„Schaulustige“ im Cinema Arthouse Kurzfilm über Gaffer in Osnabrück uraufgeführt

Von Matthias Liedtke

Regisseurin Elena Walter und Kameramann Emanuel Zander-Fusillo von der Dortmunder Produktionsfirma Blickfänger bei der Premiere ihres Kurzfilms über Schaulustige im Cinema Arthouse in Osnabrück. Foto: Gert WestdörpRegisseurin Elena Walter und Kameramann Emanuel Zander-Fusillo von der Dortmunder Produktionsfirma Blickfänger bei der Premiere ihres Kurzfilms über Schaulustige im Cinema Arthouse in Osnabrück. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Immer wieder ist davon zu hören, dass Gaffer Rettungsarbeiten behindern. Der Kurzfilm „Schaulustige“, der am Sonntagvormittag im Cinema Arthouse in Osnabrück vorgestellt wurde, widmet sich dem Thema in Form einer exemplarischen Geschichte.

Unterstützt von der Sparkasse Osnabrück und gefördert vom Bürgerverein Wüste sowie der Freiwilligen Feuerwehr Osnabrück-Stadtmitte, verwirklichte die in Dortmund ansässige Filmproduktionsfirma Blickfänger das Projekt, das im Saal 5 des Kinos am Erich-Maria-Remarque-Ring nun erstmals zu sehen war. In dem rund fünfminütigen Film wird zugespitzt gezeigt, wie aus Neugier, gepaart mit einem buchstäblich über Leichen gehenden Selbstdarstellungstrieb in sozialen Medien, Gafferei werden kann. Bildaufnahmen von hilflosen Personen stellen inzwischen eine Straftat dar. Darauf machte im Anschluss an die Filmpremiere Jan Südmersen aufmerksam, der seit 20 Jahren unter anderem bei der Berufsfeuerwehr Osnabrück im Einsatzleitdienst tätig ist.

„Zuschauen nicht verboten“

Aus Schaulustigen würden auch dann Gaffer, wenn sie Rettungskräfte, andere Personen oder sich selbst gefährden oder aber die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit behindern, betonte der Brandamtmann. Dabei plädierte er aber auch für eine differenzierte Sichtweise, die unterscheidet zwischen Zuschauern, die an der Arbeit der Hilfskräfte interessiert seien und solchen, die sich ohne Empathie am Leid der Betroffenen lediglich ergötzten. Oftmals würden Passanten auch auf „frustrierte“ Einsatzkräfte treffen, deren Einteilung in gute Helfer und böse Zuschauer dann einer komplexen Unfallsituation nicht immer gerecht werde. „Zuschauen ist zunächst einmal nicht verboten“, betonte Südmersen.  Wenn aber aus natürlicher Neugier erst „egozentrierte“ Schaulust und dann strafrechtlich relevantes „Gaffertum“ werde, sei eine Grenze überschritten.

Thema hat „emotional aufgewühlt“

Genau diese graduelle Steigerung zeigt in zugespitzter Form der Kurzfilm, der innerhalb von drei Tagen auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne am Limberg in Osnabrück gedreht worden ist. Die Freiwillige Feuerwehr habe die vier Schauspieler dabei professionell unterstützt und beraten, berichtete Kameramann Emanuel Zander-Fusillo. Auch das Anfang 2017 entstandene Drehbuch wurde in enger Absprache mit den Feuerwehrleuten geschrieben, ergänzte Regisseurin Elena Walter, die das Thema „aufgewühlt“ habe. Die aus Osnabrück stammende Dortmunder Studentin betreibt gemeinsam mit ihrem Kommilitonen die Filmproduktionsfirma Blickfänger. Derzeit überlegen die beiden Macher noch, wie sie für ihren Film „primär online“ eine möglichst hohe Reichweite erzielen können. Geplant sind aber auch weitere örtliche Aufführungen – kurzfristig jedoch zunächst eine eigene Facebook-Seite, die dann von Feuerwehren, Polizei oder anderen Interessierten geteilt und verlinkt werden kann.