Lebendige Kontraste Drei Künstler treffen im Kunstraum hase29 aufeinander

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Sehen aus wie riesige Waffen: die Objekte von Merle Lembeck im Kunstraum hase29. Foto: Jörn MartensSehen aus wie riesige Waffen: die Objekte von Merle Lembeck im Kunstraum hase29. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. BIOS nennt sich die fünfteilige Kunstpartnerschaft zwischen Künstlern aus Bielefeld und Osnabrück. Zurzeit ist der dritte Block des Ausstellungszyklus in Osnabrück zu sehen.

Sie liegen auf dem Boden des Ausstellungsraumes wie riesige Waffen, mit denen sich Titanen bekämpft haben könnten: An beiden Seiten verjüngen sich die lang gestreckten Körper zu gefährlichen Spitzen. Parallel ausgerichtet zeigen sie in eine Richtung und verleihen dem Arrangement mit der Stromlinienform der einzelnen Objekte etwas Geordnetes, Elegantes, und doch Strenges.

Merle Lembeck zeichnet für Objekte, die auch an überdimensionale Kompassnadeln erinnern, verantwortlich. Mit geometrisch gebauten, konkreten Formen gewann sie vor zwei Jahren den Piepenbrock Kunstförderpreis. In der Zwischenzeit hat sie ihren Stil verändert. Die 90-Grad-Winkel verschwanden aus ihren Skulpturen, die Formen wurden runder und weicher. Für ihre geraden, glatten Oberflächen ging sie auf die Suche nach einem Kontrapunkt. Die Bodenobjekte aus Fichte und White Wood hat sie so geschliffen, dass die Maserung und Strukturen des Holzes gerade noch erkennbar sind. Dann bearbeitete sie das Holz mit einer dunklen Pulverbeize. Derweil hängen von der Decke des Kunstraumes zwei Objekte, die zwar eine ähnliche Form aufweisen, jedoch mit Webpelz bespannt sind und so einen lebhaften Kontrast bilden.

Es ist nicht der einzige Kontrast im Raum, denn Merle Lembeck ist mit ihren aktuellen Arbeiten nicht allein, sondern stellt zusammen mit zwei weiteren Künstlern aus. An den Wänden findet man die Werke des Osnabrücker Künstlers Josef Brune sowie die von Reiner Tintel aus Bielefeld. Die Gemeinschaftsausstellung wurde für das Projekt BIOS organisiert, eine fünfteilige Kunstpartnerschaft zwischen Künstlern aus Bielefeld und Osnabrück.

„Mein Malkasten liegt auf der Straße“, sagt Reiner Tintel. Damit meint er, dass er die Materialien, die er benötigt, um seine Collagen anzufertigen, im urbanen Raum zusammensammelt. Es sind Plakate, die er abreißt oder neben Litfasssäulen und Werbetafeln findet. Dabei sind ihm bei der Gestaltung seiner künstlerischen „Werbeflächen“ gerade die Gebrauchsspuren, die Risse und Schabspuren wichtig. Bisweilen erkennt man Lettern, die einen auffordern, entschlüsselt zu werden, vergeblich. Überhaupt sucht der Betrachter nach Bezügen – und findet sie nur vereinzelt: Musikinstrumente verweisen beispielsweise darauf, dass es sich beim Upcycle-Rohstoff um ein Konzertplakate gehandelt hat. Als Zeitdokumente werden die Fragmente bei ihm, neu zusammengefügt, zum Spiegel einer in sich widersprüchlichen Gesellschaft.

Dritter im Bunde von BIOS 3 ist Josef Brune. Er malt gestisch. Man kann ihn förmlich vor sich sehen, wie er wild ausholend die Leinwand mit seinen Farben bearbeitet, um diese gegenstandslosen, expressiven Farb- und Formeruptionen zu generieren. Bisweilen entsteht durch horizontale Struktur ein Anflug von Landschaft, der im nächsten Moment aber wieder zerstört wird.


Kunstraum hase 29 (Hasestraße 29): „BIOS“ - 16 Künstler aus Bielefeld und Osnabrück stellen aus. Bis 28. Januar 2018. Dritter Block mit Arbeiten von Merle Lembeck, Reiner Tintel und Josef Brune bis 23. Dezember. Di., Mi., Fr. und Sa. 14-18 Uhr, Do. 16-20 Uhr, Eintritt frei.

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