Zwischen Dekadenz und Kunst Bilder vergammelnder Edel-Oldtimer im Osnabrücker Industriemuseum

Von Andreas Wenk


awen Osnabrück. Auf die Kalauer-Frage „Ist das Kunst oder kann das weg“ hat jeder seine eigene Antwort. So auch Klaus-Dieter Bergmann. Er ist Mitglied der Fotografischen Gesellschaft Osnabrück und auf einer Wanderung im Neandertal bei Düsseldorf durch Zufall auf den Skulpturenpark des Düsseldorfer Künstlers, Konstrukteurs und Restaurators Michael Fröhlich gestoßen. Herausgekommen ist dabei eine Serie sehenswerter Fotos, die seit Sonntag im Museum für Industriekultur zu sehen sind.

Zuerst war Bergmann nur ein bemoostes Feuerwehrauto aufgefallen. Das hat ihn nicht mehr losgelassen und so hat er zuhause im Internet recherchiert, erhielt die Genehmigung, dort Bilder zu machen und fuhr zurück an den Ort, der eine Welle der Inspiration in ihm ausgelöst hatte.

Das Besondere an dem Skulpturenpark im Neandertal: Er besteht aus zahlreichen Oldtimern, die Fröhlich in geschützter Umgebung sich selbst und der Natur überlassen hat. Dabei widerstand er dem Reflex, die Bergmanns Bilder bei vielen Betrachtern auslöst. Denn es wirkt fast dekadent, die Klassiker der Automobilgeschichte vergammeln zu lassen. Aber genau diese Botschaft macht die Bilder so spannend.

Ambivalente Gefühle

Der Kontrast aus automobilen Pionierleistungen und Legenden sowie aus Patina und Zerfall lassen den Betrachter eben nicht kalt. Pastor Frank Uhlhorn, der die einleitenden Worte zur Ausstellungseröffnung sprach, bemühte den Philosophen Kant und den Soziologen Niklas Luhmann um die ambivalenten Gefühle einzuordnen, die durch die Bilder geweckt werden. Zu seinem 50. Geburtstag hatte sich Fröhlich den Skulpturenpark geschenkt und damit einen geschützten Rahmen geschaffen, in dem die Natur schließlich doch über die Ikonen der mobilen Gesellschaft siegt. Bergmann hat dies in seinen Bildern sensibel umgesetzt. Dabei geht es um Kunst auf einer Metaebene. Die Grenzen von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit zu verdeutlichen und die Vergänglichkeit zu thematisieren, sei auch Teil seines Tuns, so Pastor Uhlhorn. 1000 Jahre seien vor Gott wie ein Tag. Und so schule die Kunst das Auge des Betrachters und verschiebe die Grenzen des eigenen Sehens.

Bergmanns Beitrag dazu im Museum für Industriekultur ist nicht nur kreativ, sondern auch handwerklich mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet, auch wenn die Bilder digital aufgenommen wurden. Die Auswahl des richtigen Fotopapiers, das Angleichen der Farbtemperatur fallen vielleicht nur einem Fachpublikum auf, die begleitenden Texte sind aber auch für Automobilisten und Laien eine Erinnerung oder Bereicherung, die immer wieder Spuren in die Region Osnabrück offen legen.

Museumsdirektor Rolf Spilker dankte der Fotografischen Gesellschaft Osnabrück und Bergmann für die Bilder. Damit sei es ein mal mehr gelungen, Vereine an der Gestaltung des Museumsprogramm zu beteiligen.