„Die Kunden und ich – Weihnachtsspezial“ Nikolaus über freche Kinder, vergessene Weihnachtsgedichte und Großeltern

Als Nikolaus bringt Jens Mehring (links) Kinderaugen – wie hier die der kleinen Anneli – zum Leuchten. Auch ihre Mutter freut sich über das Treffen. Foto: Elvira PartonAls Nikolaus bringt Jens Mehring (links) Kinderaugen – wie hier die der kleinen Anneli – zum Leuchten. Auch ihre Mutter freut sich über das Treffen. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Während andere gemütlich über den Osnabrücker Weihnachtsmarkt bummeln, Geschenke einkaufen und Glühwein trinken, müssen sie ranklotzen: In unserer Serie „Die Kunden und ich – Weihnachtsspezial“ stellen wir Menschen vor, die rund um den Weihnachtsmarkt beruflich im Einsatz sind. Teil 1: ein Nikolaus.

Mit Rauschebart und seinem roten Mantel ist der Bramscher Jens Mehring als einer von vier sich abwechselnden Nikoläusen auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt im Einsatz. Schon sein Leben lang bringt der 47-Jährige als Nikolaus Kinder (und Erwachsene) zum Strahlen. Mit uns hat er über freche Kinder und seine Vorbildfunktion gesprochen – und darüber, dass kaum noch jemand Weihnachtsgedichte kennt.

Wie stark frieren Sie unter Ihrem Kostüm?

Gar nicht, ich schwitze. Der Nikolaus ist aufgrund seines Körpers ja sehr präsent. Dadurch ist es wohlig warm.

Darf der Nikolaus denn auch mal einen Glühwein trinken?

Nach Dienstschluss ja. Aber es gibt ja auch Kinderpunsch und den liebt der Nikolaus. Er steht auf alles, was süß und warm ist.

Warum machen Sie das überhaupt?

Weil es nichts Schöneres gibt, als für Kinder zu arbeiten. Sie sind ehrlich und über ihre leuchtenden Augen bekommt man ein direktes Feedback. Die normale Geschäftswelt ist da ganz anders. Ich liebe es einfach.

Was löst es in Ihnen aus, wenn Sie in leuchtende Kinderaugen gucken?

Das ist schwer zu beschreiben. Das Herz wird einem warm. Es ist einfach ein grandioses Gefühl. Man muss das aber auch zulassen. Wenn man den Job nur aus wirtschaftlichen Gründen machen würde, würden die Kinder das sofort merken.

Wie sehr hat es Ihnen in Ihrer Kindheit gefallen, wenn Sie den Nikolaus auf dem Weihnachtsmarkt getroffen haben?

Ich glaube, ich hatte eher Angst vor ihm.

Wie haben sich die Kinder verändert?

Sie sind frech geworden. Das waren sie zwar immer schon, aber es ist noch etwas mehr geworden. Und lauter. Früher gab es mehr Zwischenstufen, heute sind sie entweder laut, ohne zu wissen, wie viel Respekt man anderen gegenüber haben muss, oder leise und schüchtern.

Kennen sie denn noch Weihachtsgedichte?

Gedichte und Lieder sind Mangelware geworden. Wenn ich schüchterne Kinder nach vorne hole, können die ganz tolle Weihnachtsgedichte aufsagen. Wenn ich zum Beispiel „In der Weihnachtsbäckerei“ anstimme, dann können die meisten miteinsteigen. Aber man muss sagen, dass da auch bei den Eltern Nachholbedarf besteht. Eine Empfehlung des Nikolauses: Man sollte die Basis wieder entdecken. Das gilt auch für Geschenke. Für meine Kinder sind die besten Geschenke die großen Kartons, in denen ich meine Lieferungen bekomme. Da muss der Vater dann ein paar Fenster und Türen reinschneiden und dann können sie damit Ufos oder etwas anderes spielen. Von so etwas haben Kinder viel mehr als beispielsweise von einem Hoverboard.

Was sagen die Kinder denn zu Ihnen, wenn Sie über den Weihnachtsmarkt gehen?

Sie haben schon ziemlich Respekt. Dann merken sie aber, dass der Nikolaus ganz okay ist und nur Knecht Ruprecht mal böse wird, wenn sie nicht artig sind. Aber die Kinder hier sind schon ganz artig. Am Bart gezogen hat mir noch niemand (lacht).

Was war denn das Frechste, das Sie als Nikolaus zu hören bekommen haben?

Noch bevor ich richtig mit meiner Vorführung angefangen hatte, rief mal ein Kind: ‚Hör endlich auf, ich will was Süßes!‘. Der Junge musste mir dann helfen; Kinder auswählen, die zu mir kommen sollten, meinen Sack aufhalten... Das hat er toll gemacht. Deshalb hat er dann auch ein Geschenk bekommen.

Wer freut sich eigentlich mehr auf Sie: die Kinder oder die Eltern?

Am meisten freuen sich die Großeltern. Die machen dann ganz viele Fotos. Dann kommen die Mamas und Papas. Die Kinder sind, wie gesagt, sehr respektvoll.

Hand aufs Herz: Ist der Job nicht manchmal auch anstrengend?

Ja. Wenn da eine Clique ist, die am laufenden Band schreit, muss man sich schon sehr darauf konzentrieren, sein Programm durchzuziehen. Am schönsten ist es eigentlich, wenn Sachen passieren, die man nicht vorhersehen kann und auf die man spontan reagieren muss.

Was sollte ein Nikolaus auf gar keinen Fall tun?

Abnehmen (lacht). Der Nikolaus muss keine Bohnenstange sein. Und rasieren darf er sich auch nicht. Er sollte auch nicht am Glühweinstand stehen und sich einen nach dem anderen reinziehen, wenn er was mit Kindern zu tun hat. Der Nikolaus kann auch mal frech sein, wenn die Kinder frech sind. Insgesamt hat er aber eine Vorbildfunktion und trägt eine große Verantwortung.

Sie öffnen als Nikolaus hier auf dem Weihnachtsmarkt den Adventskalender. Haben Sie selbst auch einen?

Nein, nur meine Kinder haben einen. Ich hätte gerne einen. Wir haben schon mal überlegt, ob die Kinder hier nicht mal einen Adventskalender für den Nikolaus machen könnten.


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