Patt bei Abstimmung im Senat Galgenfrist für Kunstgeschichte an der Uni Osnabrück

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Osnabrück. Die Kunstgeschichte an der Universität Osnabrück hat eine letzte Galgenfrist bekommen. Zwar hält das Präsidium vorläufig an seinem Plan fest, das Fach im Jahr 2024 geregelt auslaufen zu lassen und drei Professuren anderen Fächern zuzuschlagen. Den Senat weiß die Hochschulleitung dabei jedoch nur zur Hälfte hinter sich.

Punkt vier der Tagesordnung „Gewinnung von stellentechnischen Gestaltungsspielräumen“ war am Mittwoch recht zügig abgehandelt. Bereits eine Dreiviertelstunde nach Beginn der von mäßigen Protesten begleiteten Senatssitzung im Schloss traten Präsidiumsmitglieder der Universität Osnabrück am Nachmittag vor die Presse, um das Ergebnis der mit Spannung erwarteten Abstimmung zu verkünden: Von 19 Senatsmitgliedern sprachen sich neun für die Schließungspläne aus und neun dagegen. Bei einer Enthaltung ein klassisches Patt.

Das zweithöchste Gremium der Universität Osnabrück, dem mit Hochschullehrern, Studenten und Mitarbeitern Vertreter aller Bereiche angehören, lässt das Präsidium also allein mit seiner Entscheidung über den Fortbestand des Fachs Kunstgeschichte. Die soll nun in einer der nächsten Präsidiumssitzungen fallen – aller Voraussicht nach aber nicht mehr in diesem Jahr.

Wettbewerbsfähigkeit verbessern

Allzu große Hoffnungen auf Rettung dürfen sich die Fürsprecher der Kunstgeschichte trotz der Uneinigkeit im Senat allerdings nicht machen. „Wir können die Entscheidung im Augenblick nur so treffen, wie wir sie vorgeschlagen haben“, stellte Präsident Wolfgang Lücke fest. Um die Profilbildung und Wettbewerbsfähigkeit der Universität Osnabrück zu verbessern, gebe es zur Einstellung des Fachs derzeit keine sinnvoll umsetzbare Alternative. Wie vom Senat bereits im Februar gefordert, seien andere Optionen – auch mit ministerieller Hilfe – zwar ausführlich geprüft, aber letztlich allesamt verworfen worden. Als nicht umsetzbar habe sich insbesondere die Idee erwiesen, durch Kettenbildungen von freien Planstellen oder freien Stellenanteilen neue, zusätzliche Professuren zu schaffen und so das Fach Kunstgeschichte zu erhalten.

Professorenstellen anders verteilen

Dem verhältnismäßig kleinen, aber traditionsreichen und sowohl von Geisteswissenschaftlern wie Kulturschaffenden allerorten hochgelobten Fach sind an der Universität Osnabrück drei Professuren zugeordnet. Sie werden in sechs bis sieben Jahren altersbedingt frei. Nach den Plänen des Präsidiums sollen die Stellen mit einem Wegfallvermerk versehen werden, um damit künftig andere Fächer auszustatten. Welche das sind, sei aber noch nicht ausgemacht, versicherte Lücke. Zudem soll kunsthistorische Expertise an der Uni Osnabrück erhalten bleiben – beispielsweise durch Gründung eines kunstwissenschaftlichen Instituts, durch Neubestimmung einer von fünf Professuren im Fach Kunst/Kunstpädagogik oder auch durch Einwerbung einer Stiftungsprofessur. Ein entsprechendes Konzept könnte der Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften erarbeiten, heißt es.

„Schwierige und schmerzhafte Entscheidung“

Susanne Menzel, Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung, betonte, dass es der Hochschulleitung alles andere als leicht falle, ein Fach für das große Ganze zu opfern. Dies geschehe allein „aus der Not heraus“ und in Ermangelung großzügigerer personeller Ausstattung durch das Land Niedersachsen. Anders als durch Umverteilung und Konzentration vorhandener Ressourcen könne die Uni Osnabrück eben nicht konkurrieren – erst recht nicht auf den Gebieten, die sie im Zukunftskonzept UOS 2020 selbst als profilbildend identifiziert hat. Kunstgeschichte spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Gleichwohl stehe „eine der schwierigsten und schmerzhaftesten Entscheidungen bevor, die an einer Universität zu fällen sind“, sagte Menzel. „Es tut weh, weil man sieht, was man verliert.“


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