Jahrestagung der Seniorenbüros Senioren übernehmen Patenschaften für Flüchtlinge

Von Andreas Wenk

Thomas Winkelmann stellte in der Lagerhalle das Haus der Generationen in Everswinkel vor. Dort übernehmen Senioren Patenschaften für Flüchtlinge. Foto: Hermann PentermannThomas Winkelmann stellte in der Lagerhalle das Haus der Generationen in Everswinkel vor. Dort übernehmen Senioren Patenschaften für Flüchtlinge. Foto: Hermann Pentermann

awen Osnabrück. Senioren sind offenbar nicht mehr das, was sie früher einmal waren, bestätigt Erik Rahn, der die 22. Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenbüros (BaS) mit organisiert hat.

Senioren heute sind gesünder, fitter und engagierter als viele Vorgängergenerationen.

Rund 120 Experten aus ganz Deutschland trafen sich in dieser Woche in der Lagerhalle in Osnabrück. Kreisrat Matthias Seller bezeichnete sie in seinem Grußwort als die „geballte Kompetenz der Bundesrepublik“ auf diesem Fachgebiet. In zahlreichen Vorträgen, Foren und Tischgesprächen tauschten sie sich aus, gaben Anregungen oder nahmen sie mit nach Hause für ihre Seniorenarbeit in ihren Kommunen.

Eines der Tischgespräche drehte sich um Senioren und Flüchtlinge. Hier stellte Thomas Wetterkamp aus Everswinkel im Kreis Warendorf das Haus der Generationen vor, in dem auch das Seniorenbüro angesiedelt ist. Es gehört zu einem Leuchtturmprojekt der Bundesarbeitsgemeinschaft im Rahmen einer Initiative „Alt für Jung-Patenschaften – Seniorenbüros unterstützen Geflüchtete.“

Warum das ausgerechnet im als eher konservativ geltenden Münsterland so gut funktioniert? Wetterkamp nannte dafür drei Gründe: Zum Einen erklärte der Bürgermeister die Flüchtlingsbetreuung zur Chefsache, auch als sich die Stimmung im Lande gedreht hatte und Willkommenskultur nicht mehr so hoch im Kurs stand. Zum Anderen sei das Projekt mit ihm als Person an die Verwaltung mit einem festen Ansprechpartner gebunden, so Wetterkamp. Der gelernte Sozialarbeiter befreit die ehrenamtlichen Senioren von bürokratischen Arbeiten, hält den Kontakt zu Geldgebern und macht aus Ideen ebenso tragfähige wie förderbare Konzepte. Der dritte und möglicherweise nicht unwesentlichste Grund: „40 Prozent unserer ehrenamtlichen Helfer waren selbst einmal Vertriebene“, sagt Wetterkamp. Deren Motivation sei es, Flüchtlingen das Gefühl der Ablehnung zu ersparen wie sie es selbst vor vielen Jahren erlebt hatten.

Einhellige Meinung beim Tischgespräch um Senioren und Flüchtlinge: Die staatliche Integrationsprogramme reichen vorne und hinten nicht aus. Allein die Sprachkurse: von durchwachsener Qualität und meistens nicht ausreichend für einen Schulbesuch oder eine Berufsausbildung.

Hier wie im Vermitteln kultureller Gepflogenheiten ist die Arbeit der Senioren sehr gefragt. Die sind aber auch schnell überfordert, vor allem, wenn es um den Familiennachzug geht und alleinstehende Männer die Massenunterkünfte oder Wohngemeinschaften verlassen. Dann gelte, im angespannten Wohnungsmarkt eine Unterkunft zu finden, Kita-Plätze oder einen Schulbesuch zu organisieren. Hier sei die enge Anbindung an die Verwaltung und die Rückendeckung besonders wichtig.