedene Ausdruckformen für mich, die, wenn ich sie innerlich verstanden habe und wenn sie ein Teil von mir geworden sind, in meine Musik einfließen. Ich verspüre keinen Zwang, Stile zusammenzupressen, sondern habe einfach eine gesunde Neugier und die Fähigkeit, Neues aufzusaugen.“ Als musikalische Vorbilder nennt Jarrett denn auch so unterschiedliche Namen wie Johannes Ockeghem, Sergej Prokofiev, Charles Mingus und Frank Zappa.

Schon 1986 spielte er im Ensemble „Les Musicien du Monde“ mit arabischen Musikern in Tunesien. Daran knüpft er im Duo mit dem Osnabrücker Sänger und Sazspieler Ismail Türker nun an. „Ismail ist einer der besten Saz-Virtuosen Europas. Außerdem hat er so eine freundliche Ausstrahlung auf der Bühne, während ich eher muffig bin“, meint Jarrett. „Es geht uns aber nicht darum, türkische und westliche Musik einfach zu vermischen. Denn dadurch kann man alle interessanten Nuancen und die Expressivität der Musik kaputt machen. Wir versuchen, die positiven Seiten von beiden Kulturkreisen zu zeigen, sodass Altes in neuem Licht gesehen wird.“ Deswegen wünscht sich Jarrett auch mehr türkisches Publikum als bei seinem letzten Konzert im Lutherhaus vor gut einem Jahr.

„Saz & Jazz“: Chris Jarrett und Ismail Türker. Lutherhaus, Samstag, 12.2., 20 Uhr. Kartentel. 0541/2001831


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