Stickoxidfilter für saubere Luft Stadtwerke Osnabrück rüsten 37 Dieselbusse nach

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Osnabrück. Schluss mit den Stinkern im öffentlichen Nahverkehr: Die Stadtwerke Osnabrück lassen 37 alte Dieselbusse mit Stickoxid-Katalysatoren nachrüsten. Tests zeigen, dass der Ausstoß dieser giftigen Gase dadurch fast vollständig vermieden werden kann.

Mit dem Einbau soll „zeitnah ab dem kommenden Jahr“ begonnen werden, teilten die Stadtwerke Osnabrück auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Pro Fahrzeug dauere eine Nachrüstung etwa zwei Wochen, deshalb kämen die Dieselbusse vor allem zu Ferienzeiten in die Werkstatt. „Der laufende Betrieb soll dadurch natürlich nicht beeinflusst werden“, heißt es.

Schätzkosten von 650.000 Euro

So werde es voraussichtlich bis zum zweiten Quartal 2019 dauern, bis die größten Dreckschleudern in der knapp 100-teiligen Stadtbusflotte eliminiert sind. Gegenwärtig laufe das Vergabeverfahren, und erste Angebote würden eingeholt. „Wir rechnen mit rund 650.000 Euro Nachrüstkosten, hoffen aber auf eine entsprechende Förderung aus dem Dieselfonds “, sagte Kathrin Witte, Sprecherin des Verkehrsbetriebs. Gemeint ist jenes Milliardenpaket, das Bundesregierung und Autoindustrie gemeinsam schnüren zur Luftverbesserung in deutschen Städten.


Busse erfüllen Abgasnorm Euro 5/EEV

Folgende Fahrzeuge werden in Osnabrück schrittweise mit Stickoxidfiltern ausgestattet: 20 Solobusse Baujahr 2007, sechs Gelenkbusse und sechs Solobusse von 2009, außerdem ein Gelenkbus und drei Solobusse aus 2011. Ein weiterer, sechs Jahre alter Gelenkbus wurde bereits 2017 erfolgreich umgerüstet.

Alle 37 Dieselbusse erfüllen laut den Osnabrücker Stadtwerken die Abgasnorm Euro 5/EEV – und behalten diese auch nach der Umrüstung. Die Abkürzung EEV (Enhanced Environmentally Friendly Vehicle) kennzeichnet dabei ein „verbessertes umweltfreundliches Fahrzeug“. Nach Angaben des Bundesumweltamts von 2012 stellte dies seinerzeit den „anspruchsvollsten europäischen Abgasstandard für Busse und Lkw“ dar. Seit Ende 2013 gilt in der Serienprüfung die Euro-6-Norm. Damit wurden die Grenzwerte für Lkw bei Partikeln um etwa 67 Prozent und bei Stickoxiden sogar um 80 Prozent gegenüber Euro 5 gesenkt.

Messfahrten im August 2016 und Oktober 2017

In Osnabrück gingen der Entscheidung des Verkehrsbetriebs pro Filternachrüstung zwei Emissionsmessungen unter realen Bedingungen voraus: Erstmals drehte ein Diesel-Gelenkbus, testweise ausgestattet mit einer sogenannten SCR-Abgasnachbehandlung, im August 2016 auf der Linie 41 (Voxtrup–Haste) seine Runden, im Oktober 2017 dann ein weiteres Mal. „Beide Messungen sind gut verlaufen“, fasst Witte zusammen. Die kritischen Luftschadstoffe Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) – zusammen als NOx bezeichnet – seien durch die Filter „zu über 95 Prozent reduziert“ worden. Die Abgasmenge insgesamt habe sich durch die selektive katalytische Reduktion jedoch nicht verändert, weil auch der Dieselverbrauch nicht sinke.

Mit SCR-Kat nur 0,453 Gramm NOx pro Kilometer

Konkret ergaben die Messungen dies: Für die gut 25 Kilometer lange, viermal gefahrene Runde benötigte das Testfahrzeug vom Typ MAN A23 am 9. Oktober 2017 durchschnittlich 95 Minuten. Das entspricht einer mittleren Geschwindigkeit von 16 Kilometer pro Stunde. Dabei strömten durchschnittlich 0,453 Gramm NOx pro Kilometer aus dem Auspuff, davon etwa neun Zehntel Stickstoffmonoxid und ein Zehntel Stickstoffdioxid. Zum Vergleich: Bei jeweils drei Runden, die der Bus am 16. und 17. August 2016 ohne SCR-Katalysator unter fast identischen Verkehrsbedingungen absolviert hatte, gelangten durchschnittlich 14,172 Gramm NOx pro Kilometer in die Luft. Hier beträgt das Verhältnis von Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid etwa 3:1. (Weiterlesen: Luft am Neumarkt nach Sperrung deutlich besser)

Mit der Filternachrüstung im großen Stil erfüllen die Stadtwerke Osnabrück auch eine alte politische Forderung. Die CDU-Ratsfraktion hatte im März 2016 Dieselbusse als „das ganz überwiegende Umweltproblem in der Innenstadt“ bezeichnet und vom Verkehrsbetrieb möglichst rasche Maßnahmen verlangt, um die Grenzwerte einzuhalten – insbesondere bei NO2, dem größten Sorgenkind in der Osnabrücker Schadstoffbilanz.


Stickoxide

Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) werden aus dem Verkehr, Kraftwerken, Industrieanlagen und Gebäudeheizungen emittiert. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums konnte der Ausstoß aus diesen Quellen durch verbesserte Verbrennungsprozesse, Katalysatoren und Einführung der Rauchgasreinigung stark reduziert werden. NOX ist der allgemeine Sammelbegriff für gasförmige Verbindungen, die sich aus den Atomen Sauerstoff (O) und Stickstoff (N) zusammensetzen. In der Außenluft sind NOX an der Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon beteiligt. Hohe NO2-Konzentrationen in Innenstädten sind vor allem bedingt durch die Emissionen des Straßenverkehrs, im Wesentlichen von Dieselfahrzeugen.

Stickstoffdioxid – das größte Sorgenkind in der Osnabrücker Schadstoffbilanz – ist in geringen Konzentrationen kaum wahrnehmbar. Es führt unter anderem kurzfristig zu Reizungen der Atemwege. Langfristig kann es die Lungenfunktion beeinträchtigen und chronische Herz-Kreislauferkrankungen verursachen. Seit 2010 gelten EU-weit Grenzwerte für Stickstoffdioxid, unter anderem ein Grenzwert für den Jahresmittelwert.

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