Gründerpreis „Innovate Awards“ Wenn die Startup-Szene in Osnabrück auf den Mittelstand trifft

Von Claudia Scholz


Osnabrück. In Osnabrück wurden am Donnerstag die „Innovate Awards“ an junge Gründer und Studenten verliehen. Mit ihren neuartigen Ideen stellten sie sich der regionalen Startup-Szene und Wirtschaft vor.

Die „Innovate Awards“ sind zum wichtigen Treffpunkt der regionalen Gründerszene geworden. Zum sechsten Mal wurden Jungunternehmer und Studenten für ihre Ideen prämiert und konnten dabei Kontakte zur Osnabrücker Wirtschaft knüpfen.

Die Jury wählte aus 30 bundesweiten Bewerbungen sechs Projekte aus. Jeweils drei Studenten und drei Startupper kamen in die Endrunde und präsentierten auf der Bühne Software, Apps und sogar ganz analoges Hundefutter. Am Ende wählte das Publikum das beste Produkt.

Pinke Bänder und Nerd-Brillen

240 Gäste waren ins Foyer des Osnabrücker Theaters gekommen, viele junge Leute mit der für die Szene obligatorischen Nerd-Brille und Smartwatch. So tauschten sich Firmenchefs in ordentlichen Anzügen und Krawatte aus. Alle trugen pinkfarbene Veranstaltungsbändchen um den Hals (nach der FDP entdecken also auch die Digitalvorreiter die mädchenhafte Farbe für sich), mit dem Macho-Image der vormals männerdominierten Startup-Szene ist damit endgültig Schluss.

Viel Girl-Power von der Hochschule

Auf der Bühne viel Girl-Power: gleich drei Studentinnen kämpften gegeneinander in sogenannten „Pitches“, wie sie ein großes TV-Publikum aus der Sendung „Höhle der Löwen“ kennen dürfte. In Kurzvorträgen müssen die Entwickler ihre Geschäftsidee potenziellen Investoren vorstellen. Am Ende konnten gleich zwei Teams den mit 1500 Euro dotierten Campus Award abräumen. Für ein Springseil, das verbunden mit der App „Weave“ Musik erzeugt und damit zum Sport motivieren soll. Und für die Plattform „Connact Global“, die Reisende für die Kultur fremder Leute begeistern will.

Sensoren zur Parkplatzsuche

Den Company Award für eine bereits marktreife Lösung gab es für Sonah aus Aachen. Mit ihren Sensoren will das Startup dabei helfen, in überfüllten Innenstädten freie Parkplätze zu finden. Ein Ansatz, der auch den von der Stellplatzsuche genervten Autofahrern in Osnabrück Hilfe schaffen könnte, wie der optimistische Junggründer Ter Smitten befand. Das Pilotprojekt startet allerdings erst einmal in Münster.

Plattform für Gründer, Investoren und Mittelstand

„Die Qualität der Gründung in der Region steigt und damit auch das Interesse von Investoren“, sagt Wolf Goertz, der von Anfang an als Veranstalter mit dabei ist. Der 33-Jährige ist selbst Gründer. 2013 ging sein Osnabrücker Startup Netrocks an den Start, das Durchschnittsalter seiner Mitarbeiter ist 25. „Wir wollen eine Plattform schaffen für Gründer, Investoren und den Mittelstand“, sagt Goertz. Mit der Veranstaltung sollen die jungen Leute aus der Region Lust auf Gründungen bekommen.

Motivation von bekannten Unternehmern

Dafür luden die Veranstalter – neben Netrocks, die Osnabrücker Agenturen Metacrew; Die Etagen und das IUK Unternehmensnetzwerk Osnabrück – den Investmentbanker Andreas Thümmler ein, der in den Medien als „Gurubanker“, „Rampensau“ und „Lebemann“ bezeichnet wird. In einer 15-minütigen Anekdote erzählte er von der New Economy Blase und Millionen-Deals, die er als Berater vor dem großen Crash sichern konnte. Ein Leben aus Party und Risiko, das den ein oder anderen jungen Osnabrücker Gründer ins Träumen bringen konnte. Mit von der Partie war auch Titus Dittmann, der rund um Skateboards ein Firmenimperium aufbaute. Mittlerweile tingelt er von einer Innovations-Konferenz zur nächsten. Auch weil sich seine Lebens-Story (vom Beamtenjob über Millionengewinne bis zum Absturz und erneutem Aufstieg) so gut als Blaupause für jedes Motivationscoaching eignet.

Ehemalige Gewinner heute erfolgreich

Im Publikum sitzen auch ehemalige Gewinner, die sich die Newcomer neugierig anschauen. Wie der 25-jährige Janik Schlarmann, der 2015 zusammen mit seinem Bruder gewann. Sein Startup wurde vor zwei Jahren vom Osnabrücker Softwareentwickler Salt and Pepper gekauft. Heute arbeitet der Jungnerd bereits an seiner zweiten Firma. Um nie wieder arbeiten zu müssen, dafür hat die nicht näher genannte Übernahmesumme noch nicht gereicht.

„Geld ist mir weniger wichtig“

Der frühere Preisträger Sebastian Herkenhoff verbrennt mit seinem Start-up ebenfalls kein Geld mehr, sondern macht welches – auch weil sich ein Osnabrücker Tankstellenunternehmen daran beteiligt. „Jeder brennt am Anfang für seine Idee, viele vergessen aber den kaufmännischen Bereich“, sagt Herkenhoff. Er ist heute stolz darauf, keinen Idealen nachgejagt zu sein, sondern Finanzmitteln.

Nach der Preisverleihung ist vor der Marktreife: Im Anschluss wurden die Gewinner in privaten Gesprächen mit den ersten Problemen der Wirklichkeit konfrontiert. „Wie man die App überhaupt rentabel machen kann, darüber solltet ihr euch jetzt Gedanken machen“, gab ein Unternehmer der noch sehr euphorischen Preisträgerin Marlene Eimterbäumer zu bedenken. „Vielleicht mit Werbung?“ Die Studentin gibt zu, sich noch wenig Gedanken darüber zu machen, wie man damit wirtschaftlich sein kann. „Mein Herz brennt für die Idee, Geld ist mir weniger wichtig“, sagt die 22-Jährige.