Musik als Glaubensfrage Metal-Band Powerwolf zelebriert schwarze Messe im Hyde Park


Osnabrück. Ausgerechnet am Martinstag verwandelte das Metal-Quintett Powerwolf aus Saarbrücken den ausverkauften Hyde Park in eine Kirche des Heavy Metal.

Statt am Sonntag in die Kirche zu gehen, pilgerten am Samstagabend Heerscharen von Metal-Gläubigen in den Hyde Park, um mit der Band „Powerwolf“ eine schwarze musikalische Messe zu zelebrieren. „Metal is Religion“ war auf so manchem Fan-Shirt unverblümt zu lesen – und dass es sich hier um einen Religionsersatz handelt, daran ließen auch die Hohepriester auf der Bühne vom ersten Ton an keinen Zweifel.

Ein Halleluja dem bösen Wolf

Nachdem die Lokalhelden der Osnabrücker Death-Metal-Formation Dawn Of Disease und das aufstrebende baden-württembergische Quintett Kissin´ Dynamite den Schwarzkutten bereits höllisch eingeheizt hatten, war es für Powerwolf ein Leichtes, die Flammen so richtig zum Lodern zu bringen. Flankiert von zwei Federtieren und mit einem überdimensionalen bösen, schwarzen Wolf im Rücken, sang der grau geschminkte Sänger Attila Dorn sein erstes Halleluja und nicht sein letztes Ave Maria. Dass der an Graf Dracula gemahnende Sänger ein ausgebildeter Opernsänger ist, erkannte man auch daran, dass er mitunter sehr lang die Töne anhalten konnte.

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Organist Falk Maria Schlegel machte sich zwischendurch auch immer wieder als Fahnenschwenker und Anheizer nützlich. Was kaum nötig gewesen wäre, denn die Glaubensgemeinschaft beteiligte sich brav an den Mitgröl- und sonstigen Ritualen der derzeit verkaufsträchtigsten deutschen Metaller. Wie in einem Fußballstadion skandierten die Fans zwischen den eingängigen Stücken immer wieder den Namen der Band, die ob ihres kommerziellen Erfolges in der Metal-Szene alles andere als unumstritten ist.

Sakrales Kasperletheater

Eine Hymne nach der anderen animierte die Masse zum lautstarken Live-Gesang aus tausend Kehlen. Treibende Rhythmen, hohe Funken schlagende Trommelfeuer und ausladende Refrains sorgten für grenzenlose Begeisterung. Wohltuend weniger pathetisch, dafür aber etwas traditionell rockiger geriet zwischendurch das mehr als zehn Jahre alte Stück „Kiss Of The Cobra King“. Dann nahmen Powerwolf ihre Jünger aber wieder ins „Kreuzfeuer“ und führten sie in Versuchung. Auch nach „Sanctus Dominus“ waren sie mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende. „In the Name of God“, predigten und feierten sie ausgiebig den „heiligen“ Heavy Metal.

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„Blessed and Possessed“ heißt das aktuelle Album. Auf die Frage „Seid ihr besessen vom Heavy Metal?“ antworteten die Schäfchen wie im Kasperletheater für Erwachsene brav mit Ja. Manche waren dabei ähnlich geschminkt und kostümiert wie die Prediger. Einige hielten passend zum Martinstag Laternen mit Bandlogo und Kerzenlicht hoch. Für den Segen mussten sie sich indes hinknien.

Persiflage oder Effekthascherei?

Wohlwollend kann man das alles als Persiflage auf sakrale Riten und Symbolik auslegen. Möglicherweise werden hier aber auch nur christliche Symbole für eine düstere Effekthascherei missbraucht. Aber wie dem auch sei: Nach einem zum Tag passenden „Saturday Satan“ im Zugabenblock war die Messe gelesen. Und wer dran glaubt, soll eben selig werden.


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