Zu schade für den Papierkorb NOZ-Hate-Slam stellt die bösesten Leserzuschriften vor


Osnabrück. Vervielfacht sich mit den Möglichkeiten, die Neue Osnabrücker Zeitung zu erreichen, auch der Hass, der der Redaktion entgegenschlägt? Vielleicht. Aber der Hass hat auch seine lustigen Seiten – beim Hate Slam der NOZ in der Lagerhalle gibt es viel zu lachen.

Journalisten wissen, dass sie nicht immer und schon gar nicht von allen geliebt werden. Im Gegenteil: Beim Hate Slam in der Lagerhalle haben sechs Redakteurinnen und Redakteure nun schon zum zweiten Mal in Osnabrück belegt, wie bösartig, hasserfüllt, aber manchmal auch fantasievoll die Leser auf die Arbeit der NOZ-Redaktion reagieren. Sogar interessante Kooperationen werden mitunter angeboten.

Kampfschwimmer braucht Einsatzziele

So schlägt ein ehemaliger Kampfschwimmer vor, bei der Beseitigung von Missständen in der Tierhaltung tatkräftig mitzuhelfen. Allerdings muss sich die NOZ aktiv beteiligen: „Ich bräuchte potenzielle Einsatzziele“, lässt der kampferprobte Leser die Redaktion wissen.

Im fliegenden Wechsel lesen die NOZ-Redakteurinnen und -Redakteure Katharina Ritzer, Thomas Achenbach, Nina Brinkmann, Uli Bunsmann, Julia Kuhlmann und Sebastian Philipp die Zuschriften der Leser. Und auch für einen neutralen Blick auf die Widrigkeiten des Alltags bietet der Abend im mit 260 Besuchern ausverkauften Saal Raum: Poetry Slammer Volker Strübing zeigt in Beiträgen über den Kaffee in den Zügen der Deutschen Bahn und über automatische Software-Updates, dass er zu den Besten seiner Zunft zählt. Kenntnisreich und pointensicher beschreibt er die Welt.

Den NOZ-Journalisten erkennen die Leserbriefschreiber und Online-Kommentatoren diese Fähigkeit hingegen ab. Deshalb zieht sich der Vorwurf der Inkompetenz wie ein roter Faden durch den Abend, gern wörtlich ausgesprochen, gern aber auch versteckt in ausführlichen Welterklärungsmodellen. So beschreibt ein Leser eine „maßvolle Intoleranz“ als Mittel, um den Islamismus in den Griff zu kriegen. Oder ein Kommentator namens „Bundeswehropa“ erklärt die kriminelle Energie, mit der Fremde zu Flüchtlingen deklariert werden und was das mit dem „Aussterben der autochthonen Deutschen“ zu tun hat.

Der Treueste der Treuen

Nun bezeichnet sich dieser Mann mit Wagner’schem Pathos als den „Patriotischsten der Patrioten“ und den „Treuesten der Treuen“. Allerdings ist der Schritt zu offen gewaltverherrlichendem Gedankengut nicht weit, und so stimmt es schon nachdenklich, wenn jemand dem nach wie vor in der Türkei inhaftierte Journalist Deniz Yücel die „ihn entsorgenden Todesstrafe“ wünscht. Eine „stolze Deutsche“ wirft NOZ-Redakteurinnen vor, „hetzerisch und antideutsch“ den Ruf Deutschlands im Ausland zu ruinieren. Ihr Rat, die „Staatsangehörigkeit umgehend niederzulegen“ ist dann aber fast schon wieder lustig.

Je brisanter das Thema, desto harscher die Vorwürfe und Anfeindungen: Diese Tendenz spiegelt der Abend wider. Propaganda, linksgrünes Gesocks, Manipulation und Volksverhetzung sind denn auch schon fast Standardvorwürfe. Die eine oder andere Zuschrift trifft allerdings auch da, wo es wirklich wehtut: bei Grammatik und Orthografie. Aber da gibt es zum Glück den ein oder anderen hilfsbereiten Leser, der den Unterschied zwischen „das“ und „dass“ präzise und anschaulich erklären kann, und zwar am Beispiel der Kartoffelzucht und -pflege.

Dabei besitzen Journalisten durchaus die Gabe zur Selbstironie: Der Abend endet mit Stilblüten, die jedes Vier-Augen-Prinzip umschifft und Korrektoratshürden genommen haben und es in die Neue OZ geschafft haben: etwa das „emotionale Trauma“, in das einen Nirvana-Songs stürzen oder den neu geschotterten Weg, der nun auch „für Rollstuhlfahrer begehbar“ sei. Dafür entschädigen wirklich liebenswerte Zuschriften von beißendem Humor: Ein Leser bedankt sich fürs Gratisabo, bittet die Zustellung auf den Friedhof, weil er seit 31 Jahren tot sei. Vermutlich unser treuester Leser.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN