Großer Könner am Klavier Oleg Poliansky spielt beeindruckendes Konzert in Bad Iburg

Von Jan Kampmeier

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Hat einen individuellen Zugang zu den Werken Liszts, Schuberts und Debussys: Oleg Poliansky. Foto: Thomas OsterfeldHat einen individuellen Zugang zu den Werken Liszts, Schuberts und Debussys: Oleg Poliansky. Foto: Thomas Osterfeld

Bad Iburg. Bei den Iburger Schlosskonzerten gab der Pianist Oleg Poliansky einen Soloabend mit Schubert, Debussy und Liszt.

Wie ist das mit den vielen Konzerten, bei denen keine berühmten Musiker auftreten, kommt man da auf seine Kosten? Der Pianist Oleg Poliansky, der am Sonntag in Bad Iburg war, ist ein Paradebeispiel: Obwohl mit Wettbewerbserfolgen hoch dekoriert, ist er kaum bekannt, und mit etwa 50 wird er daran, um ehrlich zu sein, wohl auch nicht mehr viel ändern können.

Doch Oleg Poliansky ist einfach, das muss man nach seinem Auftritt sagen, ein großer Könner mit einem klaren, individuellen Zugang zu den Werken. Er gehört zu einem Typus, bei dem man denken könnte, Klavierspielen sei die natürlichste Sache der Welt, und zwar auch, wenn er gerade Franz Liszts ultravirtuose Don-Giovanni-Paraphrase unter den Fingern hat, die zu bewältigen alles andere als natürlich ist. Poliansky donnert sie scheinbar ganz locker und völlig ohne Show als furiosen Schlusspunkt eines Programms in die Tasten, bei dem man ihn zuvor mit Schubert und Debussy erleben konnte.

Bei Poliansky wirkt das ungefähr wie „Ich spiel das jetzt mal eben“, viel Federlesens macht er nicht. Keinesfalls neigt er dazu, seine Interpretation zu überfrachten mit Gedankenschwere und grüblerischer Tiefe. Dafür sorgen flüssige Tempi und der Verzicht auf große Verzögerungen und bedeutungsvoll in die Länge gezogene Pausen, außerdem ein markant-klarer Anschlag. Den freilich kann er sehr wohl differenzieren, besonders Debussys „Images“ Heft 1 schillert in reizvollen Klangfarben.

Der spannendste Satz in Schuberts großer Sonate A-Dur D 959 ist der zweite. Poliansky spielt den traurigen „Gesang“ so wunderbar weich und sanft, dass der Kontrast zum Mittelteil, einem „Wutausbruch“ sondergleichen, umso stärker erscheint. Überhaupt ist Schubert bei ihm durch starke Kontraste geprägt: Ein sanftes Streicheln der Tasten steht einem fast harten Anschlag gegenüber, die verschiedenen Themen werden im Tempo deutlich unterschieden.

Oleg Poliansky mag keine Berühmtheit sein, doch es lohnt sich einfach, auch solchen Leuten zuzuhören. Den Werken allemal, der Pianist Paul Badura-Skoda zählt Schuberts Klaviersonaten ja nicht umsonst zu den „größten Offenbarungen der Musikgeschichte“. Wem es also um die Musik geht, der kommt auf seine Kosten, ganz entschieden.


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