Porschefahrer vor Gericht „Wie eine wilde Sau nach Osnabrück gefahren“

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Osnabrück. Der Porschefahrer, der im Januar bei einer Polizeikontrolle blutige Kopfverletzungen davongetragen hat, muss sich seit Donnerstag wegen Verkehrsgefährdung vor dem Amtsgericht verantworten. Ein Strafverfahren gegen die beiden Polizisten ist im August eingestellt worden.

Auf der morgendlichen Fahrt zur eigenen Praxis am Klinikum Osnabrück war das Ehepaar Oberhoff am 11. Januar an der Autobahnabfahrt Hasbergen-Gaste von einer Zivilstreife gestoppt worden. Am ersten Verhandlungstag kam heraus, dass der schwarze Cayenne offensichtlich schon erwartet wurde. „Der Porsche und das Kennzeichen waren bekannt“, erklärte der ältere der beiden Polizisten vor der Einzelrichterin. Von Autofahrern habe es Hinweise gegeben, dass ein Porschefahrer jeden Tag „wie eine wilde Sau“ von Fürstenau nach Osnabrück fahre. Und diese Schilderungen hätten sich bei der anschließenden Verfolgungsfahrt bestätigt.

Anhaltekelle ignoriert

Der Angeklagte Jörg Oberhoff habe im Überholverbot überholt, die durchgezogene weiße Linie überfahren und mit überhöhter Geschwindigkeit versucht, die Zivilstreife im schwarzen Golf Variant abzuschütteln, erklärten die als Zeugen geladenen Polizisten. Nach ihrer Darstellung ignorierte der Porschefahrer die beleuchtete Anhaltekelle, die der Beamte auf dem Beifahrersitz über viele Kilometer durch das geöffnete Seitenfenster hielt. Und das, obwohl es an dem Morgen sehr kalt gewesen sei, wie er bemerkte.

Doch statt darauf zu reagieren, habe der Angeklagte die beiden Ordnungshüter in Gefahr gebrach t und den Streifenwagen in einem Baustellenbereich auf der Autobahn brutal abgedrängt. Nur durch das fahrerische Können seines Kollegen und viel Glück sei ein schwerer Unfall abgewendet worden, bekundete der jüngere der beiden Polizisten.

Oberhoff und seine Frau hätten mehrfach herübergeschaut – „mit einem Blick, der verachtend ist“, wie er hinzufügte. „Haben Sie denn die Gesichtszüge erkennen können?“, fragte die Richterin. Schließlich sei es doch dunkel gewesen. Aber der Polizist blieb dabei.

Gegenwehr geleistet?

Dass der Mann am Steuer des Cayenne nach der Kontrolle blutete, habe er sich selbst zuzuschreiben, führten die Beamten aus. Nach ihrer Darstellung hat der Angeklagte Gegenwehr geleistet. Um angesichts der vorbeifahrenden Autos eine gefährliche Situation abzuwenden, hätten sie ihn mit dem Kopf gegen das Auto drücken müssen.

Der inzwischen 73 Jahre alte Oberhoff glaubt hingegen, dass die Polizisten ihre Aussage nachträglich konstruiert haben. Nach seiner Darstellung wurde er, als er noch im Auto saß, durch das offene Seitenfenster blutig geschlagen. Gegenwehr habe er nicht geleistet.

Die Verhandlung wird am 21. November fortgesetzt.


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