Videos nicht gelöscht Wie die Stadtwerke Osnabrück die RAF-Terroristen filmten

Von Wilfried Hinrichs

Videokamera in Bus der Stadtwerke Osnabrück. Archivfoto: Gert WestdörpVideokamera in Bus der Stadtwerke Osnabrück. Archivfoto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die Bilder der Überwachungskameras in Osnabrücker Stadtwerke-Bussen werden nicht dauerhaft gespeichert. Woher kommen dann die Aufnahmen von den busfahrenden RAF-Terroristen in Osnabrück?

Das Landeskriminalamt veröffentlichte am Montag Aufnahmen einer Überwachungskamera aus einem Stadtbus in Osnabrück, die die mutmaßlichen Terroristen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub zeigen. Die beiden und ihre Komplizin Daniela Klette stehen im Verdacht, mindestens neun bewaffnete Raubübefälle begangen zu haben, darunter auch am 2. Januar 2015 auf den Kaufland-Verbrauchermarkt am Kurt-Schumacher-Damm.

Kameras in Bussen

Woher kommen die Videoaufnahmen? Wie Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer erklärt, ist etwa die Hälfte der hundert Stadtwerke-Busse mit Kameras ausgestattet. Die Aufnahmen sind sechs Tage (144 Stunden) verfügbar, danach werden die Festplatten mit neuen Bildern überschrieben. Auswerten kann die Bilder nur ein kleiner Kreis von sechs verantwortlichen Stadtwerke-Mitarbeitern, die über einen Zugang zu einer besonderen Auslese-Software verfügen. Das geschieht zum Beispiel bei dem Verdacht auf Vandalismus. Bei Straftaten kann die Polizei auf Beschluss der Staatsanwaltschaft die Bilder anfordern.

Gezielte Suche des LKA

Sind die Terroristen zufällig in die Videofalle getappt? Offenbar nicht. Das Landeskriminalamt hatte Erkenntnisse, dass sich das gesuchte Trio häufig im Dreieck Osnabrück, Bielefeld, Porta Westfalica aufgehalten hat. Auf Beschluss der Staatsanwaltschaft Verden wurden die Aufnahmen nicht automatisch nach sechs Tagen gelöscht, sondern die Stadtwerke Osnabrück übergaben sie dem Landeskriminalamt. Wie lange die Überwachung und Auswertung lief, ist bislang öffentlich nicht bekannt.

Internationaler Haftbefehl

Die Polizei zählt das Räubertrio zur dritten Gernation der Rote-Armee-Fraktion. Die Burkhard Garweg, Ernst-Volker Staub und Daniela Klette werden mit internationalem Haftbefehl gesucht. 2015, am Tag nach Neujahr, sollen Staub und Klette den Kaufland-Verbrauchermarkt ausgeraubt haben. Wie die Polizei damals meldete, hatten zwei Männer morgens um 7.50 Uhr wie normale Kunden, einen Einkaufswagen schiebend, den Markt betreten. Sie suchten dann jedoch ein Büro auf, wo sie zwei Angestellte mit einer Waffe bedrohten und Bargeld in Höhe von 60000 Euro erbeuteten.