zuletzt aktualisiert vor

Fotoaufnahmen in Bramsche und Belm Der Wolf erreicht den Osnabrücker Speckgürtel

Der Wolf ist Jägern im Kalkrieser Moor in Bramsche in die Fotofalle getappt. Foto: Dirk HehemannDer Wolf ist Jägern im Kalkrieser Moor in Bramsche in die Fotofalle getappt. Foto: Dirk Hehemann

Osnabrück. Der Wolf hat den Osnabrücker Speckgürtel erreicht. Jäger haben im Kalkrieser Moor in Bramsche und in Belm-Icker Fotos von dem Raubtier gemacht. Kreisjägermeister Martin Meyer Lührmann berichtet, dass ein Wolf mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Ostercappeln-Schwagstorf einen Hirsch gerissen hat.

Das Damwild sei durch den für Wolfsrisse typischen Kehlbiss getötet worden. Gennachweise dafür stehen allerdings noch aus. Der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, Raoul Reding, spricht angesichts der Bilder aus dem Kalkrieser Moor davon, dass es sich „mit aller Wahrscheinlichkeit um einen Wolf handelt“. Als Merkmale sieht der Experte etwa die gerade Rückenlinie, den herabfallenden Schwanz, das Hochbeinige und das Weiße im Gesicht. Da bislang aber noch von kein Gennachweis vorliegt, spricht Reding noch von einem sogenannten C3-Nachweis, wonach es sich wahrscheinlich um einen Wolf handelt, und nicht von einem sogenannten C1-Nachweis, der nach wissenschaftlichen Kriterien bestätigt ist.

Aus Polen eingewanderter weiblicher Wolf

Allerdings häufen sich die Hinweise auf den Wolf im Osnabrücker Umland. Bislang waren die Wolfsexperten der Region davon ausgegangen, dass sich nur ein Wolf im Bereich Bippen im Nordkreis dauerhaft aufhält. Bei dem Bippener Tier handelt es sich laut Genanalyse um einen aus Polen eingewanderten weiblichen Wolf, also eine sogenannte Fähe. Kreisjägermeister Meyer Lührmann geht basierend auf den nun vorliegenden Fotos aber von einem Rüden aus und fügt hinzu: „Da die B 68 und die A1 zwischen Bippen und Bramsche-Kalkriese sowie Belm-Icker liegt, handelt es sich hier mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um den Bippener Wolf. In der Regel meiden Wölfe große Straßen und Autobahnen.“

Sichtungen in Wallenhorst-Rulle, Belm-Icker und Bramsche-Evinghausen

Wolfsberater Olaf Göpfert sagt als einer der drei Wolfsberater für das Osnabrücker Land: „Es gab in den letzten drei Wochen auch in anderen Bereichen im Umkreis von Wallenhorst-Rulle, Belm-Icker und Bramsche-Evinghausen Wolfssichtungen. Jetzt wird vom Wolfsmanagement geprüft, ob es sich auch nach wissenschaftlichen Standards um einen Wolf handelt.“ Der Wolfsexperte ist sich jedoch sicher, dass es sich um das Raubtier handelt. „Erst am Donnerstag kam die Meldung von einer Treibjagd in Icker.“ Der Kreisjägermeister geht nach Sichtung der dabei entstandenen Fotos davon aus, dass es sich dabei nach dem C3-Nachweis aus dem Kalkrieser Moor um einen weiteren C3-Nachweis handelt. Wenn Reding als Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft die Aufnahmen erhalten hat, wird er entscheiden, ob auch die sich häufenden Sicht- und Fotonachweise für einen wissenschaftlich bestätigten Wolfsnachweis im Osnabrücker Speckgürtel ausreichen.

Schafe in Bippen nach Kehlbissen gestorben

Nachdem in Bippen mehrfach eine Schafherde überfallen und im März sowie im April auch Schafe nach Kehlbissen starben, machen sich nun auch die Nutztierhalter im Osnabrücker Umland Sorgen. Der Bissendorfer Züchter von Shetlandponys, Andreas Nowack, sagt: „Wir bewirtschaften hier elf Hektar im Nebenerwerb. Für uns ist es nicht möglich, das wolfssicher einzuzäunen. Das ist für uns schlicht zu teuer.“ Er zeigt sich überzeugt: „Wenn er in Ostercappeln-Schwagstorf bereits einen Hirsch reißen kann, dann ist ein wesentlich kleineres Pony für ihn eine leichte Beute. Wir brauchen hier keinen Wolf“, klagt er.

( Weiterlesen: Wolfsangriff auf Schafe in Bippen)

Angst hat auch Schäfer Willi Uhlen, der eine Herde von mehr als 800 Schafen in Melle hat: „Für mich steht fest: Wenn der Wolf hier einmal zuschlägt, dann ist hier Schluss. Die Schafe sind danach total verbiestert. Es besteht die Gefahr, dass die Herde so in Panik auf die Straße oder die naheliegende Bahnlinie getrieben wird.“ Zudem werde vom Land kein ausreichender finanzieller Ersatz geleistet würde, der die Schäden aufwiegen könne, schimpft der 65-Jährige. Für ihn steht fest: „Wölfe sind die größte geduldete Tierquälerei. Die Leute vom Landkreis oder vom Naturschutzbund, die den Wolf in unserer Region wollen, die sollten mal sehen, wie grausam das ist, wie die Schafe bei einem Angriff verenden.“

„Kein Grund zur Panik“

Die Wolfsberater im Landkreis Osnabrück warnen aber vor unnötiger Panik. „Der Wolf ist ein scheues Tier. Wenn man ruft, mit Steinen wirft oder laut in die Hände klatscht, laufen sie weg. Der größte Fehler, den man machen kann, wäre, sie zu füttern“, sagt Wolfsberater Arndt Eggelmeyer. Wichtig sei zudem, dass sich Schäfer rechtzeitig mit den empfohlenen Elektrozäunen gegen Wölfe ausstatten oder sich einen Herdenschutzhund zulegen und nicht abwarten, bis der Wolf zugeschlagen hat. Wer einen Wolf oder ein von einem Wolf gerissenes Tier sieht, wird gebeten, sich bei den Wolfsberatern unter folgenden Telefonnummern zu melden: 0171/9034426 (Arndt Eggelmeyer), 0151/46158918 (Olaf Göpfert) oder 05226/454 (Meinhard Krüger).


Wolfsreviere: In Deutschland leben Wölfe in der Regel in Rudeln von fünf bis zehn Tieren. Zwischen 150 und 350 Quadratkilometer beträgt die Reviergröße eines Rudels. Auf dem Speiseplan steht hauptsächlich Rehwild, gelegentlich auch Rot- und Schwarzwild. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass Wölfe Schafe oder sogar Rinder angreifen, wie im Raum Cuxhaven geschehen. Im Landkreis Osnabrück gibt es aber lediglich Einzeltiere und noch kein Rudel.

Verhalten II: In einem Flyer gibt der Landkreis Tipps, wie sich Menschen bei Kontakt mit Wölfen verhalten sollten. Hier ein Auszug: 1)„Geben Sie dem Wolf die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Es sind häufig junge Wölfe, die nicht unmittelbar flüchten werden, da sie sehr neugierig sind. 2) Sollte sich ein Wolf nähern, machen Sie Lärm oder bewerfen Sie ihn mit Gegenständen. 3) Ziehen Sie sich langsam zurück. Gehen Sie niemals aktiv auf die Wölfe zu.

Bedrohung: Die Gefahr, die von Wölfen ausgeht, ist statistisch gesehen geringer als die Gefährdung durch Hunde. Seit dem Zweiten Weltkrieg seien in Europa – einschließlich des europäischen Teils von Russland –fünf Menschen von tollwütigen Tieren getötet worden und fünf Menschen von gesunden Tieren, wie Wolfsberater Arndt Eggelmann betont.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN