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500 Jahre Reformation: Ausblick Osnabrücker Superintendent wünscht sich gemeinsames Abendmahl

Von Jean-Charles Fays


Osnabrück. Der Superintendent im Kirchenkreis Osnabrück, Joachim Jeska, wünscht sich gemeinsame Abendmahlsfeiern von Katholiken und Protestanten. „Ich hoffe, das in den nächsten 16 Jahren meiner Amtszeit noch zu erleben“, sagte Jeska in einem Gespräch zu „500 Jahre Reformation – Was war? Was bleibt?“

Bislang ist die gemeinsame Eucharistiefeier nicht zulässig. Katholiken ist der Empfang des evangelischen Abendmahls untersagt, und Protestanten dürfen in der Regel auch nicht an der katholischen Eucharistiefeier teilnehmen. Die evangelische Kirche erlaubt Katholiken hingegen, bei ihnen das Abendmahl zu empfangen.

Trennendes zwischen den beiden Konfessionen angehen

Der Domkapitular im Bistum Osnabrück, Reinhard Molitor, wünschte sich, Trennendes zwischen den beiden Konfessionen anzugehen, um weiter aufeinander zuzugehen. Er betonte am Donnerstag im Rathaus: „Die Gemeinsamkeiten sind größer, als wir denken.“ Jetzt gelte es, das Erreichte zu festigen und auch die Früchte der ökumenischen Arbeit im Lutherjahr einzuholen. Die Ökumene-Kommission im Bistum Osnabrück werde in den kommenden drei Jahren daran arbeiten, die Vereinbarungen aus dem Versöhnungsgottesdienst in Osnabrück anzugehen. Dazu gehöre auch, in den Gottesdiensten miteinander und füreinander zu beten. Ein weiterer Punkt sei eine engere Zusammenarbeit von katholischen und evangelischen Wohlfahrtsverbänden wie Caritas und Diakonie. Zudem erinnerte Molitor an die Worte von Bischof Franz-Josef Bode im ökumenischen Reformationsgottesdienst in der Marienkirche mit mehr als 1200 Besuchern: „Der Grundwasserspiegel der Ökumene hat sich deutlich erhöht.“ Der Domkapitular zeigte sich besonders begeistert von den Erzählcafés „Wir erzählen Konfession“, die er begleiten durfte. Die Erlebnisse hätten zum gegenseitigen Verständnis beigetragen: „Da ist etwas in Gang gekommen.“

Viel Annäherung, aber wegen der Unterschiede „nicht so einfach“

Die Landessuperintendentin im Sprengel Osnabrück, Birgit Klostermeier, sagte zu Molitor: „Wenn ich Sie so reden höre, dann habe ich den Eindruck, dass sich bei der katholischen Kirche mehr bewegt hat als bei der evangelischen.“ Sie erinnerte an die Unterschiede: Während in der evangelischen Kirche Frauen in alle Ämter ordiniert würden, Pfarrerinnen und Pfarrer heiraten und mit Familien leben könnten, sei das bei den Katholiken weiterhin nicht der Fall. Sie betonte, dass sie auch viel Annäherung und Gemeinsames erlebt habe, dass es aufgrund der Unterschiede aber weiterhin „nicht so einfach“ sei. Trotz allem Trennenden gelte es, die gelebte Ökomene fortzusetzen und sich weiter zu öffnen. Jeska stellte fest: „In Osnabrück ist die Ökumene im Vergleich zu anderen Regionen schon ziemlich weit.“

„Bundesweit einzigartige Trägergemeinschaft“

Rückblickend auf das Reformationsjahr, das am 31. Oktober endete, hob Klostermeier nach den vielfältigen Veranstaltungen hervor, dass die Trägergemeinschaft aus kirchlichen und nicht-kirchlichen Partnern, die für die Durchführung des Reformationsjahres in der Region verantwortlich war, „bundesweit einzigartig“ sei. Damit lobte die Landessuperintendentin als Sprecherin der Trägergemeinschaft ausdrücklich die Partner von Bistum über Stadt und Landkreis sowie Universität und Landschaftsverband Osnabrücker Land. Sie hätten stark dazu beigetragen, die Veranstaltungen über den kirchlichen Raum hinaus in die Bevölkerung zu tragen.

Kreisrat Winfried Wilkens beeindruckten die Video-Projektionen des Bunds Bildender Künstler. Sie sorgten mit Unterstützung des Landkreises dafür, dass 14 Interpretationen der Reformationspersönlichkeiten an Kirchenwänden im Landkreis zu sehen waren. „So wurden Menschen involviert, die nicht jeden Tag über Reformation nachdenken“, stellte Wilkens heraus.

Letzte Station der Wanderausstellung am 22. November im Dom

Christine Grewe aus dem Büro für Friedenskultur der Stadt Osnabrück hielt es für wichtig, die interreligiöse Verständigung im Reformationsjahr deutlich werden zu lassen: „Die Religionen sind nach wie vor wichtige Multiplikatoren.“ Ihr gefiel daher auch das von Osnabrücker Jugendlichen entworfene Theaterstück „Der beste Gott“ zum Miteinander der Religionen.

Martin Jung von der Uni Osnabrück und die Geschäftsführerin des Landschaftsverbands Osnabrücker Land, Susanne Tauss, lobten die Tagung und die Wanderausstellung zu Reformation und Konfession von 1500 bis 1700, die eine überwältigende Resonanz gefunden hätten. Im Dom eröffnet die letzte Station der Wanderausstellung am 22. November.