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Nur ein bisschen gruselig: Beim „AbFahrKino“ waren Filme an ungewöhnlichen Orten zu sehen Sternenglanz zum Kinovergnügen

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Warum nicht eine Hausfassade als Kinoleinwand? Die Teilnehmer der Rundtour frönten ihrer Filmleidenschaft an unerwarteten Orten.Foto: Thomas OsterfeldWarum nicht eine Hausfassade als Kinoleinwand? Die Teilnehmer der Rundtour frönten ihrer Filmleidenschaft an unerwarteten Orten.Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Beim „AbFahrKino“ wurden unheimliche Kurzfilme an ungewöhnlichen Orten gezeigt. Die Zuschauer ließen sich dafür auf einen Trip ins Ungewisse ein.

Im Film steht der Sonnenuntergang oft für den Aufbruch in eine bessere Zukunft. Tatsächlich sinkt die Sonne über dem Westerberg gerade. Doch für die rund 60 Gäste des „AbFahrKinos“, die im Bus auf den roten Streif am Horizont zufahren, steht er für einen Trip ins Ungewisse. Sie haben keine Ahnung, wohin ihr Weg sie führt.

„ Wir fahren an unheimliche Orte, wo wir unheimliche Filme schauen.“ Das ist alles, was Filmfestleiter Holger Tepe den Zuschauern vor der Abfahrt mitgeteilt hat. Wer mitfahren kann, hat übrigens Glück gehabt. Denn das „AbFahrKino“ war schon über eine Woche vorher ausverkauft.

Und nun geht es los. Leise klimpern die Bierflaschen, die zur Verköstigung des Publikums mitgenommen wurden. „Zum Steinbruch?“, mutmaßt eine Zuschauerin, als der Bus in Richtung Sedanplatz fährt. Doch es geht auf das verlassene britische Kasernengelände. Dort winkt Holger Tepe die Gäste in eine schmale Ecke zwischen zwei Häusern, wo der erste Film auf eine Hauswand projiziert wird. Echtes Nischenkino eben.

In dem als Computerspiel aufgemachten ersten Kurzfilm wird das Publikum in die Lage des kleinen Danny aus „The Shining“ versetzt und muss jeden Moment damit rechnen, hinter einer Ecke die bösen Zwillingsschwestern zu treffen. Das passt zu dem leicht verwinkelten Kasernengebäude. Überhaupt passen Filme und Orte gut zusammen. Wenn etwa in „Off Seasons“ ein Mann durch weite Schneelandschaften gezogen und schließlich im Kühlschrank eines verlassenen Hauses verendet ist, klingt der Kies unter den Schuhsohlen auf dem leeren Parkplatz hinterm Industriemuseum ganz anders.

Gesteigert wird die Spannung dadurch, dass der Bus auf komplizierten Umwegen statt der direkten Route zum nächsten Ort kurvt. Das hat allerdings keine dramaturgischen Gründe. Denn gleichzeitig ist auch das Technikteam mit Beamer und Leinwand unterwegs. Und das muss den jeweils nächsten Ort eher als die Zuschauer erreicht haben.

Für das Publikum geben die zehn- bis fünfzehnminütigen Fahrten trotzdem Zeit zum Spekulieren. Vielleicht geht es jetzt zum Güterbahnhof? Aber nein, doch zum Schölerberg. Im dunklen Wald verfolgt das Kinopublikum, wie in „The Braineater“ ein irrer Typ auf der Leinwand Kinder überfällt, um deren Gehirne zu verspeisen. Ganz schön gruselig. Da ist man froh, wieder im Bus angekommen zu sein.

So richtig Angst und Bange machen die eher ironischen Filme natürlich nicht. Sollen sie auch nicht. Ein „Larger than Life“ ist mit seinen vielen Zitaten intelligente Unterhaltung. Aber wer weiß, vielleicht denkt der ein oder andere beim nächsten Gang in den Keller an das junge Mädchen aus „The ten Steps“, das zum Stromeinschalten in unendliche Tiefen hinabsteigt.


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