Das Ende eines Millionengrabes Juli 2013: Rückbau des Osnabrücker Neumarkttunnels beginnt

Bagger rückten mit riesigen Kneifzangen an, um den Betondeckel des Neumarkttunnels zu zermalmen. Foto: Gert WestdörpBagger rückten mit riesigen Kneifzangen an, um den Betondeckel des Neumarkttunnels zu zermalmen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Für die meisten Osnabrücker hieß er bis zuletzt Neumarkttunnel, die Stadtverwaltung bevorzugte den etwas freundlicher klingenden Namen Neumarkt-Passage. Im Juli 2013 begann der Abriss.

Für die Statiker war er weder Tunnel noch Passage, sondern eine Brücke. Eine Brücke muss sich regelmäßige Überprüfungen gefallen lassen, ob sie die ihr zugedachten Lasten noch tragen kann. Dafür müssen alle neuralgischen Punkte des Bauwerks zugänglich bleiben.

Das aber wollte die Stadt gerade nicht: für ein überflüssig gewordenes Bauwerk Jahr für Jahr weiterhin bis zu 200000 Euro an Unterhaltungskosten ausgeben. Und das war auch der Grund, weshalb man die Hohlräume nicht einfach zuschütten konnte. Die „Brücke“ musste regelgerecht abgerissen oder „zurückgebaut“ werden. Wegen der zahlreichen zu erneuernden Leitungen unter Tage, der Stückelung in mehrere Bauabschnitte und der Verkehrsführung über Tage war das eine komplexe Geschichte, die drei Millionen Euro kostete.

Für die Osnabrücker Volksseele war der Rückbau ein hochemotionaler Vorgang, der vielfach Unverständnis hervorrief. Es mangelte nicht an Vorschlägen, wie man den Tunnel weiter hätte nutzen können: Lichtinstallation, Spielcenter oder Fahrradgarage lauteten einige der insgesamt mehr als 20 durchgespielten Varianten. Rat und Verwaltung sind keinem dieser Vorschläge nähergetreten.

Im Juli 2012 beschloss der Rat einstimmig, den Tunnel abzureißen. Im ersten Bauabschnitt von Juli bis Oktober 2013 ging es dem östlichen Teil mit dem Tunneleingang am Kollegienwall zu Leibe, weil er mit dem Baubeginn des Hasehauses verzahnt war. Im August 2015 war alles abgeschlossen und zugleich ein schillerndes Kapitel der Stadtentwicklung beendet, das 1964 mit der Eröffnung begonnen hatte und vor den mehrfachen, teuren Erweiterungen und Umgestaltungen, zuletzt noch 2005 für 2,9 Millionen Euro, heftig diskutiert worden war.


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