Drei Millionen Investition am Sonnenhügel Kita statt Kirche: Die Osnabrücker Heilig-Geist-Gemeinde baut um

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Osnabrück. Der Altar muss umziehen: Damit die Heilig-Geist-Kita am Sonnenhügel wachsen kann, wird der Kirchenraum der Gemeinde verkleinert. Das ist auch eine Reaktion auf sinkende Besucherzahlen in den Gottesdiensten – und nicht das erste Beispiel dafür, dass Kirchen in Osnabrück neu genutzt werden.

Sie haben das Mobiliar probehalber schon einmal so hingestellt, wie es ab dem kommenden Jahr dauerhaft bleiben könnte: Weniger Sitzbänke, dafür schräg angeordnet. Den Altar nach vorne, herunter von der Stufe. Eine Trennwand dort, wo die neue Mauer hochgezogen wird. In der Heilig-Geist-Gemeinde nimmt eine lange geplante Baumaßnahme zum ersten Mal Gestalt an. Wenn alles klappt, soll der Kirchenraum im Frühjahr 2018 verkleinert werden. Und Pfarrer Bernhard Stecker ist es wichtig, dass die Gemeindemitglieder sich schon jetzt vorstellen können, wie ihre Kirche dann aussieht.

Denn der Umbau ist Teil eines größeren Projekts, das alle mittragen müssen, betont er. Immerhin wird die Gemeinde dafür rund drei Millionen Euro ausgeben. Messdiner, KAB und Kolpingfrauen müssen sich während des Umbaus neue Räumlichkeiten für ihre Treffen suchen. Stecker hofft auf fleißige Helfer, wenn es erst ans Aus- und Umräumen geht. Und dann sind da noch die vielen Erinnerungen der Katholiken, die fest mit den alten Wänden verbunden sind.

Der Umbau muss sein

Aber es muss sein, daran lässt Stecker keinen Zweifel. Ausgangspunkt für die Umgestaltung auf dem Gemeindegrundstück ist nämlich ein handfester Mangel: „Wir haben seit Jahren einen steigenden Bedarf und arbeiten mit langen Wartelisten.“ Das sagt Anja Lemme, Leiterin des katholischen Kindergartens, der sich in direkter Nachbarschaft zur Kirche an der Lerchenstraße befindet. Immer wieder muss sie Eltern abweisen, dabei bringt sie schon jedes Jahr eine Regelgruppe im Altbau unter. Der ist mit seinen engen Fluren und ohne Platz für das Mittagessen eigentlich längst nicht mehr zeitgemäß für die Kinderbetreuung.

Von der letzten Baumaßnahme vor 15 Jahren wurden diese Räume praktisch ausgenommen: „Als wir damals unseren Anbau bekommen haben, ist man davon ausgegangen, dass die Kunterbunt-Gruppe irgendwann auslaufen wird und wir dann alle drei verbleibenden Gruppen im Erdgeschoss unterbringen können“, erinnert sich Lemme. Es kam anders: Heute werden wieder mehr Kinder geboren, sie gehen früher in den Kindergarten und müssen häufig auch am Nachmittag betreut werden. Entsprechend hoch ist der Bedarf.

Grübeln über den Umbauplänen: Gemeindepfarrer Bernhard Stecker, Pfarrgemeinderätin Christine Hölscher und Kindergartenleiterin Anja Lemme (von links nach rechts). Foto: Thomas Osterfeld

Das hat auch die Stadt Osnabrück erkannt: „Die Stadtteile Sonnenhügel und Dodesheide sind mit Kindertagesstätten und Krippenplätzen unterversorgt“, heißt es in einem Bericht der Verwaltung an den Jugendhilfeausschuss, deshalb seien „mit den jeweiligen Trägern vor Ort Maßnahmenplanungen erfolgt“. Konkret: Die Stadt ist an die Kirchengemeinde Christus König herangetreten und hat sie gebeten, mehr Kita-Plätze anzubieten. Zum geplanten Umbau steuert die Kommune 795.000 Euro bei, 180.000 übernimmt das Land Niedersachsen.

