Senat entscheidet am Mittwoch Kunstgeschichte an der Uni Osnabrück vor dem Aus

Von Sebastian Stricker

Tür zu: Das Präsidium der Universität Osnabrück will das Fach Kunstgeschichte aufgeben. Foto: Archiv/Michael GründelTür zu: Das Präsidium der Universität Osnabrück will das Fach Kunstgeschichte aufgeben. Foto: Archiv/Michael Gründel

Osnabrück. Die Tage des Fachs Kunstgeschichte an der Universität Osnabrück scheinen gezählt. Das Präsidium will es im Jahr 2024 geregelt auslaufen lassen und frei werdende Professuren nicht wiederbesetzen. Am Mittwoch soll der Senat endgültig darüber entscheiden.

Das Präsidium der Uni Osnabrück will mit der Abschaffung des Fachs Kunstgeschichte „stellentechnische Gestaltungsspielräume“ zur Verbesserung der Profilbildung und Wettbewerbsfähigkeit gewinnen, wie es in der aktuellen Beschlussempfehlung heißt, die unserer Redaktion vorliegt. Völlig verloren gehen soll die Expertise dieser wissenschaftlichen Disziplin dadurch aber nicht: Der Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften werde aufgefordert, bis Ende 2018 ein Konzept zu erarbeiten, welches sicherstellt, dass auch künftig „kunsthistorische Kompetenzen vermittelt und die kunsthistorischen Inhalte für die Region erhalten werden können“. Denkbar erscheinen dem Präsidium den Unterlagen zufolge etwa die Gründung eines kunstwissenschaftlichen Instituts, die Neubestimmung einer Professur im Fach Kunst/Kunstpädagogik oder auch die Einwerbung einer Stiftungsprofessur.

Beschlussfassung im Februar vertagt

Bereits im Februar hatte sich der Senat der Uni Osnabrück mit den Schließungsplänen beschäftigt. Damals wurde eine konkrete Beschlussfassung vertagt. Zunächst sollten andere Planungsoptionen geprüft werden – insbesondere die Möglichkeit, durch Kettenbildungen von freien Planstellen oder freien Stellenanteilen (Stellenhülsen) neue, zusätzliche Professuren schaffen zu können. Nun ist das Präsidium in einer vertraulichen Stellungnahme zu dem Ergebnis gekommen, dass „die Einstellung des Fachs Kunstgeschichte die einzige sinnvoll umsetzbare Variante ist“. Das Modell der Kettenbildung sei unter anderem aus haushaltsrechtlichen Gesichtspunkten nicht umsetzbar, heißt es.

Wegfallvermerk für drei Professuren

Die drei heutigen Professuren des Fachs Kunstgeschichte, deren Stelleninhaber (darunter zwei Frauen) in sechs, sieben Jahren altersbedingt ausscheiden, sollen deshalb einen Wegfallvermerk erhalten und zentral im Stellenpool des Präsidiums vereinnahmt werden, um damit andere Fächer auszustatten. Mit diesem Vorgang seien allerdings keine konkreten Planungen oder gar Zusagen zur künftigen Verwendung der Stellen verknüpft.

Asta gibt Extrablatt heraus

Unterdessen formiert sich der Widerstand gegen das Vorhaben der Universitätsleitung neu. Hatte es bereits im vergangenen Winter weltweit Proteste gegen einen solchen Einschnitt gehagelt, brachte der Allgemeine Studentenauschuss (Asta) der Universität Osnabrück anlässlich der Senatssitzung (Beginn 14.30 Uhr) im Schloss am Dienstag ein Extrablatt heraus. In der 16-seitigen „Sonderausgabe Kunstgeschichte“ setzen sich die Studentenvertreter äußerst kritisch mit der beabsichtigten Schließung des Fachs auseinander. „Personalpolitik darf nicht zulasten von Forschung und Lehre an der Universität gehen“, heißt es dort beispielsweise.

Asta: Osnabrück hat das effizientere Institut

Ein Aufgeben der Kunstgeschichte stehe im Widerspruch zum Zukunftskonzept UOS 2020, argumentiert der Asta. Außerdem gebe es nur zwei Kunsthistorische Institute in Niedersachsen: eins in Göttingen, eins in Osnabrück. „Und das Effizientere von beiden sollte nicht geschlossen werden: Osnabrück.“ Zudem wäre der Schaden für die Uni größer als der Nutzen, so der Asta weiter. 17 von 30 Fächern seien durch ihre Vernetzung mit der Kunstgeschichte direkt mitbetroffen, ebenso das Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN) sowie das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS).