Coaching mit Bussard Banu Schüler aus Berge lernen neues Selbstvertrauen

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stwi Osnabrück. Daniela Ben Said ist eine der erfolgreichsten deutschen Motivationstrainerinnen. Zu ihren Kunden gehören Volkswagen und die Telekom. Jetzt hatte sie zwölf Schüler der Oberschule Berge für ein Coaching zu Gast.

Ihre anfängliche Schüchternheit ist den Jugendlichen nicht zu verdenken: Das Anwesen – man muss es so nennen – von Daniela Ben Said könnte so, wie es ist, einem Hochglanzprospekt für „Schönes Wohnen“ entsprungen sein. Der umgebaute Bauernhof am Rande des Osnabrücker Stadtteils Lüstringen ist einladend, weitläufig, idyllisch. Unter dem Carport am Weg zum Haus stehen ein Geländewagen und ein Motorrad. „Das musste ich mir alles hart erarbeiten“, sagt Ben Said.

An diesem Morgen hat die Diplom-Psychologin die Klasse 9b aus Berge vor sich. Die Schüler sind 14 bis 16 Jahre alt. Keine einfache Klasse, sagt deren Lehrerin Karin Kart. Sie hatte die Trainerin bei einer Veranstaltung gesehen: „Das hat mich so fasziniert. Frau Ben Said ist so powervoll und mitreißend.“ Die Lehrerin will ein Projekt für Schulverweigerer aufbauen. In Daniela Ben Said hat sie dabei eine Verbündete gefunden. Auf ihrer Homepage schreibt sie von ihrem Wunsch, Seminare für „Problemkinder“ kostenlos anzubieten. Das Coaching für die Schüler aus Berge macht sie ehrenamtlich.

Quid agis “ – was bewegt dich? So hat sie ihr Unternehmen genannt. Wissen die Schüler, was sie erwartet? „Ich habe ihnen nur gesagt: Ihr werdet Dinge erleben, die einmalig sind“, sagt Karin Kart. Die Jugendlichen hat Ben Said schnell auf ihrer Seite. An einem Tisch auf der Wiese vor dem Haus erzählt die 39-Jährige von ihrer Hauptschulempfehlung, von Hänseleien, vom Job in der Pommesbude. „Du bist so doof, du schaffst noch nicht mal die Sonderschule“, habe man ihr gesagt. Die Jugendlichen lachen überrascht.

Und spätestens, als der amerikanische Wüstenbussard Banu ins Spiel kommt, hat Ben Said die ganze Aufmerksamkeit der Schüler. „So ein Vogel ist wirklich gefährlich“, sagt die Trainerin. „Ihr dürft ihn gleich auf den Arm nehmen, wenn ihr möchtet.“ Ein sicheres Zeichen für dessen Entspannung sei, wenn er (oder genauer sie) aussehe, „wie ein zerplatztes Sofakissen“. Rund und entspannt. Die Schüler sind zunächst skeptisch; schließlich trauen sich aber doch alle, auch wenn der ein oder andere gehörig zittert, während er das Raubtier hält.

„Wenn so ein Tier sich auf neue Situationen einstellen kann, müssen wir das doch auch können“, meint Ben Said. Sie lobt jeden Erfolg der Schüler, auch wenn er noch so klein ist. Die Teenager soll das Gefühl haben, etwas geleistet zu haben. „Gebt ihm Halt, habt Rückgrat“, appelliert Ben Said. „Was hat der Vogel euch beigebracht?“ fragt sie anschließend in die Runde. Die Schüler trauen sich immerhin schon, sich vor versammelter Mannschaft zu äußern: „Man muss keine Angst vor neuen Sachen haben“, sagt einer der Schüler. „Man muss Respekt vor anderen haben“, ergänzt ein anderer. Respekt haben die Schüler auch vor den Pferden der Trainerin. Auf dem Sandplatz soll jeder dem Shetland-Hengst Titus ein Kunststück abverlangen. „Das Pony sieht zickig aus“, stellt eine Schülerin fest. „Ihr müsst dem sagen, was ihr wollt und was ihr nicht wollt. Und macht das bitte auch so in eurem Leben“, sagt Daniela Ben Said. Die Schüler sollen lernen, sich zu trauen und zu dem zu stehen, was sie wollen.

Die Erfolgserlebnisse halten einigen Schüler mit ihren Handys fest. Nach einer guten Stunde Coaching sind immer noch alle aufmerksam dabei. „Ich glaube, die sind total drin in dieser Sache“, sagt Lehrerin Karin Kart, „Und die Schüchternen merken, dass sie auch was können.“ Melina, ein blondes Mädchen, hält sich zum Beispiel lieber im Hintergrund. Nachdem alle Anderen mit Erich, einem durchschnittlich großen Pferd, selbstständig eine Runde über den Platz gelaufen sind, bringt die Trainerin Melina mit sanftem Druck dazu, es auch einmal zu versuchen. Nach längerem Zögern traut sich die Schülerin und läuft mit Erich eine große Runde. „Der steht auf dich!“, ruft ihr Ben Said hinterher. Das Pferd trottet entspannt hinter Melina her. Als ihr die Trainerin erneut entgegenruft, dass sie das ganz toll mache, sieht man ein schüchternes Lächeln über Melinas Gesicht huschen.


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