Menschen ohne Obdach Kerzen für in Osnabrück verstorbene Wohnungslose angezündet

16-mal zündeten Besucher des Gottesdienstes Kerzen für verstorbene Wohnungslose an. Foto: Thomas Osterfeld16-mal zündeten Besucher des Gottesdienstes Kerzen für verstorbene Wohnungslose an. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Sehr würdevoll und ohne Pathos haben sich jetzt gut 70 Besucher eines ökumenischen Gottesdienstes in der St.-Barbara-Kirche von den Wohnungslosen verabschiedet, die in den vergangenen zwölf Monaten in Osnabrück verstorben sind.

Ganz in Ruhe wurden nacheinander 16 Kerzen entzündet. Jede von ihnen stand für einen der 16 Verstorbenen, deren Namen Pastor Thomas Herzfeld einzeln vorlas. Der Jüngste ist 47 Jahre alt geworden, der Älteste 78. „Jeder von ihnen hat sein eigenes Schicksal gehabt, und sein Lebensweg hat sich ab einem bestimmten Zeitpunkt von dem der Mehrheit in unserer Stadt unterschieden“, sagte Herzfeld.

Diakon Joachim Meyer von der Wärmestube verlas einen Auszug aus dem Johannes-Evangelium. Das Jesus-Zitat daraus („Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“), nahm Dom-Diakon Gerrit Schulte in der Predigt mit auf. Das Wort gebe auch Antwort darauf, was Menschen im irdischen Leben brauchen: Geborgenheit, Beheimatung und verlässliche Weggefährten auf ihrer Lebensreise.

Menschenrecht Wohnen

Schulte rückte außerdem das Menschenrecht auf Wohnen in den Fokus. „Die Bekämpfung und Verhinderung von Wohnungslosigkeit muss ein Schwerpunkt der politischen Arbeit der nächsten Jahre werden – unabhängig davon, wer regiert“, forderte der Diakon.

Die kirchlichen Sozialverbände Caritas und Diakonie forderten deshalb konfessionsübergreifend die Einführung einer bundesweiten Wohnungsnotfallstatistik, betonte Schulte. „Sie ist zwingend notwendig, um verlässliche Zahlen zu erhalten. Vor allem in Städten und Ballungszentren, aber ebenso im ländlichen Raum, fehlt angemessener und bezahlbarer Wohnraum. Wer allerdings den freien Markt anbetet und nicht den lieben Gott, der wird die Lage noch verschärfen.“

Musikalisch begleitete der „Abseits“-Chor den Gottesdienst. Bei einem Imbiss und Gesprächen klang die Gedenkfeier im Gemeindehaus der St.-Barbara-Kirche aus.


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