Musikstreife mit drei Formationen Benefizkonzert begeistert Stammpublikum in der Osnabrück-Halle

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Zum zehnten und wohl auch letzten Mal fand das Benefizkonzert „Osnabrücker Musikstreife“ im bisherigen Rahmen in der Osnabrück-Halle statt. Die 600 Zahlenden, die kamen, waren begeistert von dem betont abwechslungsreichen Musikprogramm.

Im vergangenen Jahr waren es noch 700 Zuhörer. Der wohl dem Demografie-Faktor geschuldete Trend ist nicht zu übersehen. Die Veranstalter vom Verkehrsverein Stadt und Land Osnabrück (VVO) sehen sich gezwungen, nach einem neuen Konzept Ausschau zu halten. Als der VVO-Vorsitzende Felix Osterheider vor dem „Finale vom Finale“ verkündete, dass man nach neuen Wegen suche, um mit einer Benefizveranstaltung das jährliche Spendenziel von 10.000 Euro zugunsten einer karitativen Einrichtung zu erreichen, war ein vielfaches „Och, schade“ im Publikum zu vernehmen. So ist das eben: Die, die kommen, sind nicht das Problem, sondern, die, die fernbleiben.

Mix aus Altbewährtem und Frischem

Unter den Gästen hat sich so etwas wie ein Stammpublikum herausgebildet, das einerseits die musikalischen Schmankerln schätzt und andererseits gern seinen Beitrag zur Unterstützung karitativer Zwecke leistet. Polizeipräsident Bernhard Witthaut, dessen Dienststelle als Co-Veranstalter eingebunden ist, kündigte einen „guten Mix aus Altbewährtem und Frischem“ an. Für das Altbewährte war im ersten Programmteil das Polizeiorchester Niedersachsen zuständig. Innenminister Boris Pistorius verriet in seinem Grußwort, dass er sich darauf besonders freue: „Sie sind der eigentliche Grund, warum ich eine zweite Amtszeit als Innenminister angestrebt habe: Weil ich Ihr Dienstherr bleiben möchte“, verkündete er launig.

Mit dem schmissigen „Florentiner Marsch“ und einem Potpourri aus der „Lustigen Witwe“ eröffnete das uniformierte Ensemble unter der Leitung von Thomas Boger. Dann gewannen die britischen Inseln musikalisch die Oberhand. Der Nordire Christopher John Day brillierte mit einem Tenorhorn-Solo in der Volksweise „The Flower of Maherally“, gefolgt von Edward Elgars „Pomp and Circumstance“. Moderator Andreas Läpke, selbst als Posaunist im Orchester aktiv, wies zur Begründung auf die alten Verbindungen Hannovers mit der britischen Krone hin. Und überhaupt, die „Musikstreife“ stehe ja in der Tradition der britischen Militärmusikkonzerte, die vor dem Abzug der britischen Einheiten immer am letzten Dienstag im November in der Stadthalle stattfanden.

Dudelsack-Klassiker

„Very British“ ging es weiter mit den Pipes and Drums der Royal British Legion. Die von Eckhard Haenelt geleitete Band ist im Kern ein Überbleibsel der britischen Garnison. Die Royal British Legion ist ein Wohltätigkeitsverein, der sich um ehemalige Soldaten kümmert. Einige in Osnabrück verbliebene britische Militärmusiker gründeten als Aushängeschild der Legion die Marching Band, die mit ihrer schottischen Kostümierung immer ein Hingucker und mit den Dudelsack-Klassikern wie „Scotland the Brave“ ein freudig erwarteter Musikgenuss ist. Inzwischen sind zwei Drittel der Band-Mitglieder Deutsche.

Nach der Pause zeigte die Bigband der Angelaschule aus Osnabrück-Haste, was sie kann. Sie hat ja schon mehrfach vor erlesenem Publikum gespielt, darunter zweimal für ihre „heimliche Namenspatronin“ Angela Merkel. Unter der Leitung von Ekkehard Sauer intonierte sie nun geradezu professionell Jazz- und Swing-Standards wie „Central Park North“ von Thad Jones oder „Take the A-Train“ von Billy Strayhorn. In dem Andrews Sisters-Hit „Hold tight“ aus den 1940er-Jahren glänzten drei junge „Angela Sisters“ als Gesangs-Terzett. Sie machten das so schwungvoll und locker in ihren zeitgemäßen Pünktchen-Kleidern, dass sie das Publikum den krankheitsbedingten Ausfall der angekündigten Soulsängerin Shereen Adam glatt vergessen ließen. Zwei weitere gute Nachrichten ließ sich Ekkehard Sauer vom Moderator entlocken: Vergangenen Samstag hat die Bigband in der Landesmusikakademie in Wolfenbüttel am Wettbewerb „Jugend jazzt“ teilgenommen und dabei landesweit einen beachtlichen vierten Platz belegt. Und: Die jüngst eingespielte CD liegt frisch aus dem Presswerk vor.

(Weiterlesen: Orchester aus Michigan zu Gast an der Angelaschule)

Die Polizeibläser aus Hannover ließen sich nicht lumpen und zeigten, dass auch sie Swing, Jazz und Pop können, so mit ihrem „Tribute to Gershwin“ und Michael Sembellos „The Dream“, in dem Fynn Großmann am Altsaxophon zu Hochform auflief. Zum krönenden Finale spielten schließlich alle drei Formationen zusammen eine Handvoll Traditionals wie „Highland Cathedral“ und „Amazing Grace“. Der Benefizerlös des Konzerts geht je zur Hälfte an das Zivilcourage-Projekt „DREIST! – Theater im Bus“ und an die Frauenberatungsstelle „Frauen helfen Frauen“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN