Professoren beantworten Leserfragen Roboter als Star des Abends beim 10. Osnabrücker Wissensforum


Osnabrück. Wie denken Roboter? Haben Tiere menschliche Gefühle? Verliert die Wissenschaft an Glaubwürdigkeit? Diese und andere Fragen wurden am Freitagabend beim Osnabrücker Wissensforum geklärt.

Comics im Unterricht, schrumpfende Kirchengemeinden, der Erfolg der AfD in Ostdeutschland, der Sinn oder Unsinn von Konkurrenzdenken: Die Besucher des zehnten Osnabrücker Wissensforums erhielten am Freitagabend in der Schlossaula einen Einblick in zahlreiche spannende Themengebiete. Unter der Moderation von Uni-Präsident Wolfgang Lücke und Ralf Geisenhanslüke, Chefredakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung, beantworteten 32 Professoren der Universität Osnabrück in vierminütigen Vorträgen die Fragen, die unsere Leser im Vorfeld eingesandt hatten.

Warum fällt ein Toast auf die Butterseite?

Um ihre Ausführungen möglichst anschaulich zu gestalten, griffen einige der Wissenschaftler bei ihren Beiträgen auf Experimente und spezielle Requisiten auf der Bühne zurück. Anhand eines Sitzkissens demonstrierte beispielsweise Roland Berger vom Fachbereich Physik, warum ein Toast auf die Butterseite fällt. Dabei sei die Höhe des Tisches entscheidend, von dem das Brot herunterfalle. Je höher der Tisch, desto mehr Zeit habe der Toast beim Fallen, um sich weiter zu drehen, führte Berger aus. Wie genau die Drehbewegung des Brotes beim Sturz ausfalle, hängt nach Angaben des Physikers darüber hinaus auch von der Beschaffenheit des Toasts und der Art der Tischkante ab. Zum Abschluss hatte der Wissenschaftler noch einen scherzhaften Praxistipp für die Zuhörer parat: „Wenn sich das Unglück einmal anbahnen sollte, dann kann die Situation häufig dadurch gerettet werden, dass dem Toast noch ein kräftiger Schubs mitgegeben wird“, sagte er. Dann entstünde kaum Drehung, sodass der Toast mit der Butterseite nach oben landen würde. (Weiterlesen: FC Bayerns Erfolgsgeheimnis beim Osnabrücker Wissensforum gelüftet)

Roboter hinterlässt bleibenden Eindruck

Einen besonderen Gast brachte Neuroinformatiker Gordon Pipa mit auf die Bühne. Im Gespräch mit Utz Lederbogen, Pressesprecher der Uni Osnabrück, präsentierte er den Zuhörern einen Roboter, der in der Lage war, sich selbst detailliert vorzustellen. Dabei erklärte Pipa, dass Künstliche Intelligenz schon jetzt eine große Rolle in unserem Alltag spielt, zum Beispiel in Form verschiedener Assistenzsysteme. „In den nächsten Jahren wird die erste Generation von Robotern und autonomen selbstfahrenden Autos dazukommen, und den alltäglichen Lebensraum mit uns teilen“, prognostizierte der Wissenschaftler. Mit seinem Roboter hinterließ er einen bleibenden Eindruck bei den Zuhörern, wie diese anschließend erzählten. Auch die musikalische Begleitung wurde häufig gelobt. Nach den Vorträgen trat das Jazz-Duo der Universität Osnabrück mit Mattis Balks am Saxophon und Minh Voong am Flügel auf. (Die Videos von den Vorträgen finden Sie hier)

Wiederholungstäter im Publikum und auf der Bühne

Für viele Besucher war es nicht das erste Mal, dass sie beim Osnabrücker Wissensforum dabei waren. Eine Lehrerin aus der Hasestadt erklärte, dass die Veranstaltung am Freitagabend bereits ihr achtes Wissensforum gewesen sei. „Ich finde es schön, dass so viele Bereiche in den Vorträgen angesprochen werden. Dadurch ist für jeden Besucher etwas dabei“, lobte sie das Konzept der Kooperationsveranstaltung zwischen der Uni Osnabrück und der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Auch einige der Professoren gehören zu „Wiederholungstätern“, die sich jedes Jahr aufs Neue den Fragen unserer Leser stellen und versuchen, sie allgemeinverständlich zu beantworten. Dazu zählt auch Martina Blasberg-Kuhnke, Vizepräsidentin der Uni und Professorin am Institut für Katholische Theologie. In ihrem Vortrag widmete sie sich der Frage, warum die Kirchen eine halbe Million Christen im Jahr verlieren. Den Mitgliederschwund erklärte sie vor allem als Folge des demographischen Wandels, der in Deutschland derzeit zu beobachten ist. Gegenwärtig sterbe die letzte volkskirchliche geprägte Generation aus, die noch ganz selbstverständlich entweder katholisch oder evangelisch war, führte die Wissenschaftlerin aus. Eine große Austrittswelle aus den Kirchen sei – im Gegensatz zur Situation in den vergangenen Jahren – dagegen derzeit nicht zu beobachten.

Ikea-Möbelstücke als Belastungsprobe für eine Beziehung?

Neben diesen „alten Hasen“ kommen in jedem Jahr auch einige neue Professoren hinzu, für die das Wissensforum noch Neuland ist. Auch wenn Mathematiker Alexander Salle vor seinem Auftritt „etwas nervös“ war, wie er zugab, meisterte er seinen Vortrag dennoch sehr professionell – trotz einer durchaus komplizierten Frage. Er sollte aus mathematischer Sicht erklären, wie die Gleichung für eine gute Beziehung aussieht. Das gelang ihm auch recht anschaulich mit Hilfe einer Wäscheleine und dem Verweis, dass die Frage, wie gut der gemeinsame Aufbau eines Ikea-Möbelstücks funktioniert, ein guter Indikator dafür sein kann, wie eine Beziehung läuft.

In ihrem Vortrag warnte Philosophin Susanne Boshammer vor übersteigertem Konkurrenzdenken. Selbst wenn ein Wettkampf fair ist, habe Konkurrenzdenken einige Nachteile. Zum einen verhindere es, dass Menschen kooperieren. Darüber hinaus ufere es häufig aus und und ermögliche individuellen Erfolg oft nur auf Kosten des Gesamtwohls.

Wie alt sind Fake News?

Seit Amtsantritt von Donald Trump ufert dagegen etwas anderes aus: Fake News. Es sei aber ein Fehler, anzunehmen, dass politische Lügen ein neues Phänomen seien, erzählte Historiker Thomas Vogtherr. Die Geschichte von gefälschten Nachrichten oder alternativen Fakten gehe weit zurück. Wahrscheinlich werde man sie in allen Schriftkulturen nachweisen können. Auch im Mittelalter spielten sie eine große Rolle, wie zum Beispiel bei Ritualmordbeschuldigungen gegen Juden.

Chemieunterricht beliebter machen

Was hat der Chemieunterricht mit dem VfB Stuttgart zu tun? Diese Frage klärte Chemiker und VfB-Fan Marco Beeken am Ende des Abends. Vor einigen Jahren waren die Schwaben noch sehr erfolgreich und konnten 2007 die Meisterschaft erringen. Danach ging es aber stetig bergab – mit dem Negativhöhepunkt Abstieg vor anderthalb Jahren. Eine Auf- und Abwärtsbewegung gebe es laut Beeken auch bei der Beliebtheit des Chemieunterrichts unter den Schülern zu beobachten. In den Klassenstufen fünf bis sieben zähle Chemie noch zu den populärsten Fächer. Danach gehe es aber kontinuierlich bergab, am Ende der zehnten Klasse lande die Chemie nur noch auf dem vorletzten Platz. (Rückblick: Das waren die Themen beim Osnabrücker Wissensforum 2015)

Wie lässt sich das ändern? Der Unterricht müsse vor allem experimentell angelegt werden, betonte Beeken. Die Motivation bei den Schülern werde gesteigert, wenn sie anhand von Versuchen erkennen würden, wie einzelne chemische Prozesse funktionieren. Darüber hinaus sollten verstärkt Alltagsphänomene oder aktuell in der Gesellschaft diskutierte Probleme in den Lehrplan mit einbezogen werden.

Nächstes Wissensforum am 23. November 2018

Mit Beekens Vortrag endete ein spannender und kurzweiliger Abend, der auch im kommenden Jahr mit neuen Fragen wiederholt wird. Das elfte Osnabrücker Wissensforum soll am 23. November 2018 stattfinden, kündigte NOZ-Chefredakteur Ralf Geisenhanslüke an.


Die einzelnen Beiträge wurden auf Video aufgenommen. Die Filme finden Sie unter unter www.uni-osnabrueck.de/wissensforum

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