Betreiberwechsel am 10. Dezember 2017 Eurobahn „bereit“ für Teutoburger-Wald-Netz

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Zum Zugfahrplan-Wechsel 2017 am 10. Dezember übernimmt die Eurobahn für 15 Jahre das Teutoburger-Wald-Netz. Von Osnabrück aus werden dann Fahrten bis nach Hengelo möglich. Doch schon zum Start gibt es Probleme.

Zugausfälle wegen fehlender Lokführer, reihenweise Verspätungen, dazu eine mangelhafte Fahrgastinformation: Es war nicht ohne, was der Eurobahn Ende 2016/Anfang 2017 in Münsterland und Ostwestfalen-Lippe von Kunden und Verkehrsverbünden vorgehalten wurde. Anhaltend schlechte Leistungen brockten ihr damals viel Ärger, miese Schlagzeilen und erheblichen finanziellen Schaden ein. Alles das soll sich aber nicht wiederholen, wenn die Eurobahn in Kürze erstmals auch in Niedersachsen rollt. „Wir sind bereit“, versichert Thomas Görtzen, Geschäftsführer von Keolis Deutschland, im Gespräch mit unserer Redaktion.

5,3 Millionen Zugkilometer jährlich

Das Düsseldorfer Eisenbahnunternehmen ist seit 2000 mit seiner Marke Eurobahn im öffentlichen Schienenpersonennahverkehr unterwegs. In Nordrhein-Westfalen betreibt es bereits das Ostwestfalen-Lippe-Netz (vier Linien bis 2025), das Hellwegnetz (vier Linien bis 2030) sowie das Maas-Rhein-Lippe-Netz (zwei Linien bis 2025). Von 2019 bis 2031 kommt das S-Bahn-Netz Rhein-Ruhr mit zwei weiteren Linien hinzu. Und schon zum Zugfahrplan-Wechsel 2017 am 10. Dezember das bislang von Westfalenbahn und DB Regio gemeinsam betriebene Teutoburger-Wald-Netz (TWN). Dieses umfasst fünf Linien: RB 61 „Wiehengebirgsbahn“ (Bielefeld – Osnabrück – Hengelo), RB 65 „Ems-Bahn“ (Münster – Rheine), RB 66 „Teuto-Bahn“ (Osnabrück – Münster), RB 72 „Ostwestfalen-Bahn“ (Herford – Paderborn) und RE 78 „Porta-Express“ (Bielefeld – Minden – Nienburg). Mit 5,3 Millionen Zugkilometern jährlich wird das TWN auf Anhieb das Netz mit den zweitmeisten Fahrten im Eurobahn-Portfolio sein.

Personal und Züge vom Altbetreiber

Und Geschäftsführer Görtzen weiß, welch großes Erbe die Eurobahn auf diesen Strecken antritt. „Es herrscht hier eine hohe Zufriedenheit mit dem Altbetreiber Westfalenbahn. Daran wollen wir anknüpfen.“ Vom Konkurrenten aus Bielefeld, der sich gegen die im November 2014 erfolgte Vergabe monatelang mit allen rechtlichen Mitteln gewehrt hatte, übernimmt die Eurobahn nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Personal.

19 Elektrotriebzüge vom Typ Stadler Flirt wechseln so gewissermaßen über Nacht den Besitzer. Sie sollen bis Ende 2018 schrittweise renoviert werden – erst innen, dann außen. Zum Ausstattungspaket gehören etwa Bildschirme für Echtzeitauskünfte über Anschlüsse und Pünktlichkeit, außerdem eine moderne Videoüberwachungsanlage, WLAN-Vorrüstung sowie neue Tische, Kopfstützen und Polster. Und anstelle der Farben Grau und Gelb dominiert die Wagen künftig ein kräftiges Mint.

Dienstplanung ein Jahr im Voraus

Darüber hinaus warb die Eurobahn zum Stichtag 40 Lokführer und gut zwei Dutzend Schaffner von der Westfalenbahn ab. „Sie wechseln ihren Arbeitgeber zu den individuell besten Konditionen“, erklärt Görtzen und spricht angesichts des gleitenden Übergangs von einer „Win-win-win-Situation“. Hinzu kommen 50 Triebfahrzeugführer, welche die Eurobahn seit 2016 mit Millionenaufwand selbst ausgebildet und qualifiziert habe, sowie 15 bis 17 weitere Kundenbetreuer.

„Der personelle Unterbestand an Triebfahrzeugführern, der uns zuletzt an manchen Stellen stark zu schaffen machte, ist damit beseitigt“, sagt der Geschäftsführer. Also keine Fahrtausfälle am Fließband mehr, nur weil es (insbesondere zu den beliebtesten Urlaubszeiten oder bei Krankheitswellen) plötzlich an unentbehrlichen Fachkräften mangelt? „Ich glaube nicht, dass das wieder passiert.“ Auch weil die berufstypischen Schicht- und Wechseldienste jetzt ein Jahr im Voraus geplant würden, so Görtzen. Zuvor seien Vier-Wochen-Fristen üblich gewesen.

Fahrten nach Hengelo erst ab 14. Januar 2018

Gleichwohl wird die Eurobahn ihr größtes Versprechen direkt zum Betriebsstart im Teutoburger-Wald-Netz nicht halten können: eine regelmäßige, durchgehende Zugverbindung von Bielefeld über Osnabrück und Rheine bis in die Niederlande zu schaffen. Grund sind ausstehende amtliche Genehmigungen zur Inbetriebnahme von acht fabrikneuen Elektrotriebzügen der dritten Flirt-Generation, die demnächst (mit einer Ausnahme) auf der Linie RB 61 grenzüberschreitend zum Einsatz kommen sollen.

Laut Keolis Deutschland ist der Verzug eine Spätfolge des Vergabestreits. „Wir können ab dem 10. Dezember auf keinen Fall bis Hengelo fahren. Die Züge enden vorläufig in Bad Bentheim“, bedauert Geschäftsführer Görtzen. Sobald die Behörden grünes Licht geben, werde aber ein Fahrzeug nach dem anderen im deutschen Teil des Netzes eingesetzt. Ab dem 14. Januar 2018 soll der Regionalbahnverkehr dann auf ganzer Linie rollen. Darauf habe man sich mit den drei Aufgabenträgern, darunter die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), verständigt.

Streckenfahrpläne in Kürze online

Das Teutoburger-Wald-Netz besteht aus den fünf Linien RB 61, RB 65, RB 66, RB 72 und RE 78. Neu ist die Verlängerung der Verbindung Bielefeld–Osnabrück–Bad Bentheim bis nach Hengelo. Grafik: NOZ/Stefan Langer/Eurobahn

Zu Startschwierigkeiten kommt es allerdings auch auf der Regionalexpress-Linie RE 78: Dort werden laut Eurobahn zwischen Nienburg und Minden werktags bis Jahresende statt Zügen Busse eingesetzt. Auf den übrigen TWN-Strecken, etwa der wichtigen Pendlerlinie RB 66 (Osnabrück – Münster), verkehre die Eurobahn planmäßig. Jedoch müsse „in den ersten Wochen partiell mit Kapazitätseinschränkungen gerechnet werden“. Alle Informationen zu den einzelnen Fahrplänen will der Betreiber in Kürze veröffentlichen.