Kabarettist Arnulf Rating Motzen mit Niveau in der Osnabrücker Lagerhalle

Von Uta Biestmann-Kotte

Kabarettist Arnulf Rating gastierte in der Lagerhalle. Foto: Gert WestdörpKabarettist Arnulf Rating gastierte in der Lagerhalle. Foto: Gert Westdörp

ubk. Osnabrück. Um kein Thema und keine Pointe verlegen war Kabarettist Arnulf Rating am Freitag mit seinem Programm „Tornado“ beim Osnabrücker Kabarett-Festival auf der Saalbühne der Lagerhalle.

„Tut mir Leid, bin bisschen spät!“ Mit Hut, Schal und Koffer hastet Arnulf Rating auf die Bühne, schimpft über die Bahn, um dann vor aller Augen ein halbes Hähnchen zu verspachteln - was natürlich nicht ohne Tiraden gegen Massentierhaltung und nitrathaltiges Wasser abgeht. Motzen mit hohem Niveau, das gehört zu Arnulf Ratings Markenzeichen.

Anarcho-Kabarettist mit den roten Schuhen

Wenn der Anarcho-Kabarettist mit den roten Schuhen und dem zottigen Haarkranz einmal loslegt, bleibt kein Auge trocken und kein Thema ungeschoren. „Tornado“ heißt denn auch Ratings aktuelles Programm, mit dem er am Freitag beim Osnabrücker Kabarett-Festival das Publikum im gut besuchten Saal der Lagerhalle gehörig aufmischte. „Was haben Sie denn hier für einen Schwachsinn gewählt?“, giftete er, als er auf einer Leinwand die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl präsentierte. Und stellte für das Jahr 2021 gleich mal das Horror-Szenario eines gelb-braunen „Bananen“-Bündnisses von FDP und AfD in Aussicht. Unverständnis zeigte Rating auch für das völlig „unterfremdete“ Mecklenburg-Vorpommern, wo man ein Burka-Verbot fordert, obwohl dort noch nie eine verschleierte Frau gesichtet wurde.

Kaum ein Aufreger blieb unkommentiert

Ob Angela Merkels Wahlstrategie, Diesel-Skandal oder die saftigsten Zeitungs-Aufmacher der vergangenen Monate - Arnulf Rating ließ kaum einen Aufreger unkommentiert. Angetan mit quietschblauem Sakko, empfahl er in der Rolle des schmierigen Verkaufsberaters „Guido Greulich“ gar, die nächsten Wahlen als Möglichkeit zu vermarkten, Politiker einfach raus zu wählen. Zwischendurch schwelgte der 66-jährige Rating in vergangenen Anarcho-Zeiten, als er als Teil der Gruppe „Die 3 Tornados“ West-Berlin unsicher machte.

Im zweiten Teil seines zweistündigen Programms befasste sich Arnulf Rating mit dem Werk eines gewissen Edward Louis Bernays, einem Neffen Sigmund Freuds, dessen PR-Methoden die US-Zigarettenindustrie ebenso beeinflussten wie den amerikanischen oder bundesdeutschen Wahlkampf. Ratings Ausspruch „Der Schnee von gestern ist die Lawine von morgen“ konnte da schon als neue Warnung verstanden werden.


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