Oscar-Preisträger („Once“) zu Gast Glen Hansard: Brachiale Stimmgewalt im Osnabrücker Rosenhof

Raue Stimmgewalt: Der irische Sänger Glen Hansard („The Frames“) hat im Osnabrücker Rosenhof am Mittwochabend mit seinen gefühlvollen Songs überzeugt. Foto: Hermann PentermannRaue Stimmgewalt: Der irische Sänger Glen Hansard („The Frames“) hat im Osnabrücker Rosenhof am Mittwochabend mit seinen gefühlvollen Songs überzeugt. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Save-A-Soul Mission steht auf dem Fell der Trommel hinter ihm. Glen Hansard ist im Osnabrücker Rosenhof auf selbst erklärter Mission, eine Seele zu retten. Der Weg führt über pure Emotionen. Und davon bringt der Oscar-Preisträger reichlich mit.

Je länger Glen Hansard singt, je lauter der Ire seine Schmerzensschreie ins Mikrofon brüllt, desto mehr verbreitet sich der Verdacht: Ist es Glen Hansard selbst, dessen Seele auf dieser Mission gerettet werden soll? Muss er seine Gefühle in Songs packen, um nicht irgendwann zu zerbersten?

Es ist diese tiefe Emotionalität, diese ungebrochene Leidenschaft, die die Musik des 47 Jahre alten Glen Hansard auszeichnen. Sein Stil bewegt sich zwischen Folk, Rock, reichlich Soul und traditionellen irischen Einflüssen. Bei „Grace beneath the pines“ von seinem jüngsten Soloalbum „Didn’t he ramble“ (2015) beispielsweise könnte Glen Hansarad mit seinem Holzhocker genauso gut in einem irischen Pub sitzen, während Regen an die Scheiben schlägt und an der Bar die Whiskey-Gläser klirren.

Glen Hansard solo: Mitglied bei „The Frames“

Glen Hansard benötigt weniger als zwei Songs, um das Publikum auf den Stühlen im ausverkauften Rosenhof hinter sich zu vereinen. Sowohl bei „High Hope“ vom ersten Album „Rhythm and repose“ (2012) als insbesondere auch bei „Time will be the healer“, das auf dem dritten Album „Between two shores“ (voraussichtlich Januar 2018) sein wird, zeigt der Ire, wozu seine Stimme fähig ist. Das ist der sanfte Ton in den Falsettpassagen ebenso wie die raue Unbändigkeit, wenn die Emotionen aus ihm heraus brechen. Er schreit, aber melodisch.

„Ohne die Band unterwegs zu sein und die Songs allein zu spielen, ist etwas Besonderes“, sagt Glen Hansard in der ersten Hälfte des rund zweistündigen Konzerts. Der Ire hat die Schule mit 13 verlassen, tingelt stattdessen durch Dublins Straßen und Pubs, um sich als Musiker ein paar Pfund zu verdienen. 1990 gründet er gemeinsam mit fünf anderen Musikern die Rockband „The Frames“. Schlagartig bekannt wird der Musiker ein Jahr später: Er übernimmt die Rolle eines Gitarristen, in dem vor allem in Großbritannien viel beachteten Film „The Commitments“.

Ire besticht durch Stimmgewalt

Kein Schlagzeug, kein Bass – im Rosenhof sind es nur ein Mann, seine Stimmgewalt und seine Gitarre. Mit rotem Kopf brüllt Glen Hansard bei „When Your Mind’s Made Up“ in das Mikrofon, nähmaschinenartig tackert die Hand über das Schallloch. Und während der Ire danach wieder zu Atem kommt, lächelt er das frenetisch applaudierende Publikum an.

Oscar für „Falling slowly“

Der Song ist Teil eines Bandprojekts der frühen 2000er Jahre. Glen Hansard ist zu der Zeit wieder in einem Film zu sehen - und danach auf den roten Teppichen. Er spielt die Hauptrolle in dem Low-Budget-Liebesfilm „Once“. An seiner Seite: die Sängerin Markéta Irglová. Gemeinsam steuern sie auch den Soundtrack bei. Sie schreiben Songs, die maßgeblich zum Erfolg beitragen – sowohl des Films als auch des Duos, das unter dem Namen „The Swell Season“ Konzertsäle füllt. Mit der „Once“-Filmmusik stechen sie 2007 die übermächtige Disney-Konkurrenz aus und gewinnen für „Falling Slowly“ den Oscar in der Kategorie für den besten Song. Auch das Rosenhof-Publikum zieht der Song in seinen Bann.

Dass er nicht immer der ganze große Emotionsvulkan sein muss, zeigt Glen Hansard bei eher bluesigen Rocksongs wie „Paying my way“ oder bei „Way back in the way back when“. Irische Pub-Stimmung kommt dann noch einmal bei der Zugabe auf, die Glen Hansard teils zusammen mit Rob Bochnik spielt. Bochnik ist ebenfalls Mitglied von „The Frames“ und hat das Programm am Mittwochabend eröffnet. Zwei Sympathieträger, zwei Gitarren – gemeinsam entlassen sie die Menschen in die Nacht. Vielleicht war es doch nicht nur Glen Hansards Seele, die gerettet worden ist. Viele andere wurden zumindest berührt.


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