Aktionstag gegen Gewalt Tausendfach Gewalt gegen Frauen im Raum Osnabrück

Von Sina-Christin Wilk

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Der stellvertretende Oberbürgermeister Wolfgang Beckermann und der Leitende Polizeidirektor Michael Maßmann halten am 25.11.2017, dem Anti-Gewalt-Tag unter dem Motto „Farbe bekennen - Nein! zu häuslicher Gewalt“, am Nikolaiort in Osnabrück eine Fahne. Foto: David EbenerDer stellvertretende Oberbürgermeister Wolfgang Beckermann und der Leitende Polizeidirektor Michael Maßmann halten am 25.11.2017, dem Anti-Gewalt-Tag unter dem Motto „Farbe bekennen - Nein! zu häuslicher Gewalt“, am Nikolaiort in Osnabrück eine Fahne. Foto: David Ebener

siwi Osnabrück. Die Polizeiinspektion Osnabrück und ihre Netzwerkpartner stellen ein umfassendes Präventions- und Beratungsangebot gegen häusliche Gewalt am Nikolaiort vor.

Wie kann es Frauen gelingen, die Spirale häuslicher Gewalt zu durchbrechen? Eine brisante Fragestellung, der sich das Präventionsteam der Polizeiinspektion Osnabrück anlässlich des internationalen Aktionstages widmete. Neben dem Osnabrücker Modell zum Fallmanagement bei Hochrisikofällen wurden erste Anlaufstellen und Präventionsmaßnahmen vorgestellt.

Statistisch gesehen ist für Frauen der gefährlichste Ort ihr eigenes Zuhause. Jede vierte Frau zwischen 16 und 80 wird irgendwann im Leben einmal Opfer gewalttätiger Handlungen des Partners. Soweit zumindest die offizielle Statistik gemeldeter Fälle bei der Polizei. Derzeit sind es in Stadt und Landkreis Osnabrück über 1000 Fälle pro Jahr. Es gebe jedoch Dunkelfeldstudien, die schätzen, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher sind, erzählte Kriminalhauptkommissarin Monika Holtkamp vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Osnabrück.

Osnabrücker Modell

Bereits seit 2006 setzen sich unterschiedliche Beratungsstellen zusammen, um Maßnahmen gegen häusliche Gewalt zu entwickeln. Als 2011 eine entsprechende Handlungsorientierung herausgegeben wurde, ergriff Osnabrück als erste Stadt in Niederachsen die Initiative. Die Frauenberatungsstelle und das polizeiliche Präventionsteam haben ein Netzwerk von inzwischen 19 Partnern aufgebaut und ein Fallmanagement für Hochrisikofälle häuslicher Gewalt etabliert. Das kombinierte System aus Prävention, Beratung in akuten Situationen sowie einer umfangreichen Betreuung funktioniert und soll im gesamten Bundeland umgesetzt werden. Die Anzahl gemeldeter Fälle seien 2016 im Verhältnis zum Vorjahr um 21 Prozent gestiegen. „Unser Ziel ist es, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Durch die Enttabuisierung gehen Frauen eher zur Beratung und holen sich Hilfe“, versicherte Holtkamp.

Terre des Femmes

Als Initiative von Terre des Femmes findet jedes Jahr am 25. November der internationale Tag gegen häusliche Gewalt statt. Das Hissen einer entsprechenden Flagge ist weltweit zum Symbol geworden, um die Problematik präsent zu machen. Organsiert von der polizeilichen Präventionsstelle, den Beratungs- und Interventionsstellen für Opfer Häuslicher Gewalt (BISS) in Stadt- und Landkreis Osnabrück und dem Fachzentrum gegen Gewalt für Täterarbeit und Opferschutz (faust) fand dieses Jahr im Landkreis Osnabrück eine Aktionswoche an mehreren Standorten statt, welche am Samstag, 25. November, am Nikolaiort endete. Hier hissten Stadtrat Wolfgang Beckermann, Stellvertreter des Oberbürgermeisters, und Michael Maßmann, Leitender Polizeidirektor der Polizeiinspektion Osnabrück, gemeinsam die Flagge. In ihren Ansprachen bedankten sich Gleichstellungsbeauftragte Katja Weber-Khan und Beckermann für das Engagement. „Wir können stolz darauf sein, dass in Osnabrück dank kooperativer Netzwerkarbeit und zahlreicher Arbeitstische, die sich dieser Problematik annehmen, wirksam Hilfe geleistet wird“, lobte Beckermann.

Weitere Informationen zu Beratungsangeboten:

http://www.osnabrueck-gegen-gewalt.de/

http://www.rosenstrasse76-osnabrueck.de/


Das Präventionsprojekt „Rosenstraße 76 – Häusliche Gewalt überwinden“ in den Räumen der Berufsbildenden Schulen (BBS) sorgt als interaktive Ausstellung in einer Modellwohnung für eine Sensibilisierung gegenüber physischer und psychischer Gewalt. Konzipiert als Wanderausstellung vom Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche und Brot für die Welt werden im Umfeld einer Modellwohnung Spuren von gewalttätigen Aktionen gezeigt. Seit März 2016 haben bereits über 3600 Personen das Angebot wahrgenommen, bei dem Boris Pistorius die Schirmherrschaft übernommen hat.

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