„Die 39 Stufen“ Hitchcock im Piesberger Gesellschaftshaus

„39 Stufen“ mit vier Personen: Laientheatergruppe „Die Märchenhaften“ spielt Hitchcocks Klassiker im Piesberger Gesellschaftshaus. Foto: Swaantje Hehmann„39 Stufen“ mit vier Personen: Laientheatergruppe „Die Märchenhaften“ spielt Hitchcocks Klassiker im Piesberger Gesellschaftshaus. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Unter der Leitung von Theaterpädagogin Anja Mewes hat die Laientheatergruppe „Die Märchenhaften“ ein neues Stück inszeniert: eine Adaption von Alfred Hitchcocks „Die 39 Stufen“ nach Patrick Barlow. Ein Probenbesuch.

Als Hitchcocks „Die 39 Stufen“ 1935 in die Kinos kam, war der Stoff, dem der Film zugrunde liegt, schon 20 Jahre alt. Er beruft sich auf den gleichnamigen Roman von John Buchan. 70 Jahre nach Hitchcock brachte Patrick Barlow die Geschichte wiederum im experimentellen Rahmen auf die Bühne: Er schrieb ein Theaterstück mit lediglich vier Schauspielern und rudimentären Requisiten, um die Geschichte von Richard Hannay und seinen Verstrickungen in der Welt der Spionage neu zu erzählen. 2017 lebt „Die 39 Stufen“ erneut auf – dank der motivierten Osnabrücker beziehungsweise Wallenhorster Laientheatergruppe „Die Märchenhaften“, die das Stück seit Anfang des Jahres im Piesberger Gesellschaftshaus probt.

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Gemeinsame Entscheidung für Hitchcock

„Ich habe früher schon mal Barlows ,Der Messias‘ inszeniert“, erzählt Theaterpädagogin Anja Mewes, die bei dem Stück Regie führt. Mitte der 90er ist sie von Hamburg nach Osnabrück gezogen und arbeitete mehrere Jahre am Osnabrücker Theater. Jetzt probt sie ein mal wöchentlich mit den Märchenhaften am Piesberg. „Die 39 Stufen“ wird ihr sechstes Stück mit der Gruppe sein. Durch ihre Vergangenheit mit Barlow schlug sie den Schauspielern den Stoff vor, die Märchenhaften entscheiden gemeinsam, was sie spielen möchten und einigten sich ziemlich schnell auf Hitchcock.

Das hat gute Gründe, liegt in der Adaption schließlich ein gewisser Reiz. Zwar besteht die Theatergruppe aus mehr als vier Leuten, dennoch atmet sie durchaus den Geist Barlows und inszeniert das Stück entsprechend: Bewusst fallen die Schauspieler aus ihren Rollen, arbeiten mit einfachen Requisiten wie etwa einem Bilderrahmen, der sowohl als Küchenfenster als auch als Einrahmung des Erzählers dienen kann, oder Bänke, die Züge oder Autos darstellen können.

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Schauspieler wechseln Rollen

Besonders reizvoll ist für den Schauspieler Manfred Wellmann ein anderer Aspekt des Stücks. Zwar spielt er für einen großen Teil der Geschichte die Hauptrolle des Richard Hannay, doch im Laufe von „Die 39 Stufen“ gibt er die Rolle auch an andere Schauspieler ab und schlüpft stattdessen in eine andere. Signalisiert wird dies durch die Weitergabe des Kostüms – und somit deckt jeder Akteur während des Spiels unterschiedliche Rollen ab. Es ist ein Spiel mit der Metaebene, während der Probe am Piesberg fällt dafür auch der Begriff ,schizophren‘. „Das Stück ist an sich ziemlich chaotisch, aber so langsam fügt sich alles zusammen“, beobachtet Wellmann die gemeinsame Probe. Er hat dafür ein gutes Auge, denn er ist als stellvertretender Vorsitzender des Vereins schon „12 oder 13 Jahre“ dabei. „Bisher hat es immer geklappt.“

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„Es ist schön, auf der Bühne Dinge tun zu können, die man sich sonst nicht traut“, sind sich da die Schauspielerinnen Maria Glaubke und Gabi Gebhardt einig. An der Theaterarbeit motiviert sie besonders das besondere Gemeinschaftsgefühl, das während einer solchen Produktion herrscht, da man gemeinsam etwas erarbeitet.

„Die 39 Stufen“ feiert am heutigen Freitag, 1. Dezember, um 19.30 Uhr Premiere im Gesellschaftshaus. Weitere Aufführungen sind dort am 2. Dezember, 19. und 20. Januar jeweils um 19.30 Uhr. Am 6. Januar macht das Stück einen Abstecher ins Emma-Theater.


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