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Erschossenes Tier wird präpariert Zoo Osnabrück gibt tote Hybridbärin Tips ins Museum

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Hybridbärin Tips aus dem Zoo Osnabrück wurde nach ihrem Ausbruch im März 2017 in Notwehr erschossen. Ihr toter Körper soll nun wissenschaftlichen Zwecken dienen. Foto: NOZ-Archiv/Michael GründelHybridbärin Tips aus dem Zoo Osnabrück wurde nach ihrem Ausbruch im März 2017 in Notwehr erschossen. Ihr toter Körper soll nun wissenschaftlichen Zwecken dienen. Foto: NOZ-Archiv/Michael Gründel

Osnabrück. Für die im März erschossene Hybridbärin Tips aus dem Osnabrücker Zoo gibt es ein Leben nach dem Tod. Das Tier mit dem großen Seltenheitswert wird dem staatlichen Naturkundemuseum in Stuttgart zur Verfügung gestellt.

Wie der Zoo Osnabrück am Dienstag mitteilte, werde die weltweit einmalige, weibliche Mischung aus Eisbärenvater und Braunbärenmutter dort wissenschaftlich untersucht und präpariert. Anhand von Gewebe- und Fellproben sowie Knochenbau-Analysen wollen die Forscher mehr über die Evolution dieser besonderen Tiere herausfinden. In freier Wildbahn wurden bislang nur sehr wenige Hybridbären entdeckt – die Rede ist von sechs bis zwölf Exemplaren. Es wird vermutet, dass ihre Entstehung unmittelbar mit dem Klimawandel zusammenhängt, weil schmelzende Polkappen und steigende Pegel eine Begegnung von Braunbären und Eisbärinnen (so die übliche Kombination) auf dem Festland zur Paarungszeit begünstigen.

Symbol für globale Erwärmung

Eine schuldhafte Beteiligung des Menschen an dieser dramatischen Entwicklung kann kaum ernsthaft bestritten werden. Und auch Tips verdankte ihre Existenz zunächst einmal einer menschlichen Fehlleistung, wenngleich etwas anderer Art: Denn bis zur Geburt der Hybridbärin und ihres Zwillingsbruders Taps 2004 am Schölerberg hatte niemand im Zoo Osnabrück damit gerechnet, dass deren gemeinsam gehaltene Eltern überhaupt miteinander Nachwuchs zeugen können. Doch Eisbär Elvis und Braunbärin Susi belehrten alle eines Besseren. Erst Jahre später, als erste Mischlingsbären in der kanadischen Arktis auftauchten, gewannen die Verantwortlichen dem Unfall etwas Gutes ab und erklärten das cappuccinofarbene Geschwisterpaar zum Symbol für globale Erwärmung und ihre natürlichen Folgen. Als „Klimabotschafter“ brachten es Tips und Taps schließlich zu internationaler Bekanntheit: Ihre einmalige Geschichte ist inzwischen in wissenschaftlichen Standardwerken dokumentiert.

Eingefroren bei minus 22 Grad

Am 11. März 2017 allerdings fand sie – zumindest für Tips – ein ebenso plötzliches wie tragisches Ende: Durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle gelang der Hybridbärin der Ausbruch aus ihrem Gehege. Zum Schutz der Menschen vor Ort sah sich der Zoo daraufhin zum Abschuss des Raubtiers gezwungen. Und fror es anschließend bei minus 22 Grad Celsius in der Kühlzelle des benachbarten Museums am Schölerberg ein, um in Ruhe überlegen zu können, wie mit dem Kadaver zu verfahren sei. (Weiterlesen: Zoo Osnabrück rüstet nach Bärenausbruch auf)

Kein Abdecker, keine Plastination

Zwei Dinge kamen dabei für die Verantwortlichen aber nicht infrage. Erstens: die tote Bärin – wie grundsätzlich vorgeschrieben – in einer Tierkörperbeseitigungsanlage zu entsorgen. „Abdeckerei wollten wir nicht“, erklärte Zoodirektor Michael Böer. Zu sehr seien Mitarbeiter und Besucher emotional mit Tips verbunden. Zweites No-Go: die Tierleiche für Schauzwecke herzugeben und sie möglicherweise eines Tages im plastinierten Zustand in der Körperwelten-Ausstellung wiederzufinden, die 2018 ja bekanntlich auch in Osnabrück Station macht.

In Stuttgart in besten Händen

Blieb nach Ansicht des Zoos also nur der Ausweg, die Hybridbärin einer wissenschaftlichen Einrichtung zu überlassen. Die Wahl fiel schließlich auf das staatliche Naturkundemuseum in Stuttgart, wo den Angaben zufolge einige der fähigsten Präparatoren Europas arbeiten und wo Tips sich auch schon seit Anfang November befindet. Böer: „Hier können Experten wichtige Proben nehmen und das Tier für die Nachwelt bewahren.“ Das, so glaubt der Zoodirektor, wäre „auch in Tips‘ Sinne“ gewesen. Thorsten Vaupel, der als Revierleiter der nordischen Tierwelt „Kajanaland“ die Osnabrücker Hybridbären von klein auf kennt, pflichtete seinem Chef bei: „So bleibt der Wert der Bärin über ihren Tod hinaus erhalten.“

Forschung zu Mischlingsbären ankurbeln

Warum dieser insbesondere für die Forschung nahezu unermesslich sei, erläuterte Biologe Norbert Niedernostheide, Leiter des Museums am Schölerberg. „Die Forschung zu den Mischlingsbären startet gerade erst. Deswegen ist es für die Wissenschaft so wichtig, Ergebnisse zu sammeln, zu vergleichen und zu erhalten.“ Proben seien bereits zur Analyse an das Senckenberg-Forschungsinstitut in Frankfurt gegangen, weitere weltweite Anfragen lägen vor. „Wenn wir die Proben und das Skelett bewahren, können Wissenschaftler in 20, 40 oder 100 Jahren noch ganz andere Dinge herausfinden“, blickte Niedernostheide in die Zukunft.

Keine Rückkehr nach Osnabrück

Öffentlich ausgestellt werden sollen Präparat und Gerippe der Hybridbärin aber vorläufig nicht – erst recht nicht in Osnabrück, geschweige denn im Zoo selbst. „Das möchten wir auf keinen Fall, dafür ist das Thema viel zu sensibel“, stellte Zoopräsident Reinhard Sliwka klar. Langfristig sei es jedoch denkbar, dass die Bärin in einem Museum gezeigt wird, um die Auswirkungen des „menschengemachten Klimawandels auf die Tierwelt“ zu illustrieren.


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