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Osnabrücks vorletztes Akzisehaus im Advent 1937 Das kleine Finanzamt

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Osnabrück. Das Wort Akzisehaus kennt der Nachkriegs-Osnabrücker nur noch im Singular, und er denkt dabei an den heute als Museumsladen genutzten klassizistischen Bau gegenüber dem Heger Tor. Vor hundert Jahren sah die Sache anders aus, da gab es fast an jedem Stadttor so ein „kleines Finanzamt“.

Oder, genauer gesagt, die Zollhäuschen wurden als Ersatz für die Stadttore nach dem Abtragen der Befestigungsanlagen an jeder wichtigen Ausfallstraße errichtet, um weiterhin die Warenströme kontrollieren und Zölle und Verbrauchsteuern („Akzise“) darauf erheben zu können. Nach der Zollunion und der Neuordnung des städtischen Finanzaufkommens verloren sie ihre Funktion. Als Erstes fiel 1915 das Akzisehaus am Hasetor den Bauarbeiten zur Anhebung der Bahngleise zum Opfer, 1931 folgte das am Natruper Tor, 1933 das am Johannistor, jeweils auch wegen städtebaulicher Neuplanungen. Das Akzisehaus am Herrenteichstor hatte jedoch bis zu einer Bombennacht 1944 Bestand.

Das Bild zeigt die Häusergruppe am Endstück der Schillerstraße, die auf die Fußgängerunterführung in Richtung Buersche Straße zuläuft. Das Akzisehaus Schillerstraße 1 wurde in den 1860er-Jahren als eines der „Zweiten Generation“ errichtet. Sein Rundbogenstil, eine Spezialität des damaligen Stadtbaumeisters Wilhelm Richard, verrät die zeitliche Nähe zur Entstehungszeit des Hannoverschen Bahnhofs. Es ist somit rund 50 Jahre jünger als die vom Klassizismus geprägten frühen Akzisehäuser an Lotter Straße, Natruper Straße und Johannisstraße.

Diese von Dr. Werner Goll dem Archiv des Museums Industriekultur zur Verfügung gestellte Aufnahme gehört zu den wenigen, die es von diesem Akzisehaus gibt. Goll hat das Bild 1937 an einem Dezemberabend geschossen. Er besuchte damals die Prima des Ratsgymnasiums. Später war er Arzt in Hamburg, wo der 91-Jährige bei guter Gesundheit in einer Senioreneinrichtung heute noch lebt.

Die Schillerstraße hatte bis etwa 1915 eine große verkehrliche Bedeutung, da sie jenseits des noch ebenerdigen Bahnübergangs in die Hauptausfallstraße nach Nordosten, die Bohmter Straße, und die nach Osten, die Buersche Straße, überging. Das wurde schlagartig anders, als Stadt und Bahn sich darauf verständigten, die Straßenunterführung unter dem hochgelegten Bahndamm im Zuge der Alten Poststraße anzulegen. Die Schillerstraße bekam 1917/18 „nur“ einen Fußgängertunnel, der bis heute an gleicher Stelle existiert. Seitdem gab es nur noch wenig Verkehr auf diesem Endstück der Schillerstraße. Dazu passt die noch geschlossene Schneedecke der Fahrbahn auf der alten Aufnahme.

Hinter dem Akzisehaus und den Nebengebäuden verläuft der Bahndamm der Strecke nach Rheine. Genau über der Bogenlampe sind hinter der Bahn die drei oberen Geschosse des Arbeitsamts an der Alten Poststraße zu erkennen. Wie die meisten Gebäude in Bahnnähe hatte das Arbeitsamt im Bombenkrieg keine Überlebenschance. Heute befindet sich auf dem Areal eine Tankstelle. Das Endstück der Schillerstraße wurde in den 1950er-Jahren in Kleiststraße umbenannt. Die nördliche Straßenseite blieb unbebaut und ist heute ein Parkplatz.


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