Virtuosität und Leidenschaft Russische Kammermusik im Orchesterstudio

Von Thomas Hitzemann

Spielten melancholische Melodien: Michael Majerskiy, Denys Proshayev und Susanne Lamke. Foto: Egmont SeilerSpielten melancholische Melodien: Michael Majerskiy, Denys Proshayev und Susanne Lamke. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Das zweite Kammerkonzert des Osnabrücker Musikvereins gleicht einem Beitrag zur Novembermelancholie. Die aufgeführten Werke tragen den Zusatz „elegiaque“. Dennoch sind ihre herausragenden Merkmale neben der Schwermut vor allem virtuose Wucht und erschütternde Leidenschaft.

Der Einstieg in Sergej Rachmaninows Klaviertrio g-Moll op. 1 wird vom Klavier dominiert. Erst nach und nach übernehmen Violoncello und Violine die elegischen Themen. Später festigt sich ein gleichberechtigtes Musizieren der drei Instrumente. Denys Proshayev (Klavier) vertauscht oft souverän die Rollen des Anführers und Begleiters. Michael Majerskiy (Violine) und Susanne Lamke (Violoncello) verstehen es, einander thematisch geschmackvoll zu imitieren. Größte Ausdruckskraft erreichen sie allerdings im Unisono. Wenn sie bei den Schlusstakten das Hauptthema mit aufgesetztem Dämpfer noch einmal wiederholen, hört man sprichwörtlich die „Stecknadel fallen“.

Der erste Satz von Peter Tschaikowskis Klaviertrio a-Moll op. 50 hat eine vergleichbar elegische Stimmung. Aber hier sind die thematischen Elemente weit größer und die zusammenhängenden Passagen wesentlich länger. Die Musiker passen ihren Zusammen-klang diesen weit extrovertierteren Anforderungen an. Sie verstärken deutlich die Lautstärken ohne grob zu erscheinen.

Im zweiten Satz wird ein Thema vom Klavier vorgestellt, worauf 11 Variationen folgen. Es steht in einem freundlichen Dur. Die teilweise recht charmanten Variationen bieten zwar genügend Spielstoff für Geige und Cello, aber dennoch werden die Streicher immer wieder als Impulsgeber oder Begleiter an den Rand gedrängt. Die Hauptrolle spielt das Klavier. Überraschend glatt fügt sich bei der 8. Variation eine stilecht komponierte Fuge in das lebendige Geschehen ein. Die intimste Zwiesprache halten Violine und Cello in Variation Nr. 9.

Bei der erneut sehr kompakten Finalvariation nehmen alle drei Instrumente gemeinsam zahlreiche Anläufe zu immer neuen Höhepunkten. Ihr Musizieren endet in einem brausenden Sturm von Mollklängen: Entfesselte und wieder gebändigte Leidenschaft.