Vor fünf Jahren gestartet Wie läuft es an Osnabrücker Drei-Religionen-Schule?

Von dpa

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Osnabrück. Als die Drei-Religionen-Schule vor fünf Jahren ihre Arbeit aufnahm, startete damit ein Experiment: Können christliche, jüdische und muslimische Kinder sich in einer Grundschule gegenseitig ihre Konfessionen nahebringen?

Nein, von außen sieht die kleine Grundschule in der Osnabrücker Neustadt nicht gerade revolutionär aus. Ein schlichter Flachbau aus den 1970er Jahren. Aber was sich im Schulalltag abspielt, ist in großen Teilen ein seit fünf Jahren ablaufendes Experiment: Christliche, jüdische und muslimische Kinder sollen über den regulären Religionsunterricht hinaus ihre Religion leben und sich gegenseitig ihren Glauben erklären. Daher der Name „Drei-Religionen-Schule“.

Träger ist die Schulstiftung des katholischen Bistums Osnabrück, die zusammen mit der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, der katholischen Kirchengemeinde St. Johann und den muslimischen Verbänden Schura und Ditib kooperiert. Das Konzept sei in den vergangenen Jahren ständig gewachsen und habe sich verändert, sagt Schulleiterin Birgit Jöring. Derzeit besuchen 174 Jungen und Mädchen die Schule.

Besondere Verpflegung ein wichtiges Thema

Das besondere religiöse Profil zeigt sich zum Beispiel bei der Schulverpflegung – ein wichtiges Thema in einer Ganztagsschule. Für Muslime und Juden gibt es viele Speisevorschriften – das Essen muss halal oder koscher sein. Den Eltern werde zur Einschulung eine Liste mit „erlaubten“ Süßigkeiten ausgehändigt, denn schließlich wollen Grundschulkinder zu ihren Geburtstagen ihren Klassenkameraden auch etwas Süßes mitbringen. „Da achten vor allem die Kinder sehr genau drauf“, sagt die Schulrätin des Bistums Claudia Sturm.

Für die interreligiöse Begegnung seien inzwischen Projekttage und Projektwochen entwickelt worden. Darin sollen die Kinder Themen erkunden, die in allen drei Religionen Bedeutung haben – heilige Schriften etwa, oder religiöse Alltagsgegenstände. Mit den Kindern werden auch die jeweiligen Gebetshäuser besucht.

Gegenseitig religiöse Feste erklären

Einen wichtigen Stellenwert haben religiöse Feste und Feiern. Wenn das Martinsfest vor der Tür steht, werde erklärt, warum man mit Laternen durch die Straßen laufe und wer der Heilige Martin war. „Das gleiche machen wir auch mit dem Opferfest oder zu Chanukka“, sagt Schulleiterin Jörin. Auch wenn aus guten Gründen die christlichen Kinder nicht die jüdischen und muslimischen Feste mitfeiern können – und umgekehrt – so spielen sie doch im Schulalltag eine große Rolle. Und die Kinder erklären einander die Bedeutung der jeweiligen Feiern.

Was aus religiöser Sicht bei diesem gegenseitigen Kennenlernen tolerabel ist und was nicht, darüber wacht ein Beirat. Für die protestantischen Kinder sitzt der evangelisch-reformierte Pastor Günter Baum in dem Gremium. Baum ist auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Osnabrück. „Jeder darf seine Religion hier ausleben, aber von der ersten Klasse an immer im Dialog und in Toleranz mit den anderen. Das finde ich überzeugend.“ Froh sei man darüber, dass die Imame der Osnabrücker Moscheen ihre Kinder auf die Schule schickten. „Zwischen Juden und Muslimen gibt es eine sehr enge Beziehung“, sagt Baum. „Das finde ich wunderbar.“

Muslime wünschen sich mehr dieser Schulen

Aus Sicht der muslimischen Eltern dürfe es Schulen wie die Drei-Religionen-Schule öfter in Niedersachsen geben, sagt Sümeyra Kilic, die für den Moscheeverein Ditib im Beirat sitzt. Eine Schule, in der Religion gelebt werde, sei für viele Muslime wichtig. Ein bedeutender Aspekt sei, dass man sich für die eigene Religion nicht rechtfertigen müsse. „Ich erinnere mich an meine eigene Schulzeit, da musste ich mich entschuldigen, dass ich wegen eines religiösen Feiertages nicht da war.“ Auch wenn es um die Einhaltung der religiösen Speisevorschriften gehe, müssten sich die Eltern keine Sorgen um ihre Kinder machen.

Respekt vor anderen Religionen

Für die jüdischen Eltern sei es wichtig, dass die Schüler ganz selbstbewusst als jüdische Kinder in die Schule gehen können und als solche wahrgenommen werden, sagt der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Michael Grünberg. Das funktioniere sehr gut. Die Kinder lernten dabei auch Respekt vor anderen Religionen. „Das war und ist uns wichtig“, sagt Grünberg. Bei Schwierigkeiten gebe es schnell Gespräche. Auf allen Ebenen herrsche ein gutes Miteinander. Auch er könne sich eine solche Schule in anderen Städten vorstellen, als einen Ersatz für konfessionelle Schulen.

Bei allem Reden über das besondere religiöse Konzept dürfe aber auch nicht vergessen werden, dass es sich um eine ganz normale Grundschule handele, betonen Schulleiterin Jöring und Schulrätin Sturm. „Es ist eine Grundschule, in der die Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen lernen“, sagt Sturm. Die Personalausstattung sei hervorragend, die Klassen in vielen Stunden mit zwei Lehrkräften besetzt. Auch viele Flüchtlingskinder besuchen die Schule. Durch das Ganztageskonzept habe die Schule viele Fördermöglichkeiten, sagt Jöring. Die Nachfrage der Eltern nach der zweizügigen Schule sei da. Es habe auch schon Jahre gegeben, in denen man Anmeldungen habe abweisen müssen.

Von Außen sieht die Schule aus wie jede andere. Foto: dpa


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