Universität Osnabrück Holocaust-Überlebende zu Gast im Institut für Islamische Theologie

Von Anna Beckmann

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„Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an die Zeit im Konzentrationslager denke“, sagte Erna de Vries, die im Institut für Islamische Theologie der Uni Osnabrück über ihre Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges sprach. Foto: Jörn Martens„Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an die Zeit im Konzentrationslager denke“, sagte Erna de Vries, die im Institut für Islamische Theologie der Uni Osnabrück über ihre Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges sprach. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die Holocaust-Überlebende Erna de Vries ist im Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück zu Gast gewesen. Die 94-Jährige erzählte den Studenten ihre Lebensgeschichte und kam mit ihnen ins Gespräch.

„Heute haben wir eine ganz besondere Lehrveranstaltung.“ So begrüßte Dozent Coskun Saglam seine Studenten und zahlreiche weitere Interessierte, die gekommen waren, um den Erzählungen von Erna de Vries zu lauschen. „Dass man mit 94 Jahren die Bereitschaft zeigt, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen, ist keine Selbstverständlichkeit“, stellte Saglam fest, bevor er die betagte Emsländerin auf die Bühne bat. Als Erna de Vries mit lauter und gefasster Stimme zu erzählen begann, wurde es still im großen Hörsaal.

Erna de Vries wurde 1923 in Kaiserslautern geboren. Sie und ihre Mutter waren schon früh auf sich alleine gestellt, da ihr Vater bereits 1930 verstarb. Nur wenige Zeit später begannen die Anfeindungen gegenüber Juden. „Für ein zwölfjähriges Mädchen wie mich war das damals schwer zu verstehen“, erzählte de Vries. Als ihre Mutter 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert werden sollte, habe de Vries die Soldaten angefleht, dass sie mitkommen dürfe. Das Mädchen wollte seine Mutter nicht alleine lassen, obwohl es wusste, was in Auschwitz geschehen würde. „Das war mir sehr wohl bewusst, denn wir hatten verbotenerweise noch ein Radio, und so konnte ich abends Berichte über Auschwitz hören“, sagte de Vries.

„Du wirst überleben“

Nach einiger Zeit in Auschwitz mussten sich Mutter und Tochter in dem Wissen trennen, dass sie sich nie wiedersehen würden. „Da sagte meine Mutter zu mir: Du wirst überleben und erzählen, was man mit uns gemacht hat“, erinnerte sich de Vries.

Diesen Satz hat sie zur Lebensaufgabe gemacht. Auf die Frage eines Studenten, ob die Seniorin denke, dass sie die Aufgabe ihrer Mutter erfüllt hat, antwortete de Vries: „Ja, und ich hätte gerne früher darüber gesprochen, aber es hat mich keiner gefragt.“

Bei Lina Ben-Khemis löste diese Aussage Verwunderung aus. „Ich hätte gedacht, dass sich die Leute schon viel eher für ihre Geschichte interessiert hätten“, sagte sie. Die Studentin der Islamischen Theologie war von dem Vortrag sehr berührt. „Erna de Vries’ Geschichte hat mich auch noch einmal darin bestärkt, mich ehrenamtlich zu engagieren und gegen jede Art von Unrecht zu kämpfen.“


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