Damit die Kita wachsen kann, müssen auch die anderen Gebäude der Gemeinde umstrukturiert werden. Denn direkt nebenan steht das Pfarrgemeindehaus – das schon länger eine Krippengruppe beherbergt. Getrennt sind die Einrichtungen nur durch den Pfarrsaal, der vor rund 30 Jahren in Form eines Pavillons angebaut wurde, und ein paar Meter Rasenfläche. Kita und Krippe sollen über einen Anbau verbunden werden, dadurch ist Platz für 15 weitere Kinder. Aber dazu muss der Pavillon abgerissen werden. Und damit der Pfarrsaal für Chorproben, Kirchen-Café und Katechese-Treffen nicht verloren geht, wird er im Kirchengebäude untergebracht. Deshalb muss der Altar in der Heilig-Geist-Kirche aus dem Altarraum, deshalb wird die Zahl der Sitzplätze im Kirchenschiff um ein Drittel auf rund 200 verringert.

Andere Gemeinden machen vor, wie es geht

Es ist nicht das erste Mal, das Kirchengebäude in Osnabrück neu genutzt werden. Fünf andere Gemeinden haben vorgemacht, wie es geht. Die erste war 2009 die Pius-Gemeinde am Kalkhügel. Die Maßnahme glich der in Heilig Geist: Damit der Kindergarten mehr Platz hatte, zog das Pfarrheim in die Kirche. Ein ganz anderes Konzept wurde bei der Kirche Heiligen Familie am Schölerberg realisiert. In den kreisrunden Betonbau ist 2010 ein Kolumbarium eingezogen. Jetzt werden direkt neben dem Altar mehr als 1000 Urnen von Verstorbenen aufbewahrt. Der bisher jüngste Umbau fand im Schinkel statt. St. Maria Rosenkranz beherbergt seit 2014 das Magazin des Diözesanmuseums.

Zwei weitere Bauprojekte bereitet das Bistum für das Jahr 2018 vor: Neben Heilig Geist soll auch die Kirche St. Ansgar in Nahne verkleinert werden. Grund für den Trend ist neben den Kosten für den Betrieb mehrerer Gebäude und Platzproblemen in gemeindeeigenen Einrichtungen vor allem die sinkende Zahl der Gottesdienstbesucher. Sie ist noch deutlich stärker rückläufig, als die Anzahl der Katholiken an sich. Das zeigt die kirchliche Statistik des Bistums Osnabrück. Demnach gab es im Jahr 2016 von der Nordsee bis zum Teutoburger Wald nur noch rund 62.000 Gottesdienstbesucher. Im Vergleich zu 1990 ist das ein Rückgang um 67 Prozent.

In der Heilig-Geist-Gemeinde ist zumindest der Sonntagsgottesdienst noch recht gut besucht, sagt Pfarrer Bernhard Stecker. Zwischen 150 und 200 Katholiken kommen jede Woche, darunter auch viele Familien. Insofern ist der Kirchenraum eher knapp geplant, und an den großen Festen werden einige Gläubige stehen müssen. Das muss Bernhard Stecker seiner Gemeinde durchaus erklären. Bereits zwei Treffen hat er abgehalten, bei denen die Katholiken vom Sonnenhügel ihre Bedenken und Vorschläge zu dem Bauprojekt äußern konnten. Ihnen sagt er dann Sätze wie: „Man kann eine Kirche nicht nur für Weihnachten planen.“ Er verspricht ihnen, notfalls Stühle dazu zu holen, damit möglichst viele Besucher Platz haben. Und „wir in der Gemeinde noch zwei andere Kirchen, in die locker 600 Leute passen“. Auf St. Franziskus in der Dodesheide und Christus König in Haste könne man zum Beispiel ausweichen, um als Pfarrei gemeinsam Firmung zu feiern. Die Prognosen sehen ohnehin voraus, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher weiter sinken wird.

Der Umbau wird keine XS-Version

Mit diesen Argumenten hat Stecker offenbar geschafft, die Gemeinde von dem Vorhaben zu überzeugen. „Hinter dem Ausbau der Kita haben ohnehin alle gestanden“, sagt der Pfarrer. Bevor der Umbau im Februar 2018 beginnen soll, muss er Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand nur noch Details klären: Soll der neue Altar ebenerdig stehen, oder leicht erhöht? Wo sollen die 12 Stationen des Kreuzwegs zukünftig abgebildet werden, wenn nicht mehr zwölf gemauerte Bögen für die Bronzetafeln zur Verfügung stehen? Und kann das alte Kreuz an der Rückwand des Raumes durch eine Lichtinstallation ersetzt werden? Stecker ist wichtig, dass sich der Umbau auch optisch vom jetzigen Kirchenraum unterscheidet: „Es soll schließlich kein Heilig-Geist in klein, keine XS-Version unserer Kirche werden.“


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