Was ist eine Ramanke? Streit um Osnabrücker Traditionsrezept kocht wieder auf

Ist das hier eine Ramanke? Sicher ist, dass es sich um eine Steckrübe handelt, lateinisch Brassica napus. Foto: Bodo Schackow/dpaIst das hier eine Ramanke? Sicher ist, dass es sich um eine Steckrübe handelt, lateinisch Brassica napus. Foto: Bodo Schackow/dpa

Osnabrück. Was ist eine Ramanke? Darüber herrschen in und um Osnabrück geteilte Meinungen. Eine Suche nach einer Antwort.

Im Zusammenhang mit einem Interview zur Neuauflage von Kalla Wefels Osnabrück-Wörterbuchs „Kär, Kär, Kär“ wurde als Übersetzung des Wortes „Ramankeneintopf“ in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ kürzlich „Steckrübeneintopf“ angeboten. Doch das hat Widerspruch ausgelöst. Mehrere Anrufer haben sich in unserer Redaktion gemeldet und darauf verwiesen, dass ein Ramankeneintopf ihrer Meinung nach aus grünen Bohnen und nicht aus Steckrüben besteht. Damit kocht ein lange schwelender Streit über die richtige Rezeptur des Eintopfs wieder auf.

Aber was bedeutet Ramanke eigentlich? Der Duden weiß darauf keine Antwort, ebenso wenig „Meyer Universallexikon“. Auch das „Deutsche Wörterbuch“, von Jacob und Wilhelm Grimm 1838 begonnen und von späteren Generationen 1961 beendet, kennt keine Ramanke. 

Kein wissenschaftlicher Begriff

Vielleicht weiß es ein hiesiger Botaniker besser, etwa Dr. Nikolai Friesen, Kustos des Botanischen Gartens? „Leider habe ich bis jetzt das Wort Ramanken noch nicht gehört“, antwortet er. Auch in der wissenschaftlichen Literatur ist keine Ramanke zu finden, weder als Begriff für die Steckrübe, lateinisch Brassica napus, noch für die Bohne, lateinisch Vicia faba. 

Eine Internetrecherche dagegen lässt das Pendel in Richtung Steckrübe ausschlagen. Auf Wikipedia findet sich im Artikel über Osnabrück das Stichwort Ramanken. Der Ramankeneintopf, heißt es, sei eine in der Friedensstadt entstandene „Delikatesse aus der profanen Steckrübe“. Genau darüber herrscht übrigens Uneinigkeit mit den Hasbergern. Die beanspruchen die Urheberschaft des Ramankeneintopfs für sich.

Wruke, Dotsche, Ananas des Nordens - und Ramanke?

Aber apropos Wikipedia, was sagt das Internetlexikon zum Begriff Ramanke? Wer das Wort in das Suchfeld eintippt, wird – siehe da – auf den Eintrag zur Steckrübe weitergeleitet. Und auch ein Steckrüben-Rezept auf „Spiegel Online“ zählt Ramanke neben Begriffen wie Ananas des Nordens, Dotsche und Wruke als Synonym für die Steckrübe auf. Die „Plattmakers“ sind sicher, dass Ramanken ein „Eten mit Steekröven“ sind.

Alles klar also? Nicht ganz. Einen Tag nach dem Kontakt mit unserer Redaktion ruft Nikolai Friesen wieder an. Er hat seine Kollegen im Botanischen Garten gefragt, ob sie Ramanken und den dazugehörigen Eintopf kennen. Und da geht der Streit von vorn los. Sein Doktorand kennt das Gericht von seiner Oma - als Bohneneintopf. Drei Gärtner dagegen sind sich sicher, das es sich um ein „Gericht mit Rüben“ handelt.


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