Erinnerungen an Roger Willemsen Benefizveranstaltung des Afghanischen Frauenvereins im Theater

Von Christoph Beyer

Das fünfköpfige Ensemble Weltmusik Dorsten spielte persische, armenische, türkische und lateinamerikanische Stücke. Foto: Egmont SeilerDas fünfköpfige Ensemble Weltmusik Dorsten spielte persische, armenische, türkische und lateinamerikanische Stücke. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Zehn Jahre lang wirkte der verstorbene Publizist und Fernsehmoderator Roger Willemsen als Schirmherr für den in Osnabrück ansässigen afghanischen Frauenverein. Zugunsten der nach Willemsen benannten, afghanischen Schule veranstaltete der Verein im Theaterfoyer eine Benefizaktion.

Roger Willemsen galt unter anderem als kunstvoller Erzähler, der mit feiner Beobachtungsgabe seine Umgebung betrachtete. Sein zehnjähriges Engagement für den 1992 gegründeten afghanischen Frauenverein ist weniger bekannt. Dabei führte ihn diese Arbeit mehrfach in das von Krieg und Krisen gebeutelte Land. Die Aktiven des Vereins halten Willemsens Wirken in lebendiger Erinnerung, wozu seine Freude am interkulturellen Austausch ebenso gehörte, wie seine ausgeprägte Neugier und Begeisterungsfähigkeit. Angesichts der großen Besucherresonanz auf die Benefizaktion musste zu Beginn zusätzliche Bestuhlung herbeigeschafft werden. Mit der Theaterschauspielerin Ulrike Tepe, die ausgewählte Buchauszüge aus der Feder Willemsens vortrug, sowie dem Repertoire des Ensembles Weltmusik Dorsten erwartete die Zuschauer ein sich hervorragend ergänzendes Wechselspiel aus Sprache und Musik.

Moderator Tom Bullmann, der souverän durch das Programm führte, stellte zunächst die Arbeit des Vereins näher vor. Vereinsvorsitzende Nadia Nashir betonte, dass bisher über 100 Projekte erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Neben dem Bau von Schulen und Kliniken wurden zahlreiche Brunnen gebohrt, berufliche Orientierungsmaßnahmen für Frauen angeboten und Nothilfemaßnahmen durchgeführt. „Die Palette ist sehr breit“, so Nashir. Bildung, Interesse am Gegenüber, der Wunsch, sich dem Anderem mit wachem Blick anzunähern – Aspekte, die auch dem weitgereisten Roger Willemsen wichtig waren. Mit ihrer Textauswahl aus Willemsens Büchern „Der Knax“, „Momentum“ und „Vages Erinnern – Präzises Vergessen“ hatte Schauspielerin Ulrike Tepe das für den Publizisten zentrale Thema der Sprache in den Mittelpunkt gerückt. Es waren kleine Textminiaturen von hohem Unterhaltungswert, denen Tepe mit wohlklingender Stimme und präziser Interpretation Ausdruckskraft verlieh. Willemsen trat darin als emphatischer Beobachter hervor, der sprachmächtig und -witzig, seine Umgebung seziert. Ob bei einer irritierenden Fahrt in einem südkoreanischen Taxi oder im Angesicht sprachlicher Verwirrungen seiner Mitmenschen, der ehemalige Schirmherr des afghanischen Frauenvereins schöpfte aus derartigen Begegnungen einen beeindruckenden Erkenntnisgewinn.

Das fünfköpfige Ensemble Weltmusik Dorsten unter der Leitung von Nangialai Nashir (Gitarre) zog auch musikalisch gleich. Nashir, Annette Krieger (Violoncello), Frank Westerath (Tabla und Percussion) und Anwa Abdi (Saz) boten ein virtuos vorgetragenes Spektrum persischer, armenischer, türkischer und lateinamerikanischer Stücke, anrührend, bewegend, und fein aufeinander abgestimmt. Auch dies eine passende Reminiszenz an Willemsen, den Kosmopoliten und Menschenfreund.


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