Stadtwerke gewinnen Fahrgäste Wie klappt‘s mit den neuen Bustickets in Osnabrück?

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Kurzstreckenticket und Jobticket, Familien-Tagesticket und 63plus-Abo, außerdem ein P+R-Ticket und zuletzt das Handyticket: Der Osnabrücker Verkehrsbetrieb hat sein Fahrscheinangebot in diesem Jahr an vielen Stellen erneuert und ergänzt. Offenbar mit Erfolg: Die Stadtwerke melden Zuwächse beim Kundenstamm.

Mit einer doppelten Tarifstrategie – analog und digital – sind die Stadtwerke Osnabrück 2017 gezielt auf Kundenfang gegangen. Im ersten Schritt wurden zum 1. Januar eine Reihe neuer Busfahrkarten eingeführt. Sie sollen vor allem ältere Menschen, Familien und Paare sowie Kurzstreckennutzer ansprechen. Gleichzeitig wurde die Kommunikation mit den Kunden verändert: Wo früher an Haltestellen komplette Preislisten aushingen und bunte Tarifzonen-Eier die Fahrgäste verwirrten, finden sich heute übersichtliche, gut sortierte Infotafeln mit nützlichen Tipps zu den wichtigsten Fahrscheinen. Außerdem bekamen die Tickets neue Namen.

Im zweiten Schritt der Tarifstrategie führten die Stadtwerke dann zum 1. November das Handyticket ein. Es gilt als Initialzündung für die schrittweise Digitalisierung des öffentlichen Nahverkehrs in Osnabrück. Und ganz nebenbei testet der Verkehrsbetrieb seit Oktober noch ein Park-and-Ride-Ticket. Unsere Redaktion wollte wissen: Wie klappt‘s denn eigentlich mit all den neuen Fahrscheinen in Osnabrück? „Die aktuellen Auswertungen der neuen Produktangebote zeigen eine positive Entwicklung“, sagt Maik Blome, bei den Stadtwerken verantwortlich für Marketing und Vertrieb im Bereich Mobilitätsangebot. Ein Überblick: (Weiterlesen: Sieben Dinge, die man übers Busfahren in Osnabrück wissen muss)

63plus-Abo: Das Angebot richtet sich an Fahrgäste, die 63 Jahre und älter sind. Für 30 Euro im Monat sind sie durchgängig mit dem Bus mobil. „Das 63plus-Abo ist gut angenommen worden“, sagt Blome. Wie erwartet seien viele Bestandskunden aus anderen Abo-Segmenten in das neue Produkt gewechselt. Außerdem konnten bisher etwa 1000 Kunden hinzugewonnen werden, die vorher kein Abo hatten.

Jobticket: Mit diesem Spezialtarif (früher Firmenabo) können Arbeitnehmer schon ab 29,90 Euro im Monat Bus fahren – so günstig wie mit keinem anderen Abonnement. Grund dafür ist die seit Anfang 2017 verpflichtende Kostenbeteiligung der Arbeitgeber. So leisten alle Unternehmen, die einen Neuvertrag über das Jobticket abschließen, einen Eigenanteil von monatlich 10 Euro pro Stück. „Mit Umstellung des Jobticket-Modells konnten bereits zehn Unternehmen neu gewonnen werden“, stellt Blome fest. Insgesamt seien es aktuell 34. Und die Menge der teilnehmenden Mitarbeiter habe im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent zugelegt. Den Stadtwerken reicht das aber nicht: „Aus unserer Sicht ist hier noch erhebliches Potenzial in Osnabrück vorhanden, wie uns zahlreiche Gespräche mit interessierten Firmen zeigen.“

Kurzstreckenticket: Um diesen Fahrschein hatte es Ende 2016 besonders viel Wirbel in der Öffentlichkeit gegeben, weil er die Citykarte ablöste, welche Busfahrten innerhalb des Wallrings (einschließlich Hauptbahnhof) für nur 1 Euro ermöglichte. Das Kurzstreckenticket kostet 1,50 Euro, gilt aber im gesamten Stadtbusnetz (Osnabrück/Belm) für Fahrten zwischen maximal fünf Haltestellen (einschließlich Einstiegshaltestelle). „Das Kurzstreckenticket wird von unseren Kunden sehr gut angenommen“, bilanziert Blome. Die monatlichen Verkaufszahlen hätten sich gegenüber der früheren Citykarte mehr als verdreifacht – wobei sie innerhalb des Wallrings konstant geblieben seien. (Weiterlesen: „Aktion Freifahrt“ in Osnabrücker Bussen)

Familien-Tagesticket: Dieser neue Tarif hat eine Lücke im Sortiment der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) geschlossen. Er soll Familien in der gesamten VOS-Region dazu bringen, das eigene Auto stehen zu lassen und stattdessen den ÖPNV zu nutzen. 6,60 Euro (als Handyticket) bzw. 6,90 Euro kostet der Fahrschein im Stadtbusnetz. Für diesen Preis können zwei Erwachsene sowie alle familienangehörigen Kinder bis 14 Jahre einen Tag lang beliebig oft Bus fahren – egal an welchem Wochentag. Stadtwerke-Vertriebschef Blome: „Im Vergleich zur vorherigen Familien-Wochenendkarte haben sich die Verkaufszahlen um den Faktor sechs und die Umsatzzahlen um den Faktor fünf erhöht.“ Das Familien-Tagesticket sei im Übrigen auch bei vielen Paaren beliebt. Denn anders als früher müssen zwei Erwachsene, die gemeinsam unterwegs sind, nicht mehr jeweils ein Tagesticket (Stückpreis 5,40 bzw. 5,60 Euro) kaufen. (Weiterlesen: Spartipp für Osnabrück: 9-Uhr-Tagesticket im Westfalentarif)

Handyticket: „Das System läuft ohne technische Auffälligkeiten, die Kunden kommen aus unserer Sicht sehr gut damit zurecht“, stellt Blome fest. Bis zum 7. November hätten sich 1090 Fahrgäste für die Handyticket-Nutzung registriert. Die notwendige Smartphone-App „VOS-Pilot“ sei mittlerweile 32.000-mal heruntergeladen worden – allein 2612-mal seit Integration der Handyticket-Funktion Ende Oktober. Alle digital verfügbaren Fahrscheine würden auch nachgefragt, heißt es weiter. „Absoluter Verkaufsschlager“ war nach Angaben der Stadtwerke Osnabrück in den ersten Tagen jedoch das Monatsticket. Zusammen mit dem Schüler-Monatsticket habe es nach einer Woche über 80 Prozent des Umsatzes durch Handytickets ausgemacht (insgesamt knapp 10.000 Euro). (Weiterlesen: So funktioniert das neue Handyticket in Osnabrück)

P+R-Ticket: Die 5 Euro teure Kombination aus Parkschein und Busfahrkarte soll bis Ende 2018 ausgiebig getestet werden, und zwar auf der Strecke zwischen Parkplatz Kinderhospital (Schölerberg) bzw. der angrenzenden Haltestelle Kinderhospital/Jugendherberge sowie dem innerstädtischen Knotenpunkt Neumarkt. Im ersten Testmonat Oktober seien 16 P+R-Tickets verkauft worden, berichtet Blome. Anscheinend zu wenig für erste Analysen. Vorschlägen aus Politik und Fahrgastbeirat, das Experiment sofort zu vergrößern, erteilt der Marketingleiter gleichwohl eine Absage. „Wir möchten zunächst mit dem zum Kombi-Angebot gestarteten Produkt unsere Erfahrungen sammeln und an unterschiedlichen Stellschrauben drehen.“ Sobald hinreichend viele P+R-Tickets verkauft seien, könnten Parameter wie Kaufzeitpunkt und Parkdauer näher untersucht werden. Von den Daten erhoffen sich Stadtwerke Osnabrück und Parkstättenbetreiber OPG Hinweise auf die Zielgruppen: Sind es eher Pendler? Oder Familien am Wochenende? „Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wollen wir dann prüfen, wo und wie das System verbessert werden muss, um ein am Bedarf des Kunden orientiertes Angebot dauerhaft zur Verfügung stellen zu können.“