Zwei Seelen in einer Brust Spannendes Sonntagskonzert auf dem Gertrudenberg

Beethovens „Kreutzer-Sonate“ gehörte zum Programm von Anna Markova und Vital Stahievitch. Foto: Egmont SeilerBeethovens „Kreutzer-Sonate“ gehörte zum Programm von Anna Markova und Vital Stahievitch. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Im Herzen der immer noch jungen Geigerin Anna Markova streiten zwei Klangwelten des Violinspiels um die Vorherrschaft, die Russische Schule, nach der sie anfangs in Minsk ausgebildet wurde und das spätere Studium der Barockvioline an der Musikhochschule Bremen. Beim 155. Sonntagskonzert auf dem Gertrudenberg tritt diese Auseinandersetzung deutlich zu Tage.

Ludwig van Beethovens Sonate für Violine und Klavier in A-Dur, op. 47, die „Kreutzer-Sonate“, bekommt bei Markova zunächst einen barocken Anstrich. Die vor Energie strotzende und im Tempo rasante Aufführung des ersten Satzes zeigt geigerisch jedoch eine solche dynamische Starrheit, wie man sie nur von Instrumenten der Alten Musik kennt. Ihr Klavierbegleiter, Vital Stahievitch, macht da nicht lange mit.

Im Variationssatz verbindet er an exponiert pianistischen Stellen seinen federleichten Anschlag mit sprechender Geschmeidigkeit. So „einigen“ sich die beiden beim Finale Presto auf einen frühklassischen Modus. Es erklingt herrlich beschwingte Musik, die endlich jene notwendige Kommunikation zwischen den Motiven zu Gehör bringt, die typisch für Beethoven ist.

Bei Francis Poulencs Sonate für Violine und Klavier, Federico Garcia Lorca gewidmet, besinnt sich Makova auf ihre russische Prägung: Kraft der Bogenführung, schmeichelndes Vibrato, gesangliche Phrasierung und warm tönende Doppelgriffe.

Zum Höhepunkt des Abends wird die Bearbeitung der „Sechs populären spanischen Gesänge“ von Manuel de Falla für die Besetzung Geige und Klavier. Markova überzeugt in jedem Ton mit einer beglückenden Freiheit der emotionalen Gestaltung. Auch der Pianist kann seine Fähigkeit zu atmosphärischen Klangwandlungen zur Geltung bringen.


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