Durchschlafen ohne Angst Osnabrücker Initiativen protestieren gegen Abschiebungen

Von Hannah Bahlke

Protestaktion: Die Initiativgruppen „Solidarity City Osnabrück“ und „No Lager Osnabrück“ zogen am Freitag unter dem Motto „#schlafenlassen“ durch die Innenstadt. Foto: David EbenerProtestaktion: Die Initiativgruppen „Solidarity City Osnabrück“ und „No Lager Osnabrück“ zogen am Freitag unter dem Motto „#schlafenlassen“ durch die Innenstadt. Foto: David Ebener

haba Osnabrück. Die Initiativgruppen „Solidarity City Osnabrück“ und „No Lager Osnabrück“ haben die Aktion „#schlafenlassen“ gestartet. Mit Sketchen wollen sie darauf aufmerksam machen, dass ein ruhiger, erholsamer Schlaf für von Abschiebung bedrohte Menschen kaum möglich sei.

Für Flüchtlinge in Lagern und Notunterkünften sei das nächtliche Durchschlafen oft keine Selbstverständlichkeit mehr, erklärte Paul Krause von der „Solidarity City Initiative Osnabrück“. Allein in Niedersachsen seien in den ersten acht Monaten dieses Jahres 1260 Menschen abgeschoben worden, viele von ihnen würden dafür erst in der zweiten Nachthälfte ohne Vorwarnung unerwartet geweckt.

Am Freitagnachmittag führte eine Gruppe von Freiwilligen und Flüchtlingen zwei selbst ausgedachte Sketche in der Osnabrücker Innenstadt auf, um auf dieses Thema hinzuweisen. „Zum einen wollen wir die Gesellschaft dafür sensibilisieren, wie sehr die geflüchteten Menschen unter den permanenten Angstzuständen leiden. Zum anderen wollen wir natürlich auch darauf aufmerksam machen, wie in der Öffentlichkeit mit diesem Problem umgegangen wird“, so Krause.

Verlust von Freundschaft, Gesundheit und Sicherheit

Für ihre Sketche hatte sich die Gruppe zwei unterschiedliche Szenarien ausgedacht. Ausgerüstet mit einem Holzbett, einem Banner und vielen Flyern machte die Gruppe an verschiedenen Orten in der Osnabrücker Innenstadt Station. Der erste Sketch sollte die Unvorhersehbarkeit und das Tempo einer solchen Abschiebung thematisieren: Um 3.00 Uhr nachts wird der Flüchtling geweckt, um 3.10 Uhr ist der Vorgang bereits vorbei. Die zweite Performance sollte zeigen, welche Beziehungen zerstört werden können, wenn die Betroffenen bereits sozial eingebunden sind. Der Verlust von Freundschaft, Gesundheit und Sicherheit – dies alles könne in einer einzigen Nacht geschehen, berichtete Paul Krause.

Die Gruppe will auch am Samstag, 18. November, durch Osnabrück ziehen und zwischen 12 und 14 Uhr die Sketche vorführen. Die Aktion soll nach den Worten Krauses außerdem ein Einstieg in eine längerfristig geplante Kampagne für ein Bürger-Asyl in Osnabrück sein.


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