zuletzt aktualisiert vor

Lernen auf engstem Raum Stüveschule in Schinkel hofft durch den Auszug der Kreuzschule auf Entlastung

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. „Sechs Jahre haben wir immer wieder auf die räumlichen Probleme in der Stüveschule hingewiesen. Sechs Jahre ist nichts passiert“, sagt Ulrike Zimmermann vom Personalrat. Resigniert hätten ihre Kolleginnen und Kollegen aber nicht: Nach dem jüngsten Ratsbeschluss gebe es endlich eine Perspektive.

Im Mai hat die rot-grüne Ratsmehrheit den umstrittenen Beschluss gefasst, die Kreuz- und die Overbergschule am Standort Teutoburger Schule zusammenzulegen . Ziel des Standortwechsels sei es, die Raumprobleme der Stüveschule zu lösen, die derzeit mit der katholischen Kreuzschule unter einem Dach arbeitet.

Die Raumnot an ihrer Schule sei in der teils emotional geführten Diskussion um die Bekenntnisschulen Kreuz- und Overbergschule in den Hintergrund gedrängt worden, bedauert Zimmermann. Denn dass an der Schinkeler Grundschule etwas passieren müsse, sei auch durch den Armutsbericht belegt, der der Chancenungleichheit von Kindern in verschiedenen Stadtteilen detailliert aufzeige. „Die Kinder, die hier zur Schule gehen, sind unsere Zukunft, wie die Kinder in allen anderen Stadtteilen“, betont die Personalratsvorsitzende. Um ihnen aber auch die gleichen Chancen einzuräumen, müssten bessere Bedingungen geschaffen werden.

Bei einer Klassengröße von durchschnittlich 51 Quadratmetern (die Empfehlungen liegen bei 60 bis 70 Quadratmeter) sei individuelles Lernen unmöglich. Genau das aber sei an der Stüveschule besonders erforderlich angesichts des erhöhten Förderbedarfs, der bei den Schuleingangsuntersuchungen festgestellt wird.

Während im städtischen Mittelwert 22 Prozent der Grundschüler Unterstützungsbedarf haben, seien es an der Stüveschule 42 Prozent, davon fast die Hälfte mit starkem Unterstützungsbedarf, berichtet Schulleiter Martin Igelmann. 60 bis 75 Prozent der Kinder könnten nur unzureichend Deutsch sprechen oder verstehen. 30 bis 40 Prozent hätten Konzentrationsstörungen, ebenso viele litten unter Defiziten in der Sprachentwicklung.

Hinzu kämen die Seiteneinsteiger aus anderen Ländern, die, ohne eine Wort Deutsch zu können, zur Schule gehen. Eigentlich gibt es für diese Kinder Sprachlernklassen. Aber die seien voll. So seien allein in diesem Schuljahr bisher 14 wahrlich „sprachlose“ Kinder dazugekommen.

Alle diese Kinder brauchten Förderung, die mangels Platz zum Teil auf den Fluren stattfinden müsse. „Konzentration ist da nicht möglich“, sagt Ulrike Zimmermann. Auch alle anderen Angebote der Ganztagsschule müssten ständig in anderen Räumen und Provisorien abgehalten werden. Leseförderungen oder Deutsch als Fremdsprache könnten wesentlich bessere Erfolge aufzeigen, wenn im immer selben Raum auch die Wände und Schränke für Material genutzt werden könnten.

Geige, Saz, Gitarre, Flöte und Klavier können die Kinder an der Stüveschule erlernen. Die tragbaren Instrumente müssen angesichts der Raumnot auf einem ausgedienten Servierwagen in einer Abstellkammer gelagert werden. Der Türkischunterricht findet in einem Gruppenraum statt, der gleichzeitig Lehrerbibliothek ist.

22 Lehrkräfte und zehn pädagogische Mitarbeiter drängen sich im 65 Quadratmeter großen Lehrerzimmer zusammen, in dem auch die Kopierer stehen. Der Schulleiter und seine Stellvertreterin teilen sich ein kleines Büro. Die oft so wichtigen vertraulichen Gespräche mit den Eltern seien unter diesen Bedingungen nicht möglich.

In einem Container, der eigentlich den Lehrkräften als Rückzugsmöglichkeit dienen sollte, um in Ruhe Unterricht vorzubereiten, essen inzwischen die Kinder, die nicht am Mittagstisch teilnehmen, eine kalte Mahlzeit, die sich vorher im Klassenraum einnehmen mussten. Das warme Mittagessen muss derweil in zwei Schichten ausgegeben werden – denn auch die kleine Schulmensa platzt aus allen Nähten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN