73-Jähriger verurteilt Osnabrücker Richterin zieht Porsche-Fahrer aus dem Verkehr

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Der Angeklagte habe auf die Polizeikelle nicht reagiert, gaben die Beamten vor dem Amtsgericht zu Protokoll. Symbolfoto: dpaDer Angeklagte habe auf die Polizeikelle nicht reagiert, gaben die Beamten vor dem Amtsgericht zu Protokoll. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Sechs Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu einer zweijährigen Bewährungszeit, 3000 Euro für die Opferhilfe Niedersachsen und eine 18-monatige Führerscheinsperre – mit diesem Strafmaß verließ Porsche-Fahrer Jörg Oberhoff, der am 11. Januar an der Autobahnabfahrt Hasbergen-Gaste von einer Zivilstreife gestoppt worden war, am Dienstagmorgen den Saal sieben des Osnabrücker Amtsgerichts.

Keine Rolle spielten in dieser Verhandlung die blutigen Kopfverletzungen, die der heute 73 Jahre alte Rentner davongetragen hatte, nachdem ihn zwei Polizisten gestoppt hatten. Ein Strafverfahren gegen die Beamten ist bereits im August eingestellt worden.

Gleichwohl erging das Urteil gegen Oberhoff wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte. Nach Überzeugung der Richterin hatte der Porsche-Fahrer, der an jenem Morgen offensichtlich mehr als zügig von Fürstenau Richtung Osnabrück mit seinem Porsche Cayenne unterwegs war, die Beamten daran gehindert, ihn anzuhalten und eine Verkehrskontrolle durchzuführen.

Verfahren eingestellt

Zwei „Lenkbewegungen“ des Cayenne-Fahrers waren es demnach, die eine gefährliche Situation für die Beamten heraufbeschworen hatten. Die Polizisten, die in einem schwarzen Golf Variant unterwegs waren, hatten am ersten Verhandlungstag zu Protokoll gegeben, dass Oberhoff in einem Baustellenbereich versucht habe, sie abzudrängen.

Bei diesem festgestellten Widerstand gegen Vollzugsbeamte handele es sich um einen besonders schweren Fall, diagnostizierte die Richterin in ihrer kurzen Urteilsbegründung. Der Angeklagte sei in einem schweren SUV (Sport Utility Vehicle), die Beamten hingegen in einem verhältnismäßig leichten Golf Variant unterwegs gewesen. „Es ist sehr gefährlich, was hier passiert ist“, so die Richterin. Ein SUV-Fahrer sei schon durch Größe und Gewicht eines solchen Fahrzeugs in der Pflicht, sein Auto mit „besonderer Sorgfalt“ zu bewegen. Sie attestierte Oberhoff eine „Ungeeignetheit zum Führen von Fahrzeugen“.

Auf Haltekelle nicht reagiert

Die Polizeibeamten hatten ausgesagt, dass Oberhoff ebendiese Sorgfalt nicht an den Tag gelegt habe. Er habe im Überholverbot überholt, die durchgezogene weiße Linie überfahren und mit überhöhter Geschwindigkeit versucht, die Zivilstreife im schwarzen Golf Variant abzuschütteln. Auf die rot leuchtende Haltekelle habe er nicht reagiert, sodass der wilde Ritt Richtung Osnabrück sich über ungefähr 20 Kilometer hinzog. Erst vor einer roten Ampel in Höhe der Autobahnabfahrt Hasbergen-Gaste konnte Oberhoff gestoppt werden.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft, dem der Verteidiger des Angeklagten „nichts hinzuzufügen“ hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


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