Ersatz für ein marodes Bauwerk Seit 2011 rollt der Verkehr über die neue Schellenbergbrücke

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Osnabrück. Seit 2011 rollt der Verkehr wieder über die neue Schellenbergbrücke. Das fast 100 Jahre alte Vorgängerbauwerk war völlig marode gewesen.

Es war ein Geschenk, das die Stadt nicht ablehnen konnte, auch wenn von Anfang an klar war, dass es ein teurer Spaß werden würde. Im Zuge der Bahnprivatisierung bekamen die Kommunen 1994 die Straßenbrücken über Bahnanlagen geschenkt und gleichzeitig die Unterhaltungslast aufgedrückt.

Die 1911/12 errichtete Schellenbergbrücke über die Rangiergleise des Güterbahnhofs hatte im Krieg Bombentreffer erlitten, war repariert und in der Folgezeit immer nur mit dem Notwendigsten am Leben erhalten worden. 2004 fiel die Entscheidung für einen Neubau, weil nur mit etwas frischer Farbe und Verkehrsbeschränkungen der Verfall nicht aufzuhalten war.

Verzögerungen und Klagen

Der zunächst für 2006 geplante Baubeginn musste mehrfach verschoben werden, weil die Verhandlungen mit der Bahn über deren Kostenbeteiligung zäh und langwierig waren. Der Bahn kam es auf eine größere Durchfahrthöhe für ihre modernen Züge an, deshalb beteiligte sie sich schließlich zu zwei Dritteln an den Gesamtkosten von 10,5 Millionen Euro. Eine weitere Verzögerung ergab sich durch einen Vergabestreit.

Der zweitgünstigste Bieter, die Firma Echterhoff, hatte die Stadt verklagt, weil der Ausschreibungsgewinner unvollständige Unterlagen eingereicht habe. Das Oberlandesgericht Celle gab Echterhoff zwar Recht, aber nicht den erhofften Zuschlag, weil Echterhoff selbst auch formale Fehler unterlaufen waren. Im zweiten Anlauf konnten die Firmen Hofschröer (Lingen; Hochbau) und Dieckmann (Osnabrück; Tiefbau) den Auftrag für sich verbuchen.

Aus Kostengründen hatte sich die Stadt gegen eine Stahlbogen- und für eine Spannbetonbrücke entschieden. Der Abriss der alten Brücke begann im August 2009. Für 22 Monate mussten die Autofahrer auf diese wichtigste Straßenverbindung zwischen Schinkel und Fledder verzichten, während für Fußgänger und Radfahrer eine hölzerne Behelfsbrücke aufgebaut worden war.

Die Baustelle an der Schellenbergbrücke im Jahr 2010, Archivfoto: Gert Westdörp

Von dieser „Bühne“ aus ließ sich die abschnittsweise Demontage der alten Brücke gut beobachten, was gerade an den Wochenenden, wenn die spektakulärsten Aktionen stattfanden, zahlreiche Osnabrücker auch taten.

Die 129 Meter lange Brücke überspannt die Fernbahngleise der Hauptstrecke Amsterdam – Berlin, den Hasekanal und zehn Rangiergleise des früheren Güterbahnhofs. Die mit der Bahn vereinbarten „Sperrpausen“ mussten präzise eingehalten und konzentriert für alle Aktionen mit schwebenden Großteilen genutzt werden.

Fest zur Wiedereröffnung

Im Januar 2010 wurden die ersten neuen Pfeiler gegossen. Vor Weihnachten 2010 war die neue Brücke im Rohbau fertig. Die allgemeine Verkehrsfreigabe erfolgte am 6. Mai 2011, trotz zweier schneereicher Winter ein halbes Jahr eher als geplant.

Oberbürgermeister Boris Pistorius lenkte als erstes Fahrzeug einen 42 Jahre alten Karmann Ghia über die Brücke, die direkt neben der Geburtsstätte der Karmann-Fahrzeuge liegt. Die Wiedereröffnung der lange entbehrten Brückenverbindung geriet zu einem kleinen Volksfest. Die Kapelle des Ratsgymnasiums spielte Swing, der die Statik der neuen Brücke jedoch vor keine Probleme stellte.


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