Osnabrück Mobilitätsforum Weniger Stau in Osnabrück durch digitale Verkehrslenkung?

Mobilität sieht anders aus: einer der zahlreichen Staus, die es in letzter Zeit in Osnabrück gab. Foto: Jörn MartensMobilität sieht anders aus: einer der zahlreichen Staus, die es in letzter Zeit in Osnabrück gab. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Mehr Raum in der Stadt für Menschen und weniger für Autos wünschen sich Verkehrsplaner auch in Osnabrück. Aber der Weg dorthin ist beschwerlich, wie beim jüngsten Mobilitätsforum deutlich wurde.

Bereits zum vierten Mal seit Juni hatten Stadt und Stadtwerke Osnabrück zu einer solchen Veranstaltung eingeladen, die diesmal in einem Hörsaal des Schlossgebäudes der Universität stattfand. Hintergrund ist, dass seit knapp einem Jahr die bis dahin konzerneigenen Bereiche „Nachhaltige Mobilität“ der Stadt und „Neue Mobilität“ der Stadtwerke unter dem gemeinsamen Namen und Logo als „mobile Zukunft“ firmieren. Ziel dieser Kooperation ist die Schaffung einer „gesunden und nachhaltigen Lebensumwelt“ in der Stadt, das beispielsweise durch Förderung der Elektromobilität sowie des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sowie eine Stärkung des Radverkehrs erreicht werden soll.

 

Der Autor und Blogger Martin Randelhoff, 2012 im Alter von 23 Jahren mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet, plädierte als Hauptredner vor etwa 70 Zuhörern für digital unterstützte und flexible Verkehrskonzepte. Als ein Vorbild nannte er Finnland, wo im öffentlichen Nahverkehr Kleinbusse eingesetzt würden, die auch zu nachfrageschwachen Tageszeiten zügiges Pendeln ermöglichten. In Deutschland dagegen habe der „ÖPNV den Wandel der Arbeitswelt bisher nicht mitgemacht“.

Noch eine Zigarette vor der Abfahrt?

Mit Hilfe digitaler Techniken können laut Randelhoff Verkehrsströme und die Belastung der Luft mit Schadstoffen besser erfasst, Ampelschaltungen optimiert und durch „Freigabe von Fahrplandaten“ mehr Kunden für den ÖPNV gewonnen werden, sagte Randelhoff. So sei es zum Beispiel möglich, einem Raucher mitzuteilen, ob es sich lohne, sich vor Abfahrt des nächsten Busses noch eine Zigarette anzuzünden. Oder dem Gast einer Bar könne der Wirt anzeigen, ob er es schaffe, bis dahin noch ein Bier zu trinken.

 

Wie der Hauptredner warnte auch Moderatorin Stefanie Bremer davor, die Vorteile der digitalen Verkehrslenkung aus Sorge über unzureichenden Datenschutz nicht wahrzunehmen. Wenn man einem Unternehmen wie Facebook seine Daten überlasse, sei es unverständlich, wenn man sie gewählten Politikern vorenthalten wolle.

„Weder Vision noch Konsens“

 

Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes zeigte sich in der Diskussion skeptisch, dass sich beim Verhalten der Verkehrsteilnehmer in Osnabrück schnell etwas ändern werde, denn es gebe „starke Beharrungskräfte“. Man müsse „die Leute abholen“ sagte er und stellte fest, dass es in der Stadt weder eine „Vision von der Mobilität der Zukunft“ noch einen Konsens darüber gebe, wie diese aussehen könnte.

 

Stadtbaurat Frank Otte entgegnete, er „glaube schon, dass wir in Osnabrück eine Vision haben“. Hier wie andernorts sei die Innenstadt „durch den motorisierten Individualverkehr belegt“ und müsse für Menschen attraktiver gemacht werden. Allerdings gebe es in Osnabrück Verkehrsbereiche wie die Lotter Straße, in denen es nicht möglich sei, eine Bus- oder Fahrradspur anzulegen, ohne den Autoverkehr zu beschränken. Fast zeitgleich wurde bekannt, dass die Stadt den Radfahrstreifen entlang der Vitischanze entfernen lässt, weil sich durch diese bisherige Markierung Radfahrer in falscher Sicherheit wähnen könnten.

Wünsche und Wirklichkeit

 

Nicht nach den Wünschen der Planer läuft es derzeit auch bei der Elektrifizierung des ÖPNV in Osnabrück. Wegen eines Formfehlers bei der Ausschreibung ist die Entscheidung darüber, welcher Hersteller die neuen Elektrobusse liefert, bisher noch nicht getroffen. Womöglich werden die Fahrzeuge statt wie geplant im kommenden erst im übernächsten Jahr angeschafft. Gleichwohl zeigte sich die städtische Projektleiterin Brigitte Strathmann zuversichtlich, dass elf Patenprojekte zur Verbesserung des Verkehrsflusses in der Stadt mehrheitlich im Laufe des Jahres 2018 umgesetzt werden, darunter die Mobilitätsstationen in Haste, Düstrup und Sutthausen, die nach dem Wortlaut eines entsprechenden Faltplans „entlang der elektrifizierten Buslinie 41“ entstehen sollen.

 

Passend zu ihren Hindernissen auf dem Weg in die mobile Zukunft gab Grimme-Preisträger Randelhoff seinen Osnabrücker Zuhörern den Rat,  „klein anzufangen“ und zu schauen, „was man innerhalb eines Jahres umsetzen kann“.


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