Fehlalarmierungen: Vertrauen fehlt Feuerwehr kritisiert schlechte digitale Alarmierung im Landkreis Osnabrück

Von Jean-Charles Fays

Digitale Meldegeräte stehen in der Kritik: Der Sprecher der vier Feuerwehrverbände im Landkreis Osnabrück, Manfred Buhr, konstatiert: „Man verlässt sich mehr auf parallel installierte Alarmierungssysteme der Smartphones, obwohl diese nicht sicher sind.“ Foto: Jörn MartensDigitale Meldegeräte stehen in der Kritik: Der Sprecher der vier Feuerwehrverbände im Landkreis Osnabrück, Manfred Buhr, konstatiert: „Man verlässt sich mehr auf parallel installierte Alarmierungssysteme der Smartphones, obwohl diese nicht sicher sind.“ Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die vier Feuerwehrverbände des Landkreises kritisieren die mangelhafte digitale Alarmierung in der Region. In einigen Bereichen komme es zu Fehlalarmierungen, das Vertrauen fehle.

Sprecher Manfred Buhr betont, dass es dem Dienstleister Selectric auch nach anderthalb Jahren noch nicht gelungen sei, eine störungsfreie Alarmierung hinzubekommen.

In einem Brief an Kreisrat Winfried Wilkens, der auch unserer Redaktion vorliegt, klagt der Sprecher der vier Feuerwehrverbände im Landkreis Osnabrück über verschiedene Probleme: Es komme zu Rücknahme von nicht existierenden Einsätzen und Falschalarmierungen. In einzelnen Bereichen kämen die Probleme häufiger, in anderen weniger bis gar nicht vor.

Je länger die Feuerwehren mit solchen Problemen zu tun hätten, umso mehr sinke die Akzeptanz der digitalen Alarmierung. Buhr kritisiert: „Heute bleiben schon Melder zu Hause, weil das Vertrauen fehlt. Man verlässt sich mehr auf die parallel installierten Alarmierungssysteme der Smartphones, obwohl diese nicht sicher sind.“

Er resümiert: „Dieses alles führt unweigerlich zu einer nicht sicheren Alarmierung unserer Einsatzkräfte. Soweit darf es in unserer aller Interesse nicht kommen.“ Zudem bemängelt er, dass die Firma offenbar nicht in der Lage sei, Dienstleistungen vor Ort zu erbringen. Das Dienstleistungsverständnis der Firma für Nachrichten-Systeme aus Münster empfinde er als „sehr schlecht“.

„Nicht länger hinnehmbar“

Diese Situation für die Feuerwehren im Landkreis sei „nicht länger hinnehmbar“. Deshalb habe er die Missstände in dem Brief an den zuständigen Verwaltungsvorstand und an die kommunalen Verwaltungen zusammengefasst.

Der Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff bezieht auf Anfrage unserer Redaktion Stellung: „Im Zuge der Projektrealisierung wurden Mängel an den zwischenzeitlich rund 3500 ausgelieferten mobilen digitalen Meldeempfängern (DME) bekannt.“ Ein mehrfach aufgetretenes Fehlerbild seien „Phantomalarme“. Der DME löst aus, obwohl die Einsatzkräfte gar nicht alarmiert wurden.

Aus den übermittelten Textfragmenten sei für die Einsatzkräfte zwar erkennbar, dass es sich um einen Phantomalarm handele. „Die Fehlalarme sind aber natürlich nicht vertragskonform“, erklärt Riepenhoff und fügt hinzu: „Die Firma Selectic sieht darin vereinzelte Störungen, die lediglich als ,Komfortproblem‘ anzusehen sind.“

Die Regionalleitstelle Osnabrück habe bereits im Oktober eine Anwaltskanzlei mit der juristischen Bewertung der Sachlage in Bezug auf Gewährleistungsrechte beauftragt. Das Vorliegen eines Mangels müsse nun bewiesen werden.

Mängelansprüche verjähren

Da Mängelansprüche innerhalb von zwei Jahren verjähren, werde das für erste Geräte im Gesamtprojekt bereits im Februar 2018 der Fall sein. Die Fehler für die Endgeräte müssten nun konkret benannt werden, damit die Forderungen gegenüber dem Telekommunikationsausrüster Selectric geltend gemacht werden können. Zu diesem Zweck frage die Regionalleitstelle diese Informationen gerade bei den Feuerwehren vor Ort ab. Neben der Kritik gebe es aber auch Feuerwehren, die mit dem bestehenden System zufrieden seien.

( Weiterlesen: Neue „Pieper“ für Feuerwehren der Samtgemeinde Neuenkirchen)

Mängelfreie Leistung gerichtlich einfordern

Wenn die Firma aus Münster nicht entsprechende Lösungsvorschläge unterbreite, sei die Region bereit, gerichtlich die notwendige mängelfreie Leistung einzufordern.

Auf Anfrage unserer Redaktion wollte Selectric die Vorwürfe nicht kommentieren.

Riepenhoff betont, dass aus Sicht der der Regionalleitstelle keine Gefahren oder Probleme im Testbetrieb aufgetreten sind. Wenn es zu Problemen bei der Alarmierung komme, könne es auch zur vorübergehenden Rückkehr zum analogen Alarmierungssystem kommen.

885.000 Euro investiert

In das neue System wurden 885.000 Euro für das Gebiet von Stadt und Landkreis Osnabrück investiert. Die Kosten werden auf Landkreis, Stadt und Krankenkassen verteilt. Die Kosten für die 4500 Funkmeldeempfänger der Region in Höhe von 1,27 Millionen Euro tragen Aufgabenträger wie etwa die Gemeinden als örtliche Träger des Brandschutzes.

Die Regionalleitstelle Osnabrück hatte für die Region ein Vergabeverfahren zur Beschaffung eines gemeinsamen digitalen Alarmierungsfunknetzes durchgeführt. Selectric setzte sich durch.

Selectric setzte sich durch

Stadt und Landkreis sind zum Betrieb eines Alarmierungsfunknetzes verpflichtet. Die mobilen digitalen Meldeempfänger sind nach dem niedersächsischen Brandschutzgesetz bereitzuhalten. Das ist laut Riepenhoff erforderlich geworden, weil die fast 18 Jahre alte analoge Technik auf Dauer nicht mehr nach den Regeln der Technik zu betreiben sei.

Zum April 2016 ging das neue digitale Alarmierungsfunknetz in den Testbetrieb, während die Infrastruktur parallel weiter ausgebaut wurde. Eine Gesamtabnahme des Systems ist laut Riepenhoff noch nicht erfolgt. Das System ist immer noch im Testbetrieb. Der Einführungsprozess und technische Tests erfolgten in enger Abstimmung mit dem Arbeitskreis Digitalfunk der Kreisfeuerwehr, der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr Osnabrück sowie weiteren Aufgabenträgern.

Der Bad Iburger Fachdienstleiter öffentliche Ordnung, Ulrich Ortmeier, sagt, die Alarmierung der Einsatzkräfte sei nicht gefährdet. Es gebe mehrere Systeme, die im Falle einer technischen Störung das fehlerhafte System ersetzen. Allerdings sprach auch der für die Feuerwehr zuständige Fachdienstleiter davon, dass „die Störungen im Bereich der digitalen Alarmierung nicht hinnehmbar“ seien. Diesen Zustand gelte es abzustellen